Wenn Liebe so einfach wäre

Wenn nur die Kinder nichts merken!: Meryl Streep pflegt eine Affäre mit dem Exmann in "Wenn Liebe so einfach wäre"

Anfangs stimmt das Klischee. Die Ex-Frau wallt im sorgsam gebügelten, weiten weißen Leinengewand unauffällig an den Rändern eines Empfangs umher. Ihre Nachfolgerin kommt bauchfrei hereingefedert, wirft die Haarmähne wie ein Araberpferd und darf sich sicher sein, dass der verspätete Auftritt ihr die maximale Aufmerksamkeit aller Gäste beschert. Der Mann mit der Hand an ihrer Hüfte gibt dazu die Grinsekatze. Und er verabschiedet die geschiedene Gattin mit jener freundlichen Gleichgültigkeit, die in Floskeln wie "Gutsiehstduaus" liegt.

So weit also das Erwartbare in "Wenn Liebe so einfach wäre", dem neuen Film von Nancy Meyers: der Mann in den Fünfzigern im zweiten Frühling, unterwegs im röhrenden Porsche, die Frau in den Fünfzigern auf dem Weg zum Schönheitschirurgen oder beim Törtchenschlachten mit ihren Freundinnen. Da Jane (Meryl Streep) und Jake (Alec Baldwin) aber schon seit einem Jahrzehnt geschieden sind, ist vom Groll ihrerseits nichts mehr übrig geblieben. Als sie sich zufällig in einer Hotelbar treffen und beide nichts vorhaben, unterhalten sie sich zu ihrer größten Überraschung prächtig - wofür auch sich zügig leerende Rotweinflaschen verantwortlich sein dürften. Und landen giggelnd im Bett. Eine Affäre! Eine ziemlich heiße Affäre! Weitere Treffen in anderen Hotelzimmern folgen! Am helllichten Nachmittag! Wenn nur die Kinder nichts merken! Das sind schon recht niedliche Bedenken.

Da es in letzter Zeit auch in Hollywood häufiger vorkommt, dass Frauen von der falschen Hälfte ihrer Vierziger aufwärts in Filmen noch einigermaßen schmissigen Geschlechtsverkehr haben dürfen - siehe Sandra Bullock oder Sarah Jessica Parker - und nun auch dieser Film anläuft, sehen Medien wie der Spiegel schon das Zeitalter der Best Ager im Kino anbrechen. Meyers baut sogar einige altersgemäße Umstände ein: indem etwa die Frau beim Aussteigen aus dem Lotterbett sich so wendet, dass das Laken ihre Kehrseite bedeckt. Wegen zu viel Leidenschaft muss dann sogar mal der Kardiologe kommen, um den wie ein Maikäfer pumpenden Jake zu beruhigen. Davon aber einmal abgesehen, wird im Wesentlichen mit der Idee gespielt, dass Eltern sich unter hormonellem Einfluss alberner als ihre Nachkommen benehmen. Das Ergebnis hat Charme, aber ziemliche Längen. Dass Pot rauchen auch Eltern zum Unfug treibt, diese Erkenntnis walzt die Regisseurin und Drehbuchautorin über gut eine halbe Stunde aus, wohingegen sie bei der Zeichnung anderer Figuren weniger Aufwand betreibt: Agness, Jakes junge zweite Frau (Lake Bell) ist einfach nur eine unerträgliche Zicke, mit der es, so wird insinuiert, eh keiner aushält.

Andererseits hat der Film das große Glück, dass wohl niemand so unterhaltsam albern sein kann wie Meryl Streep. Nachdem sie bereits in "Mamma Mia" mit Latzhosen beim Trampolinspringen auf der Matratze entzücken konnte, hilft sie nun auch in "Wenn Liebe so einfach wäre" souverän über alle Untiefen hinweg. Wozu auch Nancy Meyers' verlockende Standardfalle gehört: Ob "Was Frauen wollen", "Was das Herz begehrt" oder "Liebe braucht keine Ferien" - man möchte in ihre Filme immer sofort einziehen. So geschmackvoll im Gesamteindruck und höchstpersönlich in den Details sind hier die Behausungen gestaltet, vom Dachgeschoss in New York bis zum Ferienhaus auf Long Island. Unerreichbarer Ostküsten-Chic; wenn man mit dem Begriff "property porn" bisher nichts anfangen konnte, versteht man ihn im Angesicht von Meyers' œuvre doch intuitiv: Es geht darum, sich an unerschwinglichen Immobilien zu berauschen. Diesmal in Santa Barbara: Janes Haus ist eine Art neo-toskanische Fantasie von ungeheuren Ausmaßen, die sie nach dem Auszug der beiden Kinder wundersamerweise noch erweitern möchte. Das führt zu der Begegnung mit dem Innenarchitekten Adam (Steve Martin), der sich von Jane, Besitzerin eines gehobenen Bäckerei-Café-Konglomerats, nur zu gern nachts mit frisch angefertigten Schokocroissants erfreuen lässt. Die werden so genüsslich verzehrt, dass man mal wieder an den Satz denken muss, Essen sei der Sex des Alters.

Die beiden kommen sich näher und wählen dafür so zeitgemäße Formen wie den Video-Chat, bei dem Adam - wie könnte es in diesem stilsicheren Kosmos auch anders sein - in seinen alten Pullovern vor dem Notebook paradiert und sich also von Jane beim Ausmisten des Kleiderschranks helfen lässt. Der libidinös verwirrte Jake hat sich derweil in ihr Schlafzimmer geschlichen und wirft sich, lediglich mit Boxershorts angetan, rustikal lasziv in Pose, inklusive Live-Übertragung zu dem recht heikel reagierenden Adam. Womit wohl mal wieder bewiesen sein dürfte, dass das Liebesleben mit moderner Technik keinesfalls leichter zu verwalten ist.

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Wenn Liebe so einfach wäre (It's Complicated)


USA 2009, 120 Minuten, Farbe, FSK ohne Angabe

Drehbuch & Regie: Nancy Meyers

Kamera: John Toll

Darsteller: Meryl Streep, Steve Martin, Alec Baldwin, Lake Bell u.a.

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Text: Carmen Böker, BLZ

Der Film hat das große Glück, dass niemand so unterhaltsam albern sein kann wie Meryl Streep.