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Pokerfieber: Berlin hat es erwischt
Das große Bluffen
Das Pokerfieber ist ausgebrochen – und zwar nicht erst, seit Daniel Craig als James Bond in „Casino Royale“ alles auf Sieg gesetzt hat. Nach Schätzungen der „German Poker Players Association“ (GPPA) pokern hierzulande inzwischen acht Millionen Menschen. Auch in Berlin legen immer mehr mit dem Pokervirus Infizierte die Karten auf den Tisch.
Der DJ legt chillige Musik auf. Im Hintergrund läuft eine Fernseh-Quizshow auf der Großbildleinwand. Der Raum ist in rötliches Licht getaucht. Mal geht ein Bier, mal ein Energy-Drink über den Tresen. Alles im Safe-Club deutet auf einen ganz normalen Discoabend hin. Doch etwas ist anders: Niemand tanzt, niemand steht herum. Diszipliniert sitzen die Besucher – unter den rund 120 Gästen nur etwa eine Handvoll Frauen – an wabenförmigen Tischen. Pokertischen. An diesem Abend ist Pokern angesagt im Safe. Gespielt wird Texas Hold’em. Doch das, was man üblicherweise mit Poker verbindet, sucht man hier vergebens.
Bye-bye, Al Capone!
Statt des schwarzen Anzugs mit den von Geldscheinbündeln ausgebeulten Hosentaschen tragen die Gäste Jeans, T-Shirt und ein Basecap mit dem Schirm nach hinten. Niemand raucht dicke Zigarren. Niemand versucht, die nervösen Blicke auf die Karten, die in der Mitte des Tisches aufgedeckt liegen, mit dunklen Sonnengläsern zu kaschieren. Eine neue Pokergeneration trifft sich zum großen Bluffen. Das sind junge Leute, die einfach Spaß haben am Spiel und bei denen nicht das Dollarzeichen in den Augen blitzt, wenn sie ihre „Straßen“ und „Vierlinge“, ihr „Full House“ oder ihren „Flush“ legen.
Alles gesetzt – und verloren
„Es ist eine tolle Möglichkeit, gemeinsam mit Freunden etwas Spannendes zu erleben“, sagt Jörn und schaut auf sein Blatt: Herz Dame und Herz König hat der 21-jährige Informatikstudent auf der Hand. Er entscheidet sich für „all-in“, setzt alle Chips – und verliert. Schweißperlen stehen ihm deswegen nicht auf der Stirn. „Wir spielen nicht um Geld“, macht Stefan Schüttler, Präsident des Pokerclubs Bad Beat Berlin, deutlich – des Vereins, der zusammen mit der Pokerschule Dioperdona und dem Safe die Pokerabende ausrichtet.
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