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Jedem seine Bühne
Besucher im "Madame Claude"
flickr.com - tracy the astonishing
Vorbild Speakers' Corner in London: Wo sich mutige und extrovertierte Berliner in Szene setzen. Von "Science Slams", "Nerd Nites" und "Open Mic"-Wettkämpfen auf der Bühne, in Parks oder in der U-Bahn.
"Wer sich in Berlin irgendwohin stellt und redet, den halten die Leute für verrückt oder betrunken", sagt Peter Lüder. Und weil er das schade findet, kam dem Theaterregisseur und Rhetoriktrainer die Idee, Rednern ein Forum zu bieten.
Gedankenaustausch auf dem Flughafenfeld
Zweimal lud er im Jahr 2010 zum Redewettbewerb in den Volkspark Tempelhof. Fünf Wettbewerbe will er in diesem Jahr zwischen Mai und Oktober auf die Beine stellen. Das ehemalige Flughafenareal sei ein toller Ort. Für sportliche Aktivitäten, aber auch zum gedanklichen Austausch. Seinen Redewettbewerb versteht Lüder als Bühne für jedermann: "Da erfährt man, was die Leute beschäftigt." Ein Mittelding zwischen Talkshow und privatem Gespräch am Stammtisch habe in Berlin gefehlt.
Der schönste Erfolg wäre für Lüder, wenn die Rednerecke, links neben dem Parkeingang am Columbiadamm, auch außerhalb der Wettbewerbe genutzt würde. Ganz so wie im Londoner Hyde Park, wo an der Speakers' Corner seit 1782 Menschen auf Holzkisten steigen und Vorträge halten. Über Mietpreisentwicklung und Ladenleerstand. Über Atomkraftwerke und die Regierung.
Andreas Riedel
Nerds stellen wilde Theorien auf
Das Prinzip von Speakers' Corner ist auch Basis der "Nerd Nites", die Bettina Rech und Jan Renz nach Berlin geholt haben. In den USA seit 2003 der Renner, können seit vorigem Jahr auch hier selbst ernannte Experten zwanzig Minuten lang in heimeliger Baratmosphäre über ihr Lieblingsthema referieren. Während sich das Publikum bei Wodka oder Bionade in den Sesseln räkelt, stellen je drei Nerds wilde Theorien auf oder erklären die Welt.
Nach dem Vortrag von Barbara Zittermann beispielsweise dürfte auch dem letzten Zuhörer klar geworden sein, was Laser von Glühwürmchen unterscheidet. Nicht von ungefähr wird Barbara von ihren Freunden "Laser-Babs" genannt, weil sie auf Partys gern fremde Menschen über Laser zutextet. Der Zuschauer nehme im besten Fall Fakten mit nach Hause über ein Thema, über das er sich noch nie Gedanken gemacht habe, sagt Initiatorin Rech.
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