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Verknüpft und Zugenäht
©shutterstock
Sein biederes Image von einst hat das Nähen locker abgeschüttelt: Die Berliner Selfmade-Szene wächst und wächst. Sich Kleider, Röcke und Handtaschen selbst zu nähen, ist derzeit absolut angesagt – gerade bei jungen Leuten.
"Nähen war schon immer meine ganz große Leidenschaft", sagt Sarah Meyer (31). Schon bevor sie lesen und schreiben lernte, habe sie bereits nähen können. "Wenn wir verreist sind, hab’ ich zuerst nach Stoffläden Ausschau gehalten", erinnert sich die Modedesignerin. Die meisten Läden machten sie allerdings eher traurig: rumpelig, staubig, mit Stoffballen bis unter die Decke.
Mit Maßband und Nähmaschine nähen sich manche Kundinnen sogar Abendkleider selbst.
©Katrin Starke
Bewunderung statt Mitleid fürs Selbernähen
Im vorigen Jahr hat die findige Geschäftsfrau ihren eigenen Laden samt Nähwerkstatt in Mitte eröffnet. Die Wände des freundlichen Ladenlokals in der Brunnenstraße sind weiß, die Atmosphäre ist hell und freundlich – so kommen die bunten, großgemusterten Stoffe besonders gut zur Geltung. "Früher wurdest du fast bemitleidet, wenn du was selbst Genähtes getragen hast", sagt die junge Frau. Das ist Schnee von gestern: Statt eines bedauernden "Ach" erntet sie heute oft ein bewunderndes "Wow" für ihre Eigenkreationen. "Inzwischen ist Self-Made-Mode ein Qualitätskriterium, ein echtes Prädikat“, erzählt sie – und kennt noch einen weiteren Grund für die neue Lust am Schneidern: "Die Leute haben einfach keinen Bock mehr auf Klamotten von der Stange, wollen Individuelles statt Massenware."
Stoff für große Leidenschaft: Sarah Meyer hat einen Stoffladen und gibt Nähkurse.
©Katrin Starke
Auch Männer geben Gas an der Nähmaschine
Auch wenn selbst geschneiderte Mode ihren Preis hat. "Ein Shirt für fünf Euro – das können nur die Textilketten", sagt Sarah. „Da kann ich nicht mithalten." Will sie auch gar nicht, denn sie setzt auf gute Stoffe aus Naturfasern. Viel Baumwolle und Seide und möglichst aus fairem Handel. Aus dem Raum hinter dem hellen Vorhang dringt derweil ein leises Rattern – der Klang einer Nähmaschine. Vier Frauen sind an diesem Abend in die Nähwerkstatt von "Stoffe Meyer" gekommen, für mehr wäre auch gar kein Platz. Die Nachfrage ist groß, manche Termine sind über Wochen ausgebucht. Rund zwei Drittel der Wissbegierigen – unter ihnen übrigens auch immer häufiger Männer – sind Anfänger. "Die anderen können schon nähen, brauchen aber ein paar Tipps für ein ganz spezielles Projekt", sagt Sarah. Wie die Kundin, die sich ein raffiniertes Ballkleid nähen wollte. "Die letzten Knöpfe hat sie zwei Stunden vor dem Ball angenäht – ein tolles Erfolgserlebnis."
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