Das nächste Revival ist da. Zwei Berlinerinnen bringen die Musik dazu in die Clubs.
Ein Küchentisch einer Studenten-WG in Mitte, aus dem Ghettoblaster auf der Fensterbank erklingt Mariah Carey. "Wenn wir alleine sind, dann singen wir immer mit", sagt Miriam Schulz. Caroline Poser-Carrilho nickt. Die beiden 22-Jährigen sind das DJ-Team CacheCacheCache. Für sie steht fest: Die Neunziger sind längst wieder da.
Wenn die beiden Berlinerinnen mit dem Laptop im Club stehen, geht es wilder zu als in der WG-Küche. Dann werden Elektrobeats von heute mit Hits der letzten 25 Jahren durcheinander gewirbelt, vor allem aus den frühen neunziger Jahren. Auf New Kids on the Block folgen die Members of Mayday und Anders Trentemoeller. Der dänische DJ und Produzent ist das große Vorbild der beiden.
Mit zehn zur Love Parade
Mit ihrem Neunziger-Elektro-Mix sind Miriam Schulz und Caroline Poser-Carrilho ziemlich erfolgreich. Sie haben im Rio aufgelegt, sie spielen in diversen Undergroundläden, aber auch im schicken Spindler & Klatt. Im September treten sie sogar das erste Mal außerhalb Berlins auf - und zwar in einem Club in Brooklyn, New York. Sie wurden bei einem Set in Berlin angesprochen und dazu eingeladen. Gigs in Amsterdam und Tel Aviv sind auch geplant.
Zum ersten Mal versuchten sich Miriam Schulz und Caroline Poser-Carrilho auf ihrer eigenen WG-Feier vor zwei Jahren als DJs. Die neunziger Jahre waren lange vorbei. Dennoch legen sie seitdem Lieder auf, die im Radio liefen, als sie zur Grundschule gingen. Die Neunziger haben sie musikalisch geprägt. Miriam Schulz hat seit 1994 keine Love Parade verpasst. Damals war sie zehn. "Meine Mutter ist ein totaler Techno-Fan, sie hat mich immer mitgenommen."
Inzwischen inszenieren sie jeden Auftritt als Show mit einem Motto, das letzte hieß Kris Kross. Wie das HipHop-Duo, das 1992 mit dem Titel "Jump" für 21 Wochen den ersten Platz der US-Single-Charts belegte. Ganz in Manier der Band trugen die DJ-Frauen ihre Kleidung verkehrt herum.
Da braucht mancher elektrogewöhnte Clubgänger eine Portion Humor. "Eigentlich ist unser Programm ja nur, Hits zu spielen. Das heißt nicht, dass jeder das Lied kennt, sondern dass du einfach tanzen musst", fasst Caroline Poser-Carrilho zusammen. Die älteren Sachen funktionieren in der zweiten Hälfte des Abends erfahrungsgemäß besser, davor wird aktueller Elektro gespielt. "Wenn die Leute tanzen und die Stimmung gut ist, werden die ersten Kracher gebracht."
Die Neunziger sind nur ein Aspekt, der in ihren Sets aufgegriffen wird. Auch HipHop ist wichtig, erkennbar ist das auch an den Dollarzeichen auf der Kleidung der Frauen. Es erinnert ein wenig an amerikanische Gangsta-Rapper. Der Name "CacheCacheCache" kommt aber nicht vom englischen "Cash". Er stammt von der Bezeichnung für eine Stellung im Kamasutra. Mehr gebe es dazu nicht zu erzählen, sagen die beiden.
Noch kommen ihre Sounds im Club von der Festplatte im Laptop. Für Platten fehlt den Studentinnen das Geld. Caroline Poser-Carrilho studiert Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation, Miriam Schulz Rechtswissenschaft. Eine angehende Juristin hinterm DJ-Pult ist eine exotische Vorstellung, aber Miriam Schulz sagt: "Es gibt einen Masterplan. Wir möchten ein Label gründen, da ist es nicht schlecht, wenn man sich mit der Rechtslage auskennt." Es gibt noch keinen Plattenvertrag, aber sie arbeiten am ersten Album.
Das Revival der neunziger Jahre hat in der Berliner Partyszene Einzug gehalten, davon sind sie überzeugt: "Die Farben, die die Leute tragen, dieses ganze New-Rave-Ding", das sei alles wieder da. Der Trend könnte weiter wachsen. Nicht schlecht, wenn man von Anfang an dabei gewesen ist.
Text: Katrin Cürük, BLZ