Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen

Nie wieder Sardinen. 3D-Animationsfilm: "Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen"

Ihre besseren Zeiten hat die kleine Insel Affenfels sichtlich hinter sich. Seit die Sardinendosenfabrik, einziger Arbeitgeber am Ort, geschlossen wurde, verfallen die Produktionsanlagen im Hafen auf industrieromantisch vorbildliche Weise. Das verbreitet eine Aura milder, rostiger Hoffnungslosigkeit. Aber ans Aufgeben denken die Bewohner in dem 3D-Animationsfilm "Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen" nicht, denn: "Nicht jede Sardine schwimmt von allein!" Dies jedenfalls ist eine der vollkommen unverständlichen Lebensweisheiten, die der junge Flint von seinem emotional und pädagogisch gehemmten Vater mit auf den Weg bekommt. Das Zusammenleben mit Flint ist indes nicht immer leicht; der zappelig-kauzige Junge mit den großen Ambitionen ist Erfinder. In seinem unterirdischen Labor hat er schon mäßig praktische permanente Aufsprühschuhe und bissige Rattenvögel entwickelt, meistens fliegt aber einfach alles in die Luft. Die ersehnte Anerkennung durch den Vater und den Rest der Inselbewohner konnte er bislang jedenfalls nicht erlangen.

Jedermanns Liebling ist in rückwärtsgewandter Sehnsucht "Baby" Brent, ein dicker junger Mann, der als Baby mal für das florierende Sardinenkonservenunternehmen geworben hat und noch heute gelegentlich in Windeln auftritt. Da lässt sich Flints Erregung gut nachvollziehen, als nach Jahren der Enttäuschung eine Erfindung doch tatsächlich mal zu funktionieren scheint. Flint gelingt eine Apparatur, die mit Hilfe von Wasser jedwedes gewünschte Essen vom Himmel regnen lässt (nie wieder Sardinen!) - und wird zum Star. Mehr noch: Mit der attraktiven Wetterfee Sam kommt für Flint die Liebe auf die Insel.

Natürlich ahnt der Zuschauer, wohin sich eine Wunschmaschine unter Einbeziehung menschlicher Gier und Eitelkeit entwickeln wird - selbstredend in Richtung Alptraum. Schon bald nämlich kündigt der Horizont von grässlichen Unwetter. Bis zum Showdown dürfen sich die Animatoren aber erstmal im Entwerfen von Lebensmittelwelten austoben. Die Speiseeisberge und auch die Wackelpuddingwelt geraten dabei sehr appetitlich, während der massenhafte Niederschlag von Hamburgern und Fleischbällchen nicht in jedem Fall Gaumenfreuden zu versprechen scheint - es ist halt eine sehr US-amerikanische Sicht auf Essbares. Passend zu den hyperrealistischen Hintergründen zeigt man sich bei der Kreation der Speisen detailversessen, Gurkenscheibchen und herausquellender Ketchup fliegen dem Zuschauer entgegen. Im Gegensatz dazu sind die Figuren sowohl in ästhetischer und dementsprechend auch in charakterlicher Hinsicht weniger subtil angelegt: Sie sind, was sie zu sein scheinen.

"Wolkig mit Aussichten auf Fleischbällchen" beruht auf dem 1978 erschienenen gleichnamigen Kinderbuch von Judi und Ron Barrett. Für die Filmversion hat man sich bei der Sony Pictures Animation nun eine vollkommen neue Rahmenhandlung erdacht, um Spielfilmlänge zu erreichen. So ganz vermag diese nicht zu überzeugen. Trotz des rasanten, chaotisch-heiteren Treibens und vieler schöner visueller Einfälle hat die Geschichte vom tückischen Schlaraffenland ihre Längen. Letztlich zerplatzt der Traum von der Völlerei aber auf ansehnlich unappetitliche Weise.

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Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen (Cloudy with a Chance of Meatballs)


USA 2009; 90 Minuten, Farbe, FSK ab 6

Regie & Drehbuch: Phil Lord, Christopher Miller

dt. Sprecher: Robin Kahnmeyer, Luisa Wietzorek u. a.

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Text: Katja Lüthge, BLZ