Koboldhafte Wesen, kompakt zum Kuscheln
Zufriedene Gesichter: Barbara Palm und ihre drei Lieblinge Dorle, Paula und Lucy.
Gerd Engelsmann
Barbara Palm hat ihr Herz an kleine Hunde verloren - an Möpse
So attraktiv wie Paula ist keine. Model wird sie genannt. Verständlich, bei den langen Beinen, dem Körper. Paula genießt die Blicke. Lächelt zurück - mit ihren rehbraunen Augen. Und Mutter Dorle ist es gewohnt, dass man ihre Tochter anstarrt. Sie ist nicht eifersüchtig, sitzt daneben und dreht ihren Kopf, der dicht auf dem schon etwas faltigen Hals sitzt, liebevoll zu Paula, die auf der Eckbank neben Lucy kuschelt. Diese rümpft ein wenig die Nase, legt die Stirn in Falten - schließlich war sie die Erste hier.
Na ja, nicht ganz. Eigentlich ist es Barbara, die hier das Sagen hat. Sie sitzt zwischen Paula, Dorle und Lucy. Seit 25 Jahren ist das ihre Kneipe, in der sie nun mit den dreien beim Kaffee das Geschehen betrachtet, wie die beiden älteren Herren in der Muppetshow.
Die Stammgäste, gut drei Viertel der Kunden, sind den Anblick gewohnt: die Chefin mit ihren Mädchen auf der Bank. "Wer das nicht abkann, braucht ja nicht zu kommen", sagt Barbara Palm. Die 52-Jährige macht keinen Unterschied zwischen Dorle, Paula, Lucy und den anderen im Raum. Warum auch? "Alles Geschöpfe, von Gott gemacht - die sind genauso viel wert wie alle anderen Wesen auch."
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Man mag nicht widersprechen, man mag lieber anderes tun, wenn man die drei so sitzen sieht - sie anfassen, streicheln, knuddeln. Richtige Hunde, gibt die stolze Besitzerin zu, seien die drei Möpse ja sowieso nicht. "Das sind koboldhafte Wesen, kompakt zum Kuscheln", erklärt sie, "so eine Mischung aus Hund und Katze." Laut Ordnungsamt aber, das pro Nase 25 Euro kassiert, wenn die drei mal unangeleint vor die Tür gehen, und laut Tierlexikon sind es ganz klar Hunde, eine Rasse, die schon vor 2 000 Jahren in China gezüchtet wurde. Aber sie hören nicht, sagt ihr Frauchen, machen nicht Sitz und nicht Platz. Dafür gehen sie bei ihr zu Hause mit den drei Katern auf deren Klo. Und lassen sich knuddeln wie eine Schmusekatze. Stimmt, Dorle hebt das Pfötchen wie ein Kätzchen, das weitergestreichelt werden will - und Lucy schleckt derweil an der Hand eines anderen Gastes. Sie gehören eben zur Familie hier. Und Barbara Palm weiß, was sie mögen: Dorle Kartoffeln mit Soße, Paula frische Clementinen und Lucy nur welche aus der Dose.
Aber nein, überfüttert werden die drei, die bei Hundeausstellungen schon 32 Pokale abräumten, nicht. Exakt 200 Gramm Futter gibt es pro Tag für jedes "Mopsmädchen", wie die Besitzerin sagt. Nicht mehr. Wer mag schon zu dicke Möpse? Wobei Barbara Palm das Wort nicht gerne hört. Sie sagt lieber "Mopse" als "Möpse", das ist zwar laut Duden falsch, aber es ist immerhin unmissverständlich. Und das ist ja auch was wert am Stammtisch. An dem sich übrigens am ersten Sonntag im Monat immer nur Menschen treffen dürfen, die Möpse haben. Denn Barbara Palm gründete einen Mopsclub und einen Hilfsverein für vernachlässigte "Mopse", der solche dann kostenlos vermittelt. Aber nur in gute Hände. "Manchen Menschen würd' ich nicht mal 'nen Stoffhund geben", sagt sie. Seit ihr Mann starb und sie sich dann drei Monate später ihren Traum erfüllte und einen schwarzen Mops kaufte - Lucy - hat sich ihr Leben, wie sie sagt, "komplett verändert". Das war 2001. "Alles dreht sich seither um die Hunde." Barbara Palm geht um halb elf mit ihnen schlafen, auch wenn am Tresen noch der Bär steppt, sie steht um sieben mit ihnen auf, kauft ihnen Regenmäntelchen, Pullover, Halsbänder mit Swarovski-Glitzer, Autofahrerbrillen und Schlägermützen. "Ja sicher", sagt die Wirtin, ohne danach gefragt zu werden, "die sind auch Kinderersatz." Und sie sind ihr Leben. Ein Leben, über das sie nicht nur ein Buch schrieb "Turbulenzen in der Heide 11", sondern das auch als Vorlage für das Mini-Stück "Schmetterling" an der Neuköllner Oper diente. Hauptperson ist ein Mops namens Lucius. Lucy stand Pate. Und Barbara Palm war mächtig stolz - vor allem auf die Musical-Zeile: "Der Mops ist die Krone der Evolution."
Stammtisch mit Hunden
Mops-Freunde treffen sich an jedem ersten Sonntag im Monat mit ihren Hunden in der Gaststätte Heide 11 an der Hasenheide 11. Und jeden Sonnabend auf dem Gatower Platz des Rassehundevereins Spandau.
Interessierte können sich bei Barbara Palm, babs@heide11.de anmelden und im Internet weitere Informationen und Ansprechpartner finden: www.heide11.de.
Text: Peter Brock, Berliner Zeitung
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