- Berlin Aktuell
- Kino & Film
- Musik & Konzerte
- Clubs & Party
- Leben & Leute
- Orte & Videos
- Liebe & Dating
- THEMEN
- SERVICE
|
DJ-Portrait: Chris Bekker
Vom Marketing-Manager zum DJ und Producer: Passt das? Bei Chris Bekker scheinbar schon.
Blättern wir die Kalenderseiten um ein paar Jahre zurück: ein Büro am Potsdamer Platz in Berlin, ein Unternehmen mit täglich organisierten Meetingmarathons, umkämpfte Vertriebsziele und Marketingbudgets, eine Automobilmarke – eben ein klassisches Wirtschafts-Setting. Chris Bekker steckt mittendrin. Und da steckt der BWLer gerne. 12 Jahre verbringt der seit 1992 in Berlin lebende Wahl-Berliner beim internationalen Konzern, der seine Deutschlandzentrale Mitte der 90er Jahre nach Berlin verlagert. Nach der Jahrtausendwende beginnt Chris, das Verkaufsgeschäft einer der Konzernmarken in Deutschland zu managen.
„Es war super spannend. Keinen Tag möchte ich missen. Aber alles, was danach kam, noch weniger…!“
In seiner knapp bemessenen Freizeit ist Chris bereits damals begeisterter Clubgänger. Die meiste Zeit verbringt er allerdings nicht wie die meisten anderen auf dem Dancefloor, sondern beobachtet die Partydompteure hinter den Mischpulten. Aus seinem DJ-Faible wird ein Hobby. Wenig später beschließt er, Anzug, Hemd und Krawatte gegen Jeans, Shirt und Kopfhörer zu tauschen und seinem Herzen zu folgen.
„Von vielen erntete ich Unverständnis bezüglich meiner Entscheidung. Aber ich versuchte, mich nicht beirren zu lassen.“
Aus der behüteten Angestelltensituation begibt er sich ins scheinbar Ungewisse. In kürzester Zeit erarbeitet er sich in Berlin seinen musikalischen Ruf, steht für genreübergreifende elektronische Musik, die sich ohne Respekt zwischen kommerziellen Housesounds und technoiden Underground-Klängen bewegt. In Berlin bespielt er heute regelmäßig die Bühnen des Kitkat Club ebenso wie die des GMF im Weekend Club oder des Felix oder Maxxim bis hin zu Ambient Sound Sessions im Liquidrom.
Im Frühjahr 2009 produziert Chris seinen ersten eigenen Track „THE CHASE“, ein Remake des Giorgio Moroder Klassikers aus den 70ern. Mit den Worten „…wollte mal was ausprobieren…“ blickt er heute schmunzelnd, sich verlegen am Nacken kratzend auf das Projekt zurück. Auf Anhieb steht der Track wochenlang in den TOP 10 der Deutschen und Schweizer Dance Charts.
Musik war das erste Fach, das er damals in der Oberstufe abgewählt hatte – „irgendwie alles total verrückt“, erinnert er sich.
Längst hat Chris seine Auftritte um Städte wie Amsterdam, Wien, London, Rio, Peking oder Warschau erweitert. Aber in Berlin ist er immer noch am Liebsten. Mit seiner Wohnung im Prenzlauer Berg hat er das verwirklicht, wovon viele in ihrer Jugend wohl träumen:
Seine engsten Freunde wohnen auf der gleichen Etage, im gleichen Haus, gegenüber oder um die Ecke.
Trotzdem: ganz lossagen von seinen damaligen Wurzeln scheint sich Chris Bekker dann doch nicht zu können – oder zu wollen!? Er doziert wie schon seit 2000 weiterhin Marketing an der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft.
„Ich arbeite in den Clubs mit so vielen Jüngeren zusammen – da kommen mir einige meiner Studenten oft älter vor als ich mir selbst. …und nicht selten geht’s in den Vorlesungen natürlich dann auch um Gästelistenplätze.“
Wenn es nicht geklappt hätte mit dem Plattendrehen: wäre er wieder zurückgegangen in die Wirtschaft?
„Die Frage habe ich mir ehrlich gesagt nie wirklich gestellt. Das hier ist jetzt „MEINE WIRTSCHAFT“. Und ich genieße sie jeden Tag mehr als ich es mir je hätte träumen lassen.“
Text: Josef Plinius
|
|