Der Rapper Bushido gibt nicht mehr den Bürgerschreck und denkt an die Zukunft
Bürgerschreck, Provokateur, Rampensau, Enfant terrible und Gangsta-Rapper: Es gibt viele Worte, um Bushido zu beschreiben. Unter dem Titel "Zeiten ändern dich" kommt die Lebensgeschichte des Hip-Hoppers jetzt ins Kino. Beim Interview in einem Berliner Hotel war der angebliche Skandal-Rapper überraschend artig, um nicht zu sagen: äußerst handzahm.
Bushido, Sie hatten heute schon einen Termin in einer Schule. Was haben Sie da gemacht?
Ich war zwei Stunden lang an der Peter-Ustinov-Oberschule in Charlottenburg, in einer 10. Klasse. Wir haben über Berlin, Wirtschaft, Jugendkriminalität und so weiter geredet, es war super. Negativ überrascht hat mich nur die Technik: Die Lehrerin lud sich vorn ein Referat per USB-Stick auf den Computer und suchte dann im Internet Material raus. Ich dachte, ich bin im Internetcafé gelandet! Da habe ich erstmal einen Vortrag gehalten, dass das zu meiner Zeit ganz anders war.
Sie bringen also ernsthaft Sprüche wie: "Früher war alles besser"?
Ja ja, ich kam mir vor wie meine Mutter, ohne Scheiß! Dort gab's nicht mal Kreide, sondern eine Plastiktafel mit Boardmarkern. Bei einem Referat kommt's drauf an, dass man frei redet und sein eigenes Potenzial einbringt, nicht auf eine perfekte Powerpoint-Präsentation. Man soll doch mit Menschen kommunizieren lernen. Aber das blieb dort krass auf der Strecke.
Hatten Sie Lehrer, die Sie geprägt haben?
Einen einzigen, meinen Chemielehrer Herrn Helmert. Ich habe '96 mein Abi abgebrochen und bin vom elitär angehauchten Eckner-Gymnasium, wo ganz wenig Ausländer waren, auf eine andere Schule gegangen. Der Chemielehrer dort war so cool, dass ich da 14 von 15 Punkten bekam. Ich habe aber immer gute Noten gehabt. Deutsch hat mich interessiert, Chemie war super, Mathe war gut, Sport sowieso.