Architektur zum Anziehen

Unbuilt Shirt von Philipp Koch und Ernst Scharf Gebäude, die nie gebaut werden, gibt es wenigstens zum Ansehen auf T-Shirts. Philipp Koch (l.) und Ernst Scharf mit ihrer Unbuilt-Shirt-Kollektion.

Zwei junge Berliner Architekten bringen nie gebaute Entwürfe aufs T-Shirt

Angefangen hat alles mit Frust. Wie viele Architekten nahmen Philipp Koch, 36, und Ernst Scharf, 39, an zahlreichen Wettbewerben teil, oft auch gemeinsam. Doch auf 40 Entwürfe kommt vielleicht einer, der dann auch realisiert wird. "Wir fanden es schade, dass die Zeichnungen so einfach in der Schublade verschwinden", sagt Scharf. Denn es stecke schließlich viel Zeit und Kreativität in den Arbeiten.

Schwimmenden Häuser auf der Brust

Die Architekten wollten irgendwas mit den Entwürfen machen. Und als Kochs Freundin, eine Designerin, den Katalog der amerikanischen T-Shirt-Firma American Apparel zugeschickt bekam und Koch die unbedruckten Shirts sah, dachte er: Da muss was drauf - und wir haben es in der Schublade. Koch und Scharf kramten abgelehnte Entwürfe hervor. Den für ihre schwimmenden Häuser in Rummelsburg etwa oder den für eine Sklaven-Gedenkstätte im Senegal. Sie überlegten, wie sie die aufs T-Shirt bringen könnten. Schnell war klar, dass man eine Architekturzeichnung nicht so wie sie ist auf ein T-Shirt drucken kann, vor allem weil man ja ein großes Publikum ansprechen wollte. Das sollte sehen, wie kreativ Architekten sind und was sie sich so alles ausdenken. Also wurden die Entwürfe teilweise stark abstrahiert und bearbeitet.

Seit Mai werden nun T-Shirts mit 16 verschiedenen Motiven unter dem Label Unbuilt Shirt verkauft. Um das Projekt bekannt zu machen und auch anderen die Chance zu geben, ihre Arbeiten auf diese Weise bekannt zu machen, schrieben Koch und Scharf einen Wettbewerb bei Competitionline aus, der Internetplattform für Architekten. 55 Entwürfe wurden dort eingereicht, Anfang Juli schließlich wählte eine Jury sechs Gewinner aus, deren Arbeiten von heute an auf T-Shirts erhältlich sind.

Einige der Entwürfe sind dabei kaum noch als Architektur identifizierbar. Die Gewinner des ersten Preises vom Berliner Büro Hackenbroich Architekten brachten beispielsweise einen Entwurf für das Nam June Paik Museum in Südkorea aufs Shirt. Das Motiv besteht aus vielen kleinen Rechtecken, die eine grafische Struktur bilden.

Dass beim Wettbewerb einige ziemlich abstrakte Motive gewonnen haben, liegt wohl daran, dass in der Jury neben Architekten auch Modemenschen wie Norbert Tillmann von der Modemesse Premium oder Claudia Fauth vom Label Hasipop saßen. Und die hatten oft andere Vorstellungen davon, wie Architektur auf T-Shirts aussehen soll. "Alles, was nach Haus oder Gebäude aussah, flog schnell raus", erzählt Koch. Für die Zukunft plant er jetzt eine Edition, für die gezielt junge, erfolgreiche Büros aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gezielt angesprochen werden sollen. Sie können ihre ungebauten Entwürfe aufs Shirt bringen. Und auch ein Built-Shirt, also eins mit gebauten Projekten, ist denkbar. Koch und Scharf arbeiten weiterhin als Architekten und wollen nicht komplett ins Modegeschäft wechseln. "Das ist eher ein Hobby", sagt Koch. Eines, das wenig einbringt: Weil die Architekten die aufwändige und teure Drucktechnik des Beflockens gewählt haben und die T-Shirts in Berlin machen lassen, ist ihre Gewinnspanne nur sehr klein.

Informationen

Wo kaufen: Die für Frauen sind bei Kabine Engelheimer, Gaudystr. 4, sowie bei Contrairways, Oderberger Str. 45, erhältlich. Die für Herren gibt's online unter www.unbuilt-shirt.com.

Preis: Die Unbuilt-Shirts kosten 38,50 Euro.

Text: Eva Dorothée Schmid, Berliner Zeitung