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Übernachten in der "Stasi-Suite"
Das neue Berliner Hostel "Ostel" verwöhnt mit DDR-Kitsch vom Feinsten
Berlin 18.00 Uhr, Moskau 20.00 Uhr, Havanna 13.00 Uhr, Peking 6.00 Uhr. Die großen Bahnhofsuhren über der Rezeption geben dem Besucher einen ersten Hinweis darauf, welche Zeitreise er angetreten hat. Auch das Eröffnungsdatum war Teil des Konzepts: Am 1. Mai feierte das "Ostel" am Berliner Ostbahnhof im Wriezener Karree 5 seine Premiere. Wer's exklusiv mag, wählt die Stasi-Suite, Rucksacktouristen übernachten zu sechst im preiswerten Pionierlager. Für die kostenbewusste Kleinfamilie eignet sich die Plattenbauwohnung "mit Aufbettungsmöglichkeit".
"Seit dem ersten Tag können wir uns vor Reservierungen kaum retten", erzählt die Rezeptionistin Liliana Lehmann. Das "Ostel" scheint eine Lücke im Berliner Gastgewerbe zu schließen. Dabei hatten die Eigentümer, der 35 Jahre alte Daniel Helbig und der 41-jährige Guido Sand, keinerlei Erfahrung in der Hotellerie, als sie den Plan zu einem Hostel im DDR-Design fassten. Kennen gelernt hatten sich die beiden als Artisten im DDR-Staatszirkus.
www.ostel.eu
Mu-Fu-Ti und Erich Honecker
"Es dauerte nur wenige Monate, bis die Einrichtung komplett war", erzählt Helbig. Das meiste stamme aus Familienbesitz, einiges hätten Freunde beigesteuert. Die großflächig gemusterten Tapeten, die das Farbspektrum zwischen braun und orange voll ausschöpfen, die ausladenden Schminktoiletten, die kastenförmigen, schmucklosen Nachttische - jedes Möbelstück ist ein Originalzitat. Diejenigen Gäste, die das historische Vorbild aus eigener Anschauung kennen, bestätigen die Authentizität des Interieurs.
Mit viel Liebe zum Detail sind Helbig und Sand bei der Einrichtung vorgegangen, und - hier widerlegen sie den zweifelhaften Ruf des Ostmobilars, das schon in dem Film "Sonnenallee" als "Mu-Fu-Ti", als Multi-Funktionstisch belächelt wurde - auch mit Geschmack. Ursprünglich sollte in allen Zimmern ein Bild Erich Honeckers hängen. "Aber die Leute waren so begeistert von den Portraits, dass sie sie reihenweise mitgehen ließen." Jetzt werden die Poster nur noch an der Rezeption verkauft.
In einer Vitrine im Eingangsbereich wird zudem ein wildes Potpourri aus DDR-Reminiszenzen angeboten. Plaste-Eierbecher, Schokotaler in DDR-Mark-Optik, Pittiplatsch-Figürchen, ein Original-Seifenbeutel. Die nostalgische Sammelwut kennt dabei keine Grenzen. Sogar eine Rolle echtes Ost-Toilettenpapier, dessen raue Beschaffenheit sprichwörtlich geworden war, wird hier ausgestellt. Es ist eine der letzten ihrer Art und steht daher nicht zum Verkauf.
Das Motto des Hauses ist keineswegs auf das Design beschränkt. Auch an den Gemeinschaftsgeist der ehemaligen DDR versucht das "Ostel" anzuknüpfen. Daher wird hier jeden Samstagabend ein Barbecue mit allen Gästen veranstaltet, an dem auch die Angestellten und Eigentümer teilnehmen. Eine hauseigene Küche mit DDR-Spezialitäten gibt es nicht. "Wir verteilen Essenmarken für das interkontinentale Frühstücksbuffet im 'Treffpunkt', dem Plattenbau gegenüber", sagt Liliana. Das allerdings könnte sich demnächst ändern, weil nebenan zurzeit ein neues Restaurant entsteht, dem Helbig bereits ein Angebot zur Kooperation unterbreitet hat: der "Ossi-Hof."
Weitere Informationen bekommen Sie unter www.ostel-berlin.de oder unter der Telefonnummer 030/25 76 86 60.
Text: ddp
Verkehrsanbindung
Bus-Haltestellen:
Franz-Mehring-Platz: 240, 347, N40
S Ostbahnhof: 140, 142, 147, 240, 248, 347, N40
S-Bahnhöfe:
S Ostbahnhof: S3, S5, S7, S75
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