BERLIN. Auch zehn Jahre nach Gründung der Europäischen Währungsunion ist der Euro in großen Teilen der Bevölkerung äußerst unbeliebt: Jeder dritte Deutsche plädiert dafür, dass die Gemeinschaftswährung abgeschafft und die D-Mark wieder eingeführt wird. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage
des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) hervor, die der Berliner Zeitung vorliegt. Auf die Frage, ob der Euro wieder durch die Mark ersetzt werden sollte, antworteten 34 Prozent der Befragten mit Ja. Gegen die Rückkehr zur Mark sind 65 Prozent, also knapp zwei Drittel.
Vor exakt zehn Jahren, in der Nacht vom 2. auf den 3. Mai 1998, hatten die Staats- und Regierungschefs der EU die Einführung des Euro zum 1. Januar 1999 beschlossen. Drei Jahre später, am 1. Januar 2002, wurde auch das Bargeld auf Euro umgestellt.
Ein wesentlicher Grund für die weit verbreitete Ablehnung des Euro in Deutschland sei, dass er vielfach als „Teuro“ wahrgenommen werde, sagte der Geschäftsführende Vorstand des BdB, Manfred Weber. So machen 53 Prozent der Befragten die Gemeinschaftswährung direkt und hauptsächlich für die Preissteigerungen der vergangenen Jahre verantwortlich. 43 Prozent sehen dafür andere Gründe.
Dabei sei der Eindruck der Mehrheit falsch, dass der Euro das Leben in vielen Bereichen teurer gemacht habe, sagte Weber: „Ein Großteil der Preissteigerungen hat nichts mit dem Euro zu tun, sondern geht insbesondere
auf die Verteuerung von Energie und Nahrungsmitteln zurück.“ Zudem sei die Preisentwicklung moderater verlaufen als bisweilen empfunden: „Seit Beginn der Währungsunion ist die Inflation mit durchschnittlich zwei Prozent vergleichsweise gering ausgefallen. Damit ist der Euro eine der stabilsten Währungen überhaupt und steht der D-Mark nicht nach“, sagte Weber. Deutschland habe vom Euro stark profitiert. Dass gut ein Drittel der Deutschen für die Wiedereinführung der Mark sei, habe vor allem psychologische Gründe: „Für viele Menschen steht die Mark sinnbildlich für den wirtschaftlichen Aufschwung der Nachkriegszeit und die stabile Währung schlechthin.“
Gleichwohl hätten das Zusammenrücken Europas und der Binnenmarkt eine gemeinsame Währung notwendig gemacht. „Der Euro hat sich in den vergangenen Jahren als starke und verlässliche Gemeinschaftswährung erwiesen“, betonte Weber. „Er hat sich damit als würdiger Nachfolger der Mark gezeigt.“ Mit dem Euro würden gute Voraussetzungen für Wirtschaftswachstum geschaffen und damit die Grundlagen für die Sicherung des hohen Lebensstandards in Deutschland gelegt, sagte der BdB-Experte.