Männer, die Schwachsinn machen: Das Rodeo wird fünf

(c) Rodeo


Männer, die Schwachsinn machen: Das Rodeo wird fünf - und kommt schon reichlich erwachsen daher.

Es gibt Momente, da wird es Björn Massmann zu viel, zu viel an Hype und Rummel. Unter anderen Vorzeichen wäre Massmann zum Beispiel das Abendessen am späten Donnerstagabend möglicherweise zu viel gewesen: Anna Maria Mühe saß an weiß gedecktem Tisch im ehrfurchtgebietenden Kuppelsaal des Alten Postfuhramtes an der Oranienburger/Ecke Tucholskystraße, ebenso Tobias Schenke, später kam Daniel Brühl und bugsierte Kollegin Mühe durchs Gedränge. Und dann wurde unter viel Gejohle und Blitzlicht ein monströs kitschiges Wandbild enthüllt. Viel Rummel also, doch diesmal war Massmann zufrieden. Solcherlei Prominenz und Kunst - und sei sie noch so zweifelhaft - schmückt schließlich jede Party zum fünften Geburtstag.

Der studierte Fotograf Björn Massmann ist einer von drei Chefs des Club-Restaurants Rodeo im Postfuhramt. Vor fünf Jahren gründeten Künstler und Gastronomen das Rodeo (Massmann: "Ein Spaßwort von Männern, die Schwachsinn machen"). Sie machten aber nicht nur Schwachsinn, sondern zeigten in einer Wohnung Malerei und Fotos, kochten dazu und feierten. Als es zu eng wurde, zog man in ein leeres Apartment in der Eberswalder Straße. "Da sind wir bald rausgeflogen, weil es zu laut und zu voll war", erinnert sich Massmann - und das, obwohl nur Eingeweihte die Termine kannten.

Diese Geheimniskrämerei wurde anfangs auch im Postfuhramt gepflegt, einem dicken Klinkerbau aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert. "Wir haben ihn mit unserer Mischung aus Kunst, Kultur und Party wieder hoffähig gemacht", erzählt Massmann. Und dann holt er aus. Spricht von der Kultur, die "erlebbar" sein solle und der Melancholie, die von alten Räumen ausgehe, die neu bespielt werden. Er schwärmt von den alten Einschusslöchern, die unsaniert bleiben. "Ich nenne das ,the defect is the effect'. Die Unperfektion ist unser wichtigstes Merkmal." Nur vom guerillaartigen Privatclub ist nichts geblieben. Längst hat das Rodeo eine ganz normale Webseite, jeder kann einfach einen Tisch mieten, inzwischen tanzt hier mehr Zehlendorf als Mitte, außerdem zieht die Adresse Oranienburger Straße viele Touristen an. Der Ruch des Coolen ist weg.

Massmann weiß das, und am liebsten würde er wohl manchmal die Uhr zurückdrehen. "Doch wenn man wächst, muss man sich eben verändern", sagt er.

Text: Elmar Schütze / BLZ