Spiel mit Stromstößen

Katrin Starke

Berlin hat jetzt ein neues Museum für Computerspiele: Von körperlichen Schmerzen an Spielgeräten, listigen Elektronengehirnen und den Meilensteinen der Games-Kultur.

Ungläubig steht Beate Schäufler (46) vor der PainStation. "Ein Spielgerät, das die Spieler mit körperlichen Strafen malträtiert?", wundert sich die Mutter eines zwölfjährigen Jungen. In der Tat.

Wie viel Schmerz ist der Sieg wert?

Hält ein Spieler den kleinen Tennisball auf dem Monitor nicht, wird die Metallplatte heiß, auf der seine linke Hand liegt. Später folgt ein leichter Stromstoß, am Schluss gibt's sogar einen kleinen Peitschenhieb. Klar kann man die Hand von der Platte nehmen – dann hat man aber das Spiel verloren. Nein, Beate Schäufler will lieber nicht an der "PainStation" spielen, nur erklären lässt sie sich das Gerät von ihrem Sohn Nils. Der Zwölfjährige hat seine Mutter zum Besuch im neuen Computerspiele- museum überredet. "Sie hat echte Vorurteile", verrät Nils, und halte leider gar nichts vom Daddeln.

"Opa aller Spielgeräte": Auch der Game-Klassiker "Pong" fasziniert die Besucher. Katrin Starke

Denkmal für die Vorboten der vernetzten Gesellschaft

Seit der Eröffnung am 21. Januar 2011 hat das Haus bereits 12.000 Besucher gezählt – "ganz schön viel", wie Museumschef und Ausstellungskurator Andreas Lange (43) stolz verkündet. Bereits 1997 hatte der studierte Religionswissenschaftler eine ständige Ausstellung zur "digitalen interaktiven Unterhaltungskultur" aufgebaut. Nach drei Jahren machte die Schau in Berlin dicht, ging auf Wanderschaft und zog über die Jahre fast eine halbe Million Menschen an. Im Januar nahm Andreas Lange einen neuen Anlauf, eröffnete im ehemaligen Café Warschau in Friedrichshain die "weltweit einzigartige" Dauerausstellung "Computerspiele. Evolution eines Mediums" – und setzt den Vorboten unserer heutigen vernetzten Gesellschaft damit ein Denkmal.