Plastic Planet

Ein seltsamer Stoff: Der Dokumentarfilm "Plastic Planet" zeigt eine Welt aus Plastik

Nahezu alles lässt sich aus Plastik herstellen, sogar die Erde selbst. Die Erde ist ein Wasserball, gemacht aus ziemlich minderwertigem, hoch toxischem Material. Werner Boote bringt den Ball in die chinesische Fabrik, aus der er stammt, und fragt nach den Inhaltsstoffen. Das sind so seine Tricks. Dass er ziemlich viele davon kennt, macht seinen Film in jedem Fall sehr unterhaltsam. Boote zeigt Bilder einer glücklichen Kindheit voller Plastik - sein Großvater war ein Pionier der Kunststoffindustrie, das prägt. Boote befragt Wissenschaftler und Lobbyisten nach den schädlichen Wirkungen, stellt sich mit dem Megaphon auf eine Plastikmesse, bis man ihn zum Schweigen bringt. Immer wieder lässt er Familien den gesamten Plastik-Hausrat vor die Haustür schaffen; am Ende fragt man sich, wie das alles hineingepasst hat. Plastik ist überall, sagen diese bunten Bilder. Ohne wollten wir gar nicht mehr leben.

"Plastic Planet" handelt von einem seltsamen Stoff. Ob Polypropylen oder Polyethylen - Plastik hat eine optische Gefälligkeit, die an unsere Sinne appelliert. Es ist bunt und glatt und vollkommen künstlich. Unsere Fernseher sind aus Plastik und seit einiger Zeit auch das darin, weil es vielen Leuten so gefällt. Vier Prozent des Erdölaufkommens gehen in seine Produktion. Dank der plastischen Chirurgie lagert das Zeug sogar im Körper. Plastik macht schön.

Bootes Film ist stellenweise so bunt und oberflächlich wie sein Gegenstand, aber das gehört gewissermaßen zum Konzept. Es unterscheidet sich von dem anderer Österreicher, die zuletzt fast ein Monopol auf aufklärerische Umweltfilme geschaffen haben. Die Filme etwa von Erwin Wagenhofer ("We Feed the World") sind nicht gerade eine Augenweide. Vor Plastik hingegen kann man sich schlecht ekeln. Man muss dazu auf die Müllhalden blicken und in die Meere. Boote tut auch diesen Schritt, ohne uns zu viel zuzumuten. Dabei lauert hier die größte Gefahr. Plastikverfallsstoffe landen als Plastikplankton in den Mägen der Fische und über kurz oder lang auf unserem Teller. Laut Studien kann es wirken wie ein Hormon; einzelne Fischarten haben sich bereits zu Zwittern entwickelt. Wenn es stimmt, was Boote sagt, sterben wir nicht am Plastik. Aber wir leben auch nicht mehr lang.

Wie Filme mit welchen Methoden auf unser Verhalten einwirken können, ist stets die große Frage. Boote geriert sich als österreichischer Michael Moore, als naive Nervensäge, die keiner in seine Firma vordringen lässt. Letztlich ist das Trickarsenal der Dokumentarfilmer genauso wiederkehrend wie die Kritik daran. Ein Michael Moore legt die Leute rein, die sich reinlegen lassen wollen. Ein Wagenhofer kriegt auch noch die Skeptiker, aber die gehen ja nicht ins Kino. Werner Boote hingegen ist einfach sehr geschickt darin, seine Botschaft hübsch zu verpacken wie in Zellophan. Langsam schleicht sie sich ins Gewissen, um lange zu bleiben, wie das Plastik in unserer Nahrungskette. Ein Film wie Plastik, aus Plastik gemacht.

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Plastic Planet


Österreich/Dtl. 2009; 95 Minuten, Farbe, FSK o. A.

Buch & Regie: Werner Boote

Kamera: Thomas Kirschner

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Text: Philipp Bühler, BLZ