Hopfen, Malz und Muskelschmalz

Berliner Hobbys: Bier brauen Rolf Exner in seiner privaten Braustube. Nicht im Bild ist der Schrubber, mit dem er nachher alles mühsam sauber machen muss. Gerd Engelsmann

Der Informatiker Rolf Exner braut sein eigenes Bier in seiner Abstellkammer in Prenzlauer Berg

Der Prenzlauer Berg als Brauerei-Hochburg? Das ist vorbei. Die Schultheiss-Brauerei heißt heute Kulturbrauerei. Im Biergarten der Pfefferberg-Brauerei wird nur noch ausgeschenkt. Aber es gibt einen Erben. Rolf Exner stellt in seiner Vierzimmerwohnung in Prenzlauer Berg eigenes Bier her - Exner-Bräu sozusagen. Ein Zimmer hat der Student für Geräte reserviert: Töpfe aus Großküchen, Milchfässer und Wassertonnen zum Gären stapeln sich, dazu ein Gewirr aus Schläuchen, Pumpen und Messgeräten. Rolf Exner findet alles dies bei Ebay, über Freunde oder per Zufall: "Wenn irgendwo eine Oma ins Altersheim kam, hab ich gefragt, ob ich den Einmachtopf haben kann." Die Anlage ist improvisiert, aber sie funktioniert. Nur eines fehlt Rolf Exner zum Hobbybrauer-Glück: ein Durchbruch zur Küche, so dass das Selbstgebraute am Tisch aus dem Zapfhahn fließt. "Meine Freundin ist davon leider nicht so begeistert."

Berliner Hobbys: Bier brauen photocase

Also gehen die Durstigen auf den Balkon, wo Flaschen und Fässer lagern. "Gerade habe ich rötlich-bernsteinfarbenes Bockbier mit Karamellnote. Außerdem ein klassisches Kölsch und herbes Ale aus englischem Hopfen." Neues auszuprobieren macht dem 28-jährigen Spaß. Lieblingsbier oder Stammrezept gibt's nicht. "Ich bin ein Chaot. Es kommt eh immer was anderes raus", sagt Exner. Sein gewagtestes Experiment war ein Weihnachtsbier mit Ingwer, Zimt und Nelken gewürzt. "Am Anfang hat's furchtbar geschmeckt, aber nach einem Jahr Lagerzeit war es ein gutes Bier."

Vor acht Jahren machte der Informatiker in seinem Nürnberger Elternhaus mit einem holzbeheizten Waschzuber aus Omas Rumpelkammer die ersten Versuche. Heute kann der Berliner in einem Braugang 140 Liter Bier brauen. Fünf, sechs Mal im Jahr stellt sich Exner an die Kessel - eine tagesfüllende Beschäftigung, denn vom Aufbau bis zum Abfüllen des Suds vergehen sechs Stunden. "Danach klebt alles", sagt er lachend. Seine Freundin, eine Hutmacherin, die in der Wohnung ihr Atelier hat, sucht an solchen Tagen das Weite. Dafür kommen Freunde, die zusehen und mit anpacken. Ehrensache, dass sie später auch beim Trinken helfen.

Bei aller Improvisierfreude zieht es Rolf Exner dennoch in die Industrie. Er hat ein Brauerei-Studium begonnen, will bei einem großen Brauhaus landen. Da nimmt er es in Kauf, dass er zum Arbeiten wohl weg müsste aus dem alten Brauerei-Viertel Prenzlauer Berg.

Kurse im Brauhaus

Zutaten: Zur Bierherstellung braucht man geschrotetes Malz, Hopfen und Hefe. Im Internet gibt's Zutaten.

Verein: Die "Vereinigung der Haus- und Hobbybrauer in Deutschland e.V." hat eine Homepage (www.hausgebraut.de) und veranstaltet jährlich die Haus- und Hobbybrauertage.

Für Anfänger: Tipps unter www.brauherr.de.

Das "Brauhaus Südstern" (Hasenheide 69) bietet für 75 Euro eintägige Braukurse an.

Text: Franziska Walser, Berliner Zeitung