Bücher

Was die Welt im Innersten zusammenhält

Terry Eagleton ergründet den Sinn des Lebens

Es gibt Fragen, bei denen Philosophen schelmisch die Augen zusammenkneifen, den Kopf schiefer legen als Claus Kleber im "heute journal" und ihren Gesprächspartner skeptisch mustern: Ob man es wirklich ernst meine? Ob man ihn nicht nur vorführen wolle? weiter »

Kommunistische Attacken gegen gesundes Profitstreben

Eine faszinierende Biografie über Arthur Miller

Hatte Arthur Miller (1915-2005) sich in seiner Autobiografie "Zeitkurven" von 1987 nicht über alle wichtigen Aspekte in seinem Werk und Leben geäußert? weiter »

Das jüngste Gerücht

Lesen nach Harry Potter: Mit Abenteuergeschichten aller Art sollen vor allem Jungs verführt werden

Peng, peng, peng! Gleich drei Mal ist durch dieses Buch geschossen worden. Es ist offenbar Opfer eines Überfalls. weiter »

Nur Claus guckt raus

Hier spricht der Chef: Ein knappes Kilo Claus-Peymann-Zitate von A bis Z

A wie Abnabelung: "Im Theater gibt es eine Menge Schüchterner. Es existiert kaum ein Verein, in dem so viele scheue Menschen zusammen sind." weiter »

Die Melodie des Lebens

Deutsche Schriftsteller erzählen, welchen Popsong sie nicht vergessen können

Was für Marcel Proust Madeleines sind, das sind für den heutigen Konsumenten der Popkultur "Songs": Erinnerungserreger, die den Hörer mit einer kurzen Liedzeile oder einer kleinen Melodienfolge aus seiner Zeit heraus in eine frühere hinein katapultieren. weiter »

SHAKESPEARE I

Bryson über William

Wir wissen nicht, wie er aussah, aber wir wissen, dass sein Theater zwischen Bordellen, Gefängnissen und Pulvermagazinen stand, dass es in der Gegend, wo seine Stücke gespielt wurden, nach gekochtem Knochenleim und nach Hundekot stank. weiter »

SHAKESPEARE II

Greenblatt über Hamlet

Von wegen, über Shakespeare ist längst alles geschrieben. Stephen Greenblatt genügen zwei Worte aus dem "Hamlet", um ein ganzes Buch zu füllen. "Gedenke mein!" sind diese beiden Worte; sie stehen am Ende der fünften Szene im ersten Akt. weiter »

Die Glut ist erloschen

Sandor Marais "Möwe" gehört zu den schwächeren Romanen des Ungarn

Wie eine Möwe aus dem Norden kommt sie zu ihm. Diese schöne Fremde aus Finnland, die ihn um ein Visum bittet, damit sie in Ungarn als Lehrerin arbeiten darf. Seltsam bekannt kommt diese junge Dame dem Ministerialbeamten vor. weiter »

Der geplante Tod

Wolfgang Prosinger denkt in "Tanner geht" über Sterbehilfe nach

Die wenigen Schritte vom Auto zur Haustür geht Tanner allein, wenn auch humpelnd und einknickend, das kommt von einer Krankheit. Zwei Freunde folgen ihm. Es ist ein Vormittag im Februar 2008. weiter »

Das Recht auf Fortpflanzung

Die Biologin Florianne Koechlin präsentiert ein neues Pflanzenbild

Die Schweizer Biologin und Chemikerin Florianne Koechlin, 60, eröffnet in "PflanzenPalaver. Belauschte Geheimnisse der botanischen Welt" einen Blick auf neu entdeckte Fähigkeiten von Pflanzen und die Frage. weiter »

Der Instinkt der Schneeeule

Eine Reise nach Auschwitz: Cécile Wajsbrot bohrt mit ihrem Roman "Aus der Nacht" in der eigenen Wunde

Die Schneeeule ist ein stolzer einsamer Vogel. Sein Instinkt führt ihn an Orte, die er selbst nicht kennen kann, die aber in der Vergangenheit von seinesgleichen bewohnt worden sind. Von den Wegen der Schneeeule schreibt Cécile Wajsbrot. weiter »

Asiatischer Apfelstrudel

Ursula Krechels großer Roman über das Leben jüdischer Flüchtlinge in Shanghai

Also, du bist ein armer Irrer, ja ein Verrückter. Erst haben dich die Nazis eingesperrt, dann bist du rausgekommen, was schon fast ein Wunder ist, und du bist also nach Shanghai. weiter »

Die Triebe der Nicht-Erwachsenen

Bernard Stiegler verdammt das Fernsehen als Zerstörer der Phantasie und Individualität

Der Haussegen hängt schief. Vater, Mutter und Kinder sind schlecht gelaunt. Irgend etwas fehlt. Es ist, wie man in dem Werbespot eines Bezahlfernsehsenders erfährt, das flexible Premiere-Abo, mit dem das Familienglück wieder hergestellt wird. Das Glück au weiter »

Der Don Quijote, der aus der Kälte kam

Ein alter Kämpfer taut auf: Norbert Gstreins Roman "Die Winter im Süden"

Man sollte so leben, dass man es danach erzählen kann", doziert Albert, der eitel, satt und zynische gewordene Alt-68er, der sich immer noch als "Blüte der Aufrechten und Anständigen im Land" versteht. weiter »

Eine Lehrstunde für Gadsche

Jenseits der Zigeunerromantik: Dotschy Reinhardt klärt auf

Nein, "Zigeunerin" möchte Dotschy Reinhardt nicht genannt werden. Sie gehört zum leidgeprüften Volk der Sinti, die vor 600 Jahren aus Indien nach Deutschland kamen und hier seit dem ein Dasein am Rande der Gesellschaft führen. weiter »

Der Angriff des Bösen

Neu zum 400. Geburtstag: John Miltons Weltepos "Das verlorene Paradies"

Dies ist auch eines jener weltberühmten Bücher, die gern zitiert und viel bewundert, aber kaum mehr gelesen werden. Schon John Milton war sich der Bedeutung seines Werks zwar durchaus bewusst, musste aber zwei Jahre nach einem Verleger suchen. weiter »

Wie steinigt man schmerzfrei?

Und was ist falsch an Mischgeweben? A. J. Jacobs erzählt von seinem Unterfangen, ein Jahr nach allen Regeln der Bibel zu leben

Wenn schon, denn schon: A. J. Jacobs ist nicht für halbe Sachen, sondern für den Wissensgewinn als herkulische Anstrengung. Der US-amerikanische Autor, im Brotberuf leitender Redakteur beim Magazin Esquire, ... weiter »

Was ist das Was?

Ein herzzerreißendes Werk von ungeheuerlicher Grausamkeit: Dave Eggers' Roman "Weit gegangen"

Als Gott die Menschen erschaffen hatte, fragte er Adam und Eva vom Stamm der Dinka, was sie lieber haben wollten: die Kuh oder das "Was". Die Dinka sahen, dass die Kuh schön war, ihnen Milch und Fleisch geben würde und waren damit zufrieden. weiter »

Abschied vom Zweifel

Eine philosophische Herausforderung: "Das Absolute und das Subjekt"

Inzwischen pfeifen es die Spatzen von jedem Dach: Metaphysik ist das, was einmal war. Wer heute als Philosoph etwas gelten will, begreift sein Denken deshalb als nachmetaphysisch. Es gibt dafür auch viele gute Gründe. weiter »

Europa im Praxistest

Politisch wichtig, doch handwerklich dürftig: "Anverwandlungen", Nilüfer Göles Essay über Islam und Türkei

Die Vision Europa war einmal gedacht als "Prozess der wechselseitigen Durchdringung und Anverwandlung" von Völkern, die von ihren politischen und militärischen Eliten in einem halben Jahrhundert in zwei blutige Kriege gehetzt wurden. weiter »

Katastrophen haben ihren Sinn

Nicht ohne blinde Flecken: Enzo Traversos Geschichte des europäischen Bürgerkrieges von 1914 bis 1945

Für Eric Hobsbawm sind die Jahre zwischen 1914 und 1945 das "Zeitalter der Extreme". weiter »

Wer hat schon Mitleid mit einem Kindsmörder

Massimo Carlottos verstörender Rache-Roman "Die dunkle Unermesslichkeit des Todes"

Man hasst ihn sofort. Raffaello knallt den achtjährigen Enrico ab, den seine Mama gerade von der Schule abgeholt hat. weiter »

Reich oder arm macht keinen Unterschied

Der Mensch steht im Mittelpunkt: Robert Fossiers unterhaltsam lehrreiches Geschichtsbuch über "Das Leben im Mittelalter"

Die Klischees sind schnell bei der Hand. Wenn vom Mittelalter die Rede ist, setzen die Imaginationsketten immer wieder bei denselben Bildern von Rittern, Mönchen und Burgfräulein, von Leibeigenschaft, dunklem Zeitalter und dem Recht der ersten Nacht ein. weiter »

Poesie und Pose

Der ukrainische Autor Juri Andruchowytsch führt Selbstgespräche

Juri Andruchowytsch: Geheimnis. Sieben Tage mit Egon Alt. Aus dem Ukrainischen von Sabine Stöhr. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2008. 387 S., 22,80 … weiter »

Mann in Not

Alban Nikolai Herbsts verbotener Roman "Meere" wurde jetzt gedruckt

Alban Nikolai Herbst ist ein auffälliger Typ, auch im Literaturbetrieb, der an auffälligen Typen nicht arm ist. Der stets tadellos gekleidete, hochgewachsene Glatzkopf gilt, obschon bereits Anfang der fünfzig, als angry young man. weiter »

Ein Spekulant aus dem Schützengraben

Es waren keine Geschäfte mehr, sondern Spekulationen. Es war kein Geld mehr, sondern Papiere, Symbole, Zeichen, Abstraktionen ... im Grunde eine Art Spiel, das tödlich war." weiter »

Das Bibellesen zerstört die Religion

Die Geburt Europas aus dem Kampf um Worte: Diarmaid MacCullochs Geschichte der Reformation

Nur ein Jahr nachdem Papst Paul V. 1605 zum Oberhaupt der Katholischen Kirche gewählt worden war, verhängte er über die Republik Venedig den Kirchenbann. Die Venezianer waren zwar katholisch, aber auf eine stolze Weise. weiter »

Das große Schweben der Liebe

Der norwegische Theaterautor Jon Fosse hat eine minimalistische Novelle geschrieben

Der norwegische Schriftsteller Jon Fosse ist in Deutschland vor allem Theaterbesuchern bekannt. Seine Stücke werden an den besten deutschsprachigen Bühnen von Salzburg über Zürich bis Berlin und auch weltweit aufgeführt. weiter »

Bacchanal der Selbstzerstörung

Der Historiker Karl Schlögel beleuchtet das Moskauer Schlüsseljahr 1937 von allen Seiten

Es gibt viele Wege, die Zeitgeschichte zu ergründen. Man kann Bücher lesen, Überlebende befragen, in Archiven forschen, Briefwechsel studieren. Karl Schlögel, Historiker an der Viadrina-Universität in Frankfurt (Oder), macht all dies auch. weiter »

Eine Drei mit zwölf Nullen

Joseph Stiglitz und Linda Bilmes: Der Krieg im Irak ist teurer als die Finanzkrise

Das Buch von Joseph Stiglitz und Linda Bilmes ist auf eine Zahl ausgerichtet, basiert auf einer Zahl, läuft auf eine Zahl hinaus. Sie lautet: drei Billionen Dollar. "Die wahren Kosten des Krieges" der USA im Irak beliefen sich auf eben diese Summe. weiter »

Terrortrauma in Hamburg

In alter Stärke: "Marionetten", der neue Thriller von John le Carré

In den frühen Spionageromanen John le Carrés herrschte ständig schlechtes Wetter, es regnete, der Himmel war grau, die Sonne existierte nur als Versprechen hinter den Wolken - eine angemessene Wetterlage für den Kalten Krieg. weiter »

Chaos und Krieg im Kongo

Die Reiseschriftstellerin Lieve Joris und der taz-Korrespondent Dominic Johnson versuchen, den Konflikt zu verstehen

Goma. Jeder kennt Goma. Denn die kongolesische, damals noch zairische Stadt Goma am Kivu-See an der Grenze zu Ruanda hatte eine Landebahn für große Transportflugzeuge. weiter »

Alte Böcke und tratschende Hausfrauen

Rafik Schamis Damaskus-Roman "Das Geheimnis des Kalligraphen"

Es riecht nach Kardamom und Zimt, Jasmin und frischem Brot. In den Garküchen der Damaszener Altstadt beginnt das Öl zu sieden, der Muezzin ruft und Ladenbesitzer besprengen das Pflaster vor ihren Geschäften mit Wasser. weiter »

Kein Schleier, große Klappe

Zum Geburtstag der Türkei: Ipek Calislar stellt Latife, die Frau Atatürks, vor

Die junge Frau trug das Bild des Mannes, den sie später heiraten würde, schon um ihren Hals, bevor sie ihm persönlich begegnet war. Latife, Tochter eines reichen Geschäftsmannes aus Izmir, hatte ein Porträt des Generals Mustafa Kemal in einem Anhänger ver weiter »

Auf nach Idaho

Die Reporterin Bettina Gaus hat die USA bereist, den normalen Amerikaner getroffen und widerlegt viele Vorurteile

Am liebsten würde man sofort einsteigen und losfahren. Einmal rundherum. So wie Bettina Gaus es getan hat. Die politische Korrespondentin der taz hat im vergangenen Jahr einmal die USA umrundet. weiter »

Freiheit für die Fiktionen

Pierre Bayard versucht, Sherlock Holmes zu überführen

Manchen Menschen fällt es schwer, zwischen Literatur und Leben zu unterscheiden. Für sie wird die Fiktion so real, dass die Figuren der Texte zu Ansprechpartnern, zu Vorbildern oder auch zu Schreckgespenstern werden. weiter »

Der Stachel des Skorpions

Ein kitschiger Liebesroman über den Islam sorgt für viel Aufregung. Bloß nicht unter Muslimen

Als die kleine Aischa, die später einmal die Lieblingsfrau des Propheten Mohammed werden wird, sechs Jahre alt ist, spielt sie nicht mit Puppen oder anderem Mädchenkrams. Nein, sie kämpft mit ihrem Holzschwert. weiter »

Mutter im Prenzlauer Berg

Julia Zanges Romandebüt "Die Anstalt der besseren Mädchen"

Loretta ist ein Mädchen. Und Loretta bekommt ein Mädchen. Obschon Loretta von ihrem Freund Malte wie ein Kind behandelt wird, ist sie eine erwachsene Frau. Doch Loretta, Lore oder Lorchen oder Lo will ein Kind bleiben. weiter »

Treffen sich eine schwarze Frau und ein weißer Mann

Peter Orners komischer Roman über einen jüdischen Lehrer aus Cincinatti in einem Kaff in Namibia

Goas ist ein gottverlassenes Kaff, Veld hier, Veld da, irgendwo ein Veteranen-Friedhof und in der Mitte die katholische Jungenschule, an der Larry als Lehrer arbeitet. weiter »

Mit ein bisschen gutem Willen

Jeffrey D. Sachs hat für beinahe alle wirtschaftlichen und ökologischen Probleme der Erde die Lösung

Jeffrey D. Sachs hat schon wieder ein so dickes wie gelehrtes Buch voller richtiger Diagnosen und zustimmungsfähiger Forderungen geschrieben. Nach dem "Ende der Armut" im Jahr 2005, dem "ökonomischen Programm für eine gerechtere Welt" ... weiter »

Jung und gutaussehend

Was die seriöse Literaturkritik von der Buchmesse berichtet

Was will der Messebesucher täglich wissen? Klatsch und Tratsch. Das denken sich offenbar die Kollegen von der Frankfurter Allgemeinen (FAZ). weiter »

Von Asbest 2 nach Brooklyn

Anya Ulinich erfindet mit ihrem Debüt "Petropolis" das interessante Genre des depressiven Schelmenromans

Sie trägt noch ihren reichlich kindlichen Teddyplüschmantel mit einer schief grinsenden Micky-Maus-Imitation auf dem Rücken und ist nur ein bisschen über 14 Jahre alt, als sie schwanger wird. weiter »

"Tolstoi ist manchmal ziemlich fies"

Jenny Wolf liest viel zu gerne, um nur Eisschnellläuferin zu sein. Deshalb hat sie neben dem Sport noch Literatur studiert

Jenny Wolf liest viel zu gerne, um nur Eisschnellläuferin zu sein. Deshalb hat sie neben dem Sport noch Literatur studiert weiter »

Wir sind stolz auf alles

Der türkische Präsident Abdullah Gül bei der Frankfurter Buchmesse Foto: dpa

Und ansonsten arbeiten wir dran: 2009 wird China Ehrengast der Messe sein

Man klatscht eigentlich nicht auf einer Pressekonferenz! So belehrte uns der türkische Präsident Abdullah Gül. weiter »

Auch nur ein Kaiser

Wieder sind es angelsächsische Biografen, die den Streit um Wilhelm II. beleben

Vor fast neunzig Jahren, am 9. November 1918, floh Kaiser Wilhelm II. in die Niederlande. weiter »

Das Leben beginnt im Kino

In Thomas von Steinaeckers Roman "Geister" sucht ein Ich nach neuen Bildern

Schon bevor ein Mensch geboren wird, macht man sich per Ultraschall ein Bild von ihm, um zu sehen, ob auch alles seine Ordnung hat. weiter »

Die wertvollste Marke des 21. Jahrhunderts

Holm Friebe und Thomas Ramge verkünden in ihrem Buch "Marke Eigenbau" die Revolution des Selbermachens

Am Begriff "Marke Eigenbau" haftet ein unangenehmer Beigeschmack: Er lässt Erinnerungen an Hobbykeller wach werden. weiter »

Der Flug ist das Leben wert

Wenn die Toten auf dem Invalidenfriedhof erwachen: Uwe Timms Roman "Halbschatten"

Unter den tollkühnen Frauen in ihren fliegenden Kisten, die zu Beginn des letzten Jahrhunderts ein neues Frauenbild an den Himmel malten, war Marga von Etzdorf die Pechmarie. weiter »

Auf der Suche nach Vater

Eine Liebe im Schatten des Nahostkonflikts: Rutu Modans Comic "Blutspuren"

Erinnerst du dich an den Anschlag in Hadera vor drei Wochen? . Eine der Leichen war so verbrannt, dass man bis jetzt noch keine Ahnung hat, wer es ist . anscheinend war es dein Vater." weiter »

Zuhause in Gottes Schmutz

Großartig wie immer, aber diesmal besonders bestürzend: Denis Johnsons Kriegsroman "Ein gerader Rauch"

Wenn Sie auf der Suche nach etwas wirklich Sonderbarem sind, wenn Sie etwas ganz und gar Befremdliches suchen, dann lesen Sie dieses Buch. Es nimmt sie sacht bei der Hand und führt Sie in den Vietnam-Krieg. weiter »

Plötzlich Entführer

Die Wirklichkeit im Jugendbuch: Anne C. Voorhoeve widmet sich der Stauffenberg-Familie, Werner J. Egli schreibt über die RAF

Was wissen Jugendliche heute über Claus Schenk Graf von Stauffenberg? Vielleicht nicht viel mehr, als dass Tom Cruise bald als dieser im Kino zu sehen sein wird. weiter »

Bibliothek in der Handtasche

E-Books sind die neue Konkurrenz für das Buch: Die Verlage bereiten sich auf eine Revolution vor. Doch noch sind viele Geräte nicht ausgereift. Ein Test.

Berlin – 160 Bücher sind so schwer wie eine Tafel Schokolade. E-Book heißt das Zauberwort, das als digitale Revolution gefeiert wird. Die Berliner Zeitung hat vier der digitalen Literaturverwalter für Sie getestet und sich ein eigenen Bild gemacht. weiter »

Wandervögel, Rowdies und Konsumenten

Der britische Musikjournalist Jon Savage erforscht die Erfindung des Teenagers

Auf dem Titelblatt springen propere Twens statt Teenagern in luftiger Freizeitkluft entfesselt in die Höhe, und irgendwie ist in dem Buch auch nicht drin, was der Titel verspricht. weiter »

Aktualität ist kein Wert an sich

Rainald Goetz hat Blogs für Vanity Fair geschrieben, jetzt gibt es die Sammlung "Klage" als Buch gedruckt

Am Ende hieß es knapp: "it's over, let's dance. klage feiert abschied" Das war im Juni dieses Jahres. Seit dem Februar 2007 hatte Rainald Goetz sein Blog "Klage" auf der Website der Zeitschrift Vanity Fair geführt. weiter »

Der böse Genius des Dritten Reiches

Peter Longerich räumt in seiner Himmler-Biografie mit der Vorstellung vom wildgewordenen Kleinbürger auf

Zeitgenossen und Historiker sahen in ihm den "bösen Genius des Dritten Reichs": Heinrich Himmler, Reichsführer-SS, Chef der Deutschen Polizei und Herr der Konzentrationslager. weiter »

Die Bewahrer der Welt

Der Pole Andrzej Stasiuk hat ein großartig unsachliches Buch über "Dojczland" geschrieben

Seit seiner mitteleuropäischen Elegie "Die Welt hinter Dukla" (1997, dt. 2000) schätzt man Andrzej Stasiuk im literarischen Deutschland. An der Weichsel wird er nicht nur geliebt. weiter »

Wie der Fortschritt getürkt wird

Von der osmanischen Standuhr zur europäischen Normalzeit: Ahmet Hamdi Tanpinars Romansatire: "Das Uhrenstellinstitut"

Ahmet Hamdi Tanpinar (1901-1962) saß, anders als die meisten türkischen Autoren seiner Generation, nie im Gefängnis: Er war weder Rebell noch Reaktionär, nur ein sanfter, einsamer Melancholiker, der von der Moderne nichts Gutes erwartete. weiter »

Unter einem Dach

Elif Shafak feiert in ihrem Roman "Der Bonbonpalast" die Bewohner eines Istanbuler Hauses

Dreiundzwanzig Menschen, ein Bernhardiner, ein Kanarienvogel und ungezählte Kakerlaken bevölkern den "Bonbonpalast", ein heruntergekommenes Haus in Istanbul und Schauplatz des Romans von Elif Shafak. weiter »

Ein jeder ist sein Exil

Mario Levi fahndet nach den Istanbuler Juden und Murathan Mungan nach der verlorenen Heimat

Das Dumme an Klischees ist, dass sie meistens stimmen. Die Türkei, Istanbul, gilt als der Anfang des Orients, in dem sich der Westler gerne verlor. Das dort Begehrenswerte schien fern der Vernunft. weiter »

Drei Dinge auf einmal

Yadé Kara schickt ihren Helden Hasan durch verschiedene Welten

London, Berlin, Istanbul, hin, her und wieder zurück - manchmal wird einem ganz schwindelig von all den Bildern, Vergleichen, Analysen, vom Springen zwischen den Städten, den Ländern, den Welten. weiter »

Der heilige Berg

Frank Westerman beschäftigt sich mit dem Verhältnis zwischen Glauben und Wissen - und besteigt den Ararat

Die Armenier nennen ihn "Masis", Mutterberg. Das Bild des majestätischen Ararat ziert die armenischen Briefmarken und die Etiketten der armenischen Cognac-Flaschen. weiter »

Widersprüche aushalten

Der Journalist Rainer Hermann ergreift Partei für eine bessere Türkei

Politische Sachbücher von Auslandskorrespondenten über ein Land sind mit Vorsicht zu genießen. Erst recht, wenn das Land Schwerpunkt der Buchmesse ist. Die Verlage drängen Journalisten, Bücher zu schreiben. weiter »

Kinderbuch

Intrigen im Königreich des Nordens

Endlich eine Fortsetzung! "Skogland", der im Jahr 2005 erschienene Kinderroman von Kirsten Boie, war ihr bisher bestes Buch. weiter »

Her mit der Herdprämie!

Der Philosoph Dieter Thomä hat eine Kulturgeschichte des Vaters geschrieben

Was heißt es, Vater zu sein? Warum wünscht Mann es sich, welche Lebensentwürfe und Selbstverständnisse sind damit verbunden, welche Modelle und Vorbilder gibt es? weiter »

Gast sein wird der Wolf beim Lamm

Nominiert für den Deutschen Buchpreis: Dietmar Daths "Die Abschaffung der Arten"

Die Abschaffung der Arten", der Titel von Dietmar Daths neuem Buch, enthält auf eine komplizierte Art die Geschichte, die Gegenwart und den Ausblick des Romans wie auch Daths eigenes Credo. weiter »

Teebeutel und Olympiasieger

Ein Buch erzählt die Geschichte der ältesten Charlottenburger Kneipe

Wilhelm Hoeck in der Wilmersdorfer Straße 149 gehört zu den ältesten Berliner Kneipen und ist vielleicht die authentischste. Vieles aus der Einrichtung stammt noch aus dem 19. Jahrhundert, die Theke und die Zapfanlage zumindest aus den 1920er-Jahren. weiter »

Mut zur Lücke

Bertelsmann-Patriarch Reinhard Mohn hat ein Buch über sein Leben und seinen Konzern geschrieben

Bis heute läuft Reinhard Mohn täglich eine Stunde in den Wald. Zum Nachdenken. "Ich brauche diese Momente des Alleinseins", schreibt er. Was ist wichtig? Wie können sein Medienunternehmen Bertelsmann und die gleichnamige Stiftung die Welt verbessern? weiter »

Von Aufrichtigkeit, Fleiß und Heldenmut

Eine Textsammlung des ermordeten türkisch-armenischen Publizisten Hrant Dink

Die Demonstration war ein Novum in der Geschichte der Türkei. Im Januar des vergangenen Jahres versammelten sich weit über hunderttausend Personen in Istanbul. weiter »

Rein in den Schlamm

Monika Fagerholms Krimi aus Finnland: "Das amerikanische Mädchen"

Bodom Träsk ist ein Mythos in Finnland, ein Name, der Kindern Angst einjagt, ein Ort, den jeder kennt. Bodom Träsk ist ein See, eine halbe Stunde Autofahrt von Helsinki entfernt, an dessen Ufer 1961 drei Jugendliche brutal in ihrem Zelt erstochen wurden. weiter »

Das Neue im Alten

Die Soziologin Saskia Sassen analysiert das Paradox des Nationalen im Globalismus

Saskia Sassen ist eine Pionierin in Sachen Globalisierung. Die Soziologin aus der "global city" Chicago hat dieses Wort schon im Munde geführt, da staunte Europa noch über den Fall der Berliner Mauer. weiter »

Ein Arbeitsritter im Nichtarbeits-Zeitalter

Volker Brauns tragikomische Mär vom Meister Flick aus Lauchhammer

Die Montur ist noch dieselbe, nur die Zeiten haben sich geändert. Auf dem Kopf der knallrote Schutzhelm, am Koppel die festen Karabinerhaken, dazu das Signalhorn und im Sturmgepäck die stets geölten Werkzeuge. weiter »

Die First Lady von Rom

Christiane Kunst, die Althistorikern aus Potsdam, vermenschlicht die "Kaiserin" Livia

Die Antike war eine Männerwelt. Zumindest lassen Überlieferung und Forschung dies vermuten. In dem repräsentativen Band "Große Gestalten der griechischen Antike" kommen gerade zwei Frauen vor. weiter »

Kreatur der Finsternis

In Michael Sollorz Roman "Die Eignung" ist der Hausmeister ein Spitzel

Ljuba hat einen Verdacht. Sie glaubt, an Lars sei etwas faul. Ausgerechnet an Lars, Hausmeister, 42 Jahre alt, dem Ljubas Mutter einmal im Monat die Haare schneidet. weiter »

Odyssee eines Pechvogels

Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2008: Rolf Lapperts Entwicklungsroman "Nach Hause schwimmen"

Was passiert, wenn man einen Country-Song rückwärts abspielt? Ein Mann bekommt seine Frau, seinen Job und sein Haus zurück. weiter »

KRIMIS

Kleine Kiffer und defekte Gene

Sheryl hat's nicht leicht: Sozialhilfe, 10-jährige Tochter, immer die falschen Typen, aber sie schlägt sich wacker, bis dann plötzlich ihre Wohnung abbrennt und der Kerl von gestern Nacht gleich mit. weiter »

KRIMIS

Lohnsklaven und Subventionsbetrüger

Also, jetzt da die in Ehren, Scotch und altem Bordeaux ergrauten Leithammel der Literaturkritik vom sogenannten Neorealismus der allerjüngsten deutschen Literatur schon wieder die Nase voll haben... weiter »

Noch einmal Platz nehmen in der DDR

Uwe Tellkamps Roman "Der Turm" über die letzten Jahre eines versunkenen Landes

Seit Langem schon ist das vielzitierte Warten auf den großen Wenderoman zum Anlass geworden für Scherze aller Art - und nun ist er doch noch gekommen. Uwe Tellkamps fast 1 000-seitiges Opus "Der Turm" widmet sich den letzten Jahren der DDR. weiter »

Länder werden nicht mehr erobert, sie werden gekauft

Mit "Der Kampf um die Zweite Welt" beschreibt der amerikanische Politikwissenschaftler Parag Khanna eine neue Weltordnung

Seit 1991, seit dem Fall des Eisernen Vorhangs und der Selbstauflösung des sowjetischen Imperiums, galt die USA für mehr als ein Jahrzehnt als die einzige Supermacht der Welt. weiter »

Am Ende sind die Zähne kaputt

Von Böhmen nach Nebraska: Willa Cathers großartiger Roman aus dem Jahr 1918 über ein anstrengendes Frauenleben

Wir fahren Black Hawk, Nebraska." Mit diesem Satz stellt sich Antonia Shimsherda, gerade mal 13 Jahre alt, ihren Mitreisenden vor. Sie sitzt in einem Bahnwaggon Richtung Westen, unterwegs mit ihren Eltern und drei Geschwistern. weiter »

Das Gute im Terroristen

Carolin Emckes Nachdenken über die "Stumme Gewalt" der RAF

Gibt es einen Weg, um mit der Geschichte der RAF abzuschließen? Carolin Emckes Buch über den linksradikalen Terrorismus vereint ganz unterschiedliche Perspektiven... weiter »

Vertraue, fordere, beschütze!

Bernhard Buebs Bildungs-Buch "Von der Pflicht zu führen" enthält tiefe Wahrheiten

Bernhard Bueb hat es wieder getan. Nach der Aufregung um sein "Lob der Disziplin" (List Verlag, 2006) legt er nun nach: "Von der Pflicht zu führen" heißt sein neues Buch. weiter »

Die Dicke der Nervenkanäle

Ruth Bergers Naturgeschichte der Sprache ist ein Geschenk

Man fragt sich das selten, warum der Mensch spricht. Es ist uns ganz selbstverständlich, dass wir die einzigen Lebewesen mit einer feinen Sprache sind. weiter »

Zwischen Bluff und Vabanquespiel

Die Hamburger Edition versammelt 17 Konfliktanalysen zum Gleichgewicht des Schreckens

Der Kalte Krieg war alles andere als eine konfliktfreie Periode. In der Hälfte der Zeit zwischen 1947 und 1989 hätten akute politische und militärische Krisen die beiden Blöcke jederzeit in einen heißen Krieg stürzen konnten. weiter »

Im Zweifel für den kleineren Skandal

Milde Richter im päpstlichen Rom: Ludwig Schmugge zeigt, was Ehepaare im 15. Jahrhundert bewegte

Nikolaus Schacher und Dorothea, beide aus Würzburg, versprachen sich heimlich die Ehe und schliefen miteinander. Dadurch wurde die Ehe, obwohl nicht korrekt, sondern nur klandestin geschlossen, gültig. weiter »

Über die Liebe

Heute erscheint der neue Roman von Orhan Pamuk: "Das Museum der Unschuld"

Als Kemal Basmaci stirbt, hat er 5 723 Museen besucht. Im Edith Piaf Museum hatte er deren Haarbürste in einer Vitrine ausgestellt gesehen. Da wusste er, dass er nicht allein war. weiter »

Ich bin ein alleiniger Mensch

Renate Schmidts Biografie-Collage zu Therese Giehse

Durch Empathie, Gleichheit in Kunst- und Lebensauffassung, Bewunderung für ein unerreichbares Vorbild ist die Biographie "Therese Giehse. weiter »

Diese dumme Gans hat sich wieder umgebracht

Zum 100. Geburtstag von Cesare Pavese erscheint eine Neuübersetzung von "Die einsamen Frauen"

Am Neujahrstag 1950 schreibt Cesare Pavese in sein Tagebuch, die Idee des Selbstmords sei ein Bekenntnis zum Leben. Neun Monate später macht er seinem Leben in einem Hotelzimmer von Turin ein Ende. weiter »

Pistazien im Plastikbeutel

Mit dem amerikanischen Schriftsteller Alan Drew in Istanbul. Heute erscheint sein Roman "Die Wasser des Bosporus"

Blaue Moschee, Hagia Sophia, Gewürzbazar und die Markthallen. Es führt kein Weg vorbei an den klassischen Sehenswürdigkeiten, die der Tourist bei seinem ersten Besuch in Istanbul abklappern muss. weiter »

Ein Spaziergänger in Johannesburg

Der südafrikanische Schriftsteller Ivan Vladislavic porträtiert seine Heimatstadt als lebenswerten Ort

Max war ein Gorilla. Eines Wintermorgens suchte ein ertappter Einbrecher im Zoo von Johannesburg vor seinem Verfolger Zuflucht. Er kletterte dabei ins Gehege von Max. weiter »

Die Tragödie einer Utopie

Der britische Historiker Orlando Figes erzählt sie in "Die Flüsterer. Leben in Stalins Russland" als Geschichte von unten

Wer kennt heute noch Konstantin Simonow (1915-1979)? Den einstigen Frontberichterstatter und Bestsellerautor mit seinen Romane über den Großen Vaterländischen Krieg: "Tage und Nächte", "Die Lebenden und die Toten", "Man wird nicht als Soldat geboren". weiter »

Geht in Ordnung

Sven Regeners neuer Roman ist ganz der alte. Dabei wird "Der kleine Bruder" darin erst noch zu "Herr Lehmann"

Wolli nervt. Als er, kurz hinter Helmstedt, endlich mal für fünf Minuten die Klappe hält, schwillt das Schweigen jedoch zu einem wahrscheinlich gleich platzenden Ballon an. Um ihn aus dieser bedrohlichen Situation zu befreien, ruft Frank Lehmann aus einer weiter »

Die Toten lagen mit im Bett

Liebe über dem Abgrund: der Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan

Das sind nicht nur einfach Liebesbriefe. Das sind Offenbarungen, Zumutungen, Verletzungen, mit denen die Absender gekämpft und für die sie sich geschämt haben. Worte, vor denen Verfasser und Empfänger zu Recht Angst hatten und nach denen sie sich doch ver weiter »

Der Doktor und das Dorf

Kerstin Hensels Synthese aus Heimat- und Arztroman "Lärchenau"

Kerstin Hensel hat eine ausgeprägte Vorliebe für abnorme Männer: In ihrem letzten Roman "Falscher Hase" widmete sie sich einem irren Volkspolizisten, in ihrem neuen Buch "Lärchenau" stellt sie uns einen grotesk verdrehten Mediziner vor. weiter »

Achachach, alles nur Kuddelmuddel

Das neue Buch von Günter Grass erzählt Dunkelkammergeschichten und Familienabwasch

Jadoch. Am Ende wird er wieder das letzte Wort haben. Ganz egal, was die "Zeitungsfritzen" zu meckern haben, es wird doch wieder ein Bestseller werden, mit dem "Vatti" haufenweise "Knete" machen wird. weiter »

Reise in die europäische Vergangenheit

Jason Goodwin wanderte von Danzig nach Istanbul

Als 1989 die Mauer fiel, stieg die Ost-West-Migration stark an. In die umgekehrte Richtung bewegten sich trotz enormer Zahlungsvorteile weit weniger Menschen. Es bedarf eben einer Reiseinfrastruktur... weiter »

Pazifistische Weicheier und mannhafte Weltretter

Robert Kagan leckt die neokonservativen Wunden

Im Jahr 2003, in der heißesten Phase des transatlantischen Streits über einen drohenden amerikanischen Einmarsch im Irak, veröffentlichte der amerikanische Politologe Robert Kagan einen Aufsehen erregenden Band... weiter »

Nichts sagen, das aber perfekt

Die Bewirtschaftung der Bedeutungslosigkeit durch den Erzähler David Foster Wallace

Der Name David Foster Wallace ist ein Synonym für eine Ressourcenverschwendung von himmelschreienden Ausmaßen. Wer seine Erzählungen liest, fragt sich: Wie kann ein solches Talent sich einem solchen Blödsinn widmen? weiter »

Ach, wie unpraktisch!

Über den Verlust der körperlichen Autonomie: Maximilian Dorners entwaffnend offenes "Tagebuch eines Behinderten"

Er scheint nicht recht bei der Sache, als man die Aufnahmen von den weißen Flecken in seinem Gehirn vor ihm ausbreitet, als man die Krankheit bei ihrem Namen "Multiple Sklerose" nennt. Denn Maximilian Dorner hat gerade anderes im Sinn... weiter »

Schlossfräulein und Rebellin

Das kurze schöne Leben der Libertas Schulze-Boysen. Eine erzählerische Biografie

Die Geschichte des Widerstandes im Nationalsozialismus war in Deutschland zweigeteilt: Im Westen wurde an die Offiziere des 20. Juli um Graf von Stauffenberg erinnert, im Osten wurde die Rote Kapelle geehrt. weiter »

Das Glück nimmt Abkürzungen im Hirn

Gunter Dueck und Uwe Jean Heuser feiern die Entdeckung des Menschen in der Wirtschaft

Menschen verhalten sich irrational. Das wundert uns nicht weiter, sollte es aber. Denn wir sind selten bereit, diese Allerweltseinsicht bei unserer Einschätzung der Wirklichkeit zu akzeptieren. Nicht bei anderen und schon gar nicht bei uns selbst. weiter »

Wenn der Vater endlich stirbt

Mit behutsamer Wucht: Der Niederländer Gerbrand Bakker debütiert mit dem Roman "Oben ist es still"

Wenn auf dem platten Land die Welt auch nur ein bisschen kippt, findet man keinen Halt und rutscht ab: niederländische Schafweiden, ein Kuhstall, ein Hof, der Bauer Helmer, Jahrgang 47 - über ihm der Himmel, unter ihm trockengelegtes Land. weiter »

Toll trieben es die alten Nazis

Anna Maria Sigmunds nazideutsche Abnormitätenshow

Hereinspaziert zu Anna Maria Sigmunds nazideutscher Abnormitätenshow: Wir erleben unter anderem den hinkenden Sexprotz Joseph Goebbels, der als "Bock von Babelsberg" reihenweise Nachwuchsschauspielerinnen vernaschte. weiter »

Indianer im Kopf

Romanautor Thomas King ist ein in Kalifornien lebender Kanadier mit Cherokee-griechisch-deutschen Vorfahren Thomas King in eine Schublade stecken zu wollen, ist ein trügerisches Unterfangen. In etwa so, als wollte man einen mäandernden Fluss begradigen. weiter »

Gegen die Naturgesetze

Posse, Historie und Science Fiction: Thomas Pynchons Monumentalroman "Gegen den Tag"

Es ist ein Witz, dass er den Nobelpreis nicht hat, und ich habe ihn. Ich halte Pynchon für einen der bedeutendsten lebenden Schriftsteller, weit vor Philip Roth übrigens. Ich kann doch den Nobelpreis nicht kriegen, wenn Pynchon ihn nicht hat! weiter »

Der Feind ist überall

Der Ex-Geheimdienstler Helmut Roewer erzählt

Nicht jeder von uns ist zum Geheimagenten geboren. Wer spionieren will oder andere Menschen aushorchen soll, der muss seine Persönlichkeit verleugnen und fremde Leben leben können. Und er muss vor allem eins beherrschen: das Schweigen. weiter »

Vom Maoisten zum Daoisten

Christian Y. Schmidt will auf einer 5 386 Kilometer langen Tour Chinese werden

Der Ex-Titanic-Redakteur und Ex-Journalist Christian Y. Schmidt beschließt eine dreimonatige Reise über Land quer durch China zu machen. Und zwar allein. weiter »

Zähmung der Intellektuellen

Ingo Niermann befragt einheimische und ausländische Geschäftemacher in China

Flamenco, Salsa oder Tango zu lernen, erfordert Übung, die Tänze zu lehren, Geduld. Um Letzteres in China zu wagen, ist außerdem eine gehörige Portion Mut notwendig. Weil Felicia Schwartz neugierig und eine Frau der Tat war, wanderte sie nach China aus. weiter »

In Harmonie den Fluss regulieren

Zwei Einführungen in Alltag, Geschichte und Politik in China von Marcus Hernig und Georg Blume

China ist so nah, seit Jahrzehnten. Einst begeisterte es durch den Maoismus, heute erteilt es Lektionen in Brutal-Kapitalismus, und bietet zugleich, wegen Tibet, schönen Grund für aufrechte Empörung. weiter »

Die gute Nachricht zuerst

Armistead Maupin setzt nach 18 Jahren seine Stadtgeschichten fort: "Michael Tolliver lebt"

Alles begann damit, dass Mary Ann Singleton nie mehr nach Cleveland zurück wollte. Sie bezog ein Zimmer in einem Holzhaus in der Barbary Lane 28 und war damit in etwas gelandet, das das Magazin "Der Spiegel" einmal "San Franciscos Lindenstraße" genannt ha weiter »

Welterklärungen

Thomas Hauschilds ethnologische Aufsatzsammlung über "Ritual und Gewalt"

Die Ethnologie leistet einen Beitrag zur Erklärung der Welt und gerade angesichts der derzeitigen globalpolitischen Herausforderungen sollte man sich ihr Analysepotenzial zunutze machen. weiter »

Wir werden sehr alt

Fredrik Sjöberg erforscht Schwebfliegen, Knopfologie und die Seele des Sammlers

Das Reisen hat die Stimme der Sehnsucht nie mundtot gemacht, das Theater konnte das Begehren nach der wunderbaren Welt des Scheins nicht lange befriedigen. weiter »

Zappen ohne Fernbedienung

Werkstattbericht und Zeitreise. Walter Kempowskis letztes vollendetes Tagebuch von 1991: "Somnia"

Ist ja schon ein paar Takte her, das Jahr 1991. Erinnern Sie sich noch? War reichlich was los. weiter »

Die Reihen fest geschlossen

Wie aus dem roten Leipzig ein braunes wurde. Eine Chronik des Jahres 1933

"So oft wir uns auch die Frage gestellt haben, wie es dazu kommen konnte, dass innerhalb weniger Monate ein ganzes Volk in einen Rausch geriet und sich freiwillig einem Mann wie Hitler unterwarf, eine Antwort haben wir nie gefunden." weiter »

Flucht aus Runzelhausen

Rebecca Millers meisterlich geschnitztes Romandebüt "Pippa Lee"

Eine Frau ist verschwunden: hinter der Fassade einer treusorgenden Gattin und Mutter, die ihre Pflichten so hingebungsvoll erfüllt, dass die Tochter sie dafür geradezu verachtet. weiter »

Das Pathos des Bürgers

Gustav Seibt empfiehlt antike Texte zur Ferienlektüre

Unter dem Titel "Deutsche Erhebungen. Das Klassische und das Kranke" hat der Publizist und Historiker Gustav Seibt Texte versammelt, die in den vergangenen Jahren in Zeitungen und Zeitschriften erschienen sind. weiter »

Eine islamische Welt gibt es nicht

Der französische Nahostkenner Olivier Roy erklärt, warum die USA einen "falschen Krieg" führen

Im französischen Original heißt das neue Buch des renommierten Nahostkenners Olivier Roy: "Le croissant et le chaos", Der Halbmond und das Chaos. Dem Siedlerverlag war das offenbar zu harmlos, weshalb er die deutsche Ausgabe "Der falsche Krieg" titelte. weiter »

Die Kultur der Täuschung

Scott McClellan, ehemaliger Pressesprecher im Weißen Haus, demaskiert George W. Bush

Ist Scott McClellan wirklich "der Judas, der den Präsidenten und seine Freunde für ein paar Silberlinge verriet", als den ihn der texanischer Republikaner Lama Smith in einer Anhörung vor einem Untersuchungsausschuss in Washington Ende Juni darstellte? weiter »

Tod im Großen Vogelkäfig

Wie Indien wirklich ist: Aravind Adigas furioses Debüt "Der weiße Tiger"

Es ist ehrwürdige Sitte in Indien, seine Geschichte damit zu beginnen, dass man zu einer höheren Macht betet. Aber Balram Halwai - "Diener, Philosoph, Unternehmer, Mörder" - glaubt vor allem daran, dass sozialer Aufstieg in jenem Land möglich wird. weiter »

Der Jockey des Geldes

Heute erscheint der neue Roman "Kreuzungen" von Marlene Streeruwitz

Er lebt ganz nach Vorstellungen, die er sich von sich und seinem Leben macht. Was er auch fühlen mag, er hört nicht darauf, er folgt seinem Selbstkonzept. Sein Reichtum gibt ihm Recht. weiter »

Spaziergang am Abgrund der deutschen Geschichte

Christian Lindners Biographie des Staatsrechtlers Carl Schmitt ist eine literarische Großreportage

Bei schönem Wetter rief er an und fragte, ob sie nicht spazieren gehen wollten. Nicolaus Sombart, der am vergangenen Freitag verstorbene Publizist und Sohn des Nationalökonomen der Weimarer Republik Werner Sombart, zu der Zeit 15 Jahre alt... weiter »

Mit der Wollbiene auf Augenhöhe

Der Homer der Insekten: Jean-Henri Fabres hochpoetische "Entomologischen Erinnerungen"

Er liebte die Welt en miniature und stand mit Bienen, Wespen, Spinnen und Käfern auf du und du: In einem schmalen Band ist das hochpoetische Naturbeobachtungswerk von Frankreichs berühmtestem Insektenforscher Jean-Henri Fabre (1823-1915) jetzt endlich wie weiter »

Auf ein Wort zu Wittgenstein

Richard David Prechts Bestseller "Wer bin ich und wenn ja, wie viele?"

Wie kann ein philosophisches Buch bloß so viele Käufer finden? Ist das nicht zu abstrakt und trocken? Richard David Prechts "Wer bin ich und wenn ja, wie viele?" ist ein Bestseller. Lag es an Elke Heidenreich, die wieder ganz besonders schwärmte? Es könnt weiter »

Unter Neureichen

Der kubanische Schriftsteller José Manuel Prieto schickt seinen "Rex" zu Russen nach Marbella

Ein Nebeneffekt der Auflösung der Sowjetunion war die Einstellung der Subventionen an Kuba. Das betraf auch die Aufenthaltsstipendien für Studenten. 1990 erwischten die umwälzenden Ereignisse den kubanischen Austauschstudenten José Manuel Prieto jedenfall weiter »

Der Fluss-Krieg

Winston Churchills Bericht über den Kreuzzug gegen das Reich des Mahdi im heutigen Sudan

General-Major Herbert Kitchener war strikt dagegen - er habe genügend Offiziere und solche mit besseren Voraussetzungen. Er kannte Winston Churchill als Autor eines erfolgreichen Buches über die militärische Kampagne am Malakand-Pass in Indien. weiter »

Kafka - Hörbücher

Er, scheuer Junggeselle

Kafka war um sich bemüht. Er trug Maßanzüge, war gepflegt im Auftreten und galt als attraktive Erscheinung. weiter »

Texte, die nicht altern

Reiner Stach schließt mit "Die Jahre der Erkenntnis" seine monumentale Biografie über Franz Kafka ab

Franz Kafka, der heute vor 125 Jahre geboren wurde, schuf Texte, die nicht altern, sagt der Literaturwissenschaftler Reiner Stach. Im zweiten Band seiner monumentalen Kafka-Biografie schildert Stach die "Die Jahre der Erkenntnis" 1916 bis 1924. weiter »

Eine Sehnsucht, die keine Erfüllung fand

Vor 125 Jahren wurde Franz Kafka geboren. Eine Ausstellung im Münchener Literaturhaus

Vom Literaturhaus München am Salvatorplatz sind es nur wenige Schritte zum Cafe Luitpold in der Brienner Straße. Franz Kafka war gerne dort. weiter »

Von Küchenzorn, Aromatiefe und Messerdisziplin

Bill Bufords Selbstversuch als Küchensklave

Was bewegt einen fünfzigjährigen Literaturredakteur des "New Yorker" dazu, seinen Job zu kündigen und als Küchensklave noch einmal ganz unten anzufangen? Bill Buford träumte immer davon, als Koch zu arbeiten, so wie andere ein Flugzeug fliegen wollen, und weiter »

Historische Orgasmen

Der französische Historiker Robert Muchembled versammelt viel Material in seiner Geschichte der abendländischen Lust

Gemessen an dem, was die weltlichen und kirchlichen Obrigkeiten prinzipiell an moralischem Verhalten von ihnen erwarteten, trieben es die englischen Bauern in der Grafschaft Somerset im 17. … weiter »

Ein Joint im Café Ramadan

Das Romandebüt des Palästinensers Samir El-youssef

Recht auf Rückkehr" oder "zionistischer Feind" - diese Formeln bringen Samir El-youssefs Erzähler zum Lachen. Dabei ist das Rückkehrrecht ein Nationalmythos der Palästinenser. weiter »

Exil im Eis

Michael Chabons "Vereinigung jiddischer Polizisten" erzählt vom Ende des Judenstaats im Jahr 2008

Sechzig Jahre: so alt ist der Staat der Juden gerade geworden; sechzig Jahre lang hat das verfolgte Volk Zuflucht in einem Küstenstrich am östlichen Rand des großen Meeres gefunden. Mit ihren bloßen Händen haben die Gründerväter das wüste Land ... weiter »

Oft genommen, selten besungen

Hans-Christian Dany beschreibt die Kulturgeschichte des Amphetamin-Konsums

Drei Tage war er wach, jetzt wird er schwach. Ein weißer Hase sagt einem Tiger gute Nacht. Was die schlaflosen Tierkostüm-Partypeople im Video "Drei Tage wach" so ausgelassen feiern lässt, ist Amphetamin, "Speed" genannt... weiter »

Rauchen zum Überleben

Dejan Enevs kurze Erzählungen lüften die Geheimnisse Bulgariens

Was ist der wesentliche Unterschied zwischen einem jungen deutschen und einem Balkan-Schriftsteller? Der Deutsche muss nicht arbeiten. Während er in Literaturinstituten das Schreiben lernt, als Stipendiat andere Stipendiaten trifft und ... weiter »

Der Widerhall des Lallens

Daniel Heller-Roazen Buch über "Echolalien" handelt vom Vergessen der Sprache

Irgendwas fehlt immer. Das ist einerseits beklagenswert, anderer-seits muss es genau so sein, sonst wird man unglücklich. Wie das Fehlende immer dazugehört, damit beschäftigt sich dieses Buch, das beschreibt, wie sich die Sprache ... weiter »

Kriminelle Machenschaften

Jürgen Ebertowskis Tempelhof-Roman über die Berliner Nachkriegsjahre

Aus den riesigen Fenstern der Offiziers-Lounge fällt der Blick auf das Tempelhof-Flugfeld, wo kleine Flugzeuge starten und landen und mit ihren brummenden Motoren für eine Art Rosinenbomber-Feeling sorgen... weiter »

Hallo Zipfelmützen!

An die privilegierten Deutschen: Noah Sow will mit einem düsteren Pamphlet ins Weiße treffen

Nein, sie ist kein Produkt eines "anrüchigen Verhältnisses". Sie wurde zwar als Kind wegen ihrer dunklen Hautfarbe als "Negerlein" verspottet. Aber heute ist sie Uschi Glas, eine bekannte deutsche Schauspielerin. weiter »

Mit dem Geigerzähler durch den Echoraum

Zwei dichte Erzählungen des Lyrikers und Bachmann-Preisträgers Lutz Seiler

Lutz Seiler ist ein großer Lyriker. Dass er auch ein großer Prosaautor ist, das belegen nun zwei Erzählungen, die im Suhrkamp Verlag erschienen sind. Für die titelgebende Erzählung wurde Seiler im letzten Jahr der Bachmann-Preis zugesprochen. weiter »

Chemischer Maximalismus

Ines Geipels Anklageschrift "No Limit: Wie viel Doping verträgt die Gesellschaft"

Es sind keine revolutionären Erkenntnisse, die Ines Geipel in ihrem jüngsten Werk zu bieten hat, doch die sind auch gar nicht mehr nötig. Deutschland ist seit dem Dopingskandal um seinen gefallenen Radsporthelden Jan Ullrich halbwegs aufgeklärt über den S weiter »

Erobern, genießen, verlassen, archivieren

Thomas B. Steinkes Roman "Bronskis Treiben" ist bis zum Abwinken ehrlich und mackerhaft

Dieser Roman redet nicht um die Dinge herum. Er tut auch nicht, als wolle er etwas Besseres sein. Schon auf der dritten Zeile kommt er zur Sache. Er beschreibt, was dem Romanhelden Bronski beim Anblick einer elfenhaften sehr jungen Frau durch den Kopf geh weiter »

Zwischen Armani-Fummel und Burka

Steve Colls großartige Familienbiografie über "Die Bin Ladens"

Als am 11. September 2001 die Türme des World Trade Centers einstürzten, war ein Bruder Osama Bin Ladens in New York in Sichtweite, ein anderer in Harvard. Eine Woche später sammelte eine Chartermaschine weitere Bin Ladens in den USA ein und transportiert weiter »

Nur der Hund ist immer treu

Am Ende wird er nicht legal, aber sehr stilgerecht beerdigt. Der Hund heißt Lua, vielleicht kann auch er sprechen, auf jeden Fall ist er klug und melancholisch, liebt Bier und Cheeseburger, ist schon weit her-umgekommen in der Welt - und hat nur drei Bein weiter »

Der zivilisierte Pavian als idealer Mann

Dass es die Affen schwer haben, wenn sie unter die Menschen fallen, das weiß man aus Kafkas "Bericht für eine Akademie". Andererseits unterschreibt man gerne den Satz des englischen Erfinders William Congreve, der diesem Roman als Motto vorangestellt ist: weiter »

Bombenfrauen am Tresen

Die Kroatin Ivana Sajko schickt eine junge Braut in die Hölle

So wie der Krieg gilt auch die Literatur über den Krieg als Männersache. Zwei der wichtigsten belletristischen Kriegsbücher des vergangenen Jahrzehnts stammen jedoch von Frauen. In Slavenka Draculics Roman "Als gäbe es mich nicht" (1999) wird die Massenve weiter »

Die Frauen sind immer die Guten

Und der Teufel kommt von weit her: Henning Mankells aktueller Thriller "Der Chinese"

Ein Wolf streift hungrig durch den Schnee. Da wittert er Blutgeruch. Frische Leichen! In einem abgelegenen schwedischen Kaff hat ein wüstes Gemetzel stattgefunden. Ein empfindsamer Fotograf auf Recherchereise entdeckt ein abgenagtes Bein, dann das ganze M weiter »

Rauchzeichen aus dem Reservat

Friedrich v. Borries und Jens-Uwe Fischer zeigen in "Sozialistische Cowboys" die wilde Seite der DDR

Tausende Hobby-Indianer trafen sich seit 1973 jährlich zur "Indian Week" der DDR irgendwo in der Pampa. Sie bauten Tipis auf, zogen ihre "Klamotte" an und lebten in wilder Romantik. Bis in die achtziger Jahre entstanden überall Clubs. weiter »

Flucht ins Unerreichbare

Die Schweizer Schriftstellerin, Reisende und Fotografin Annemarie Schwarzenbach wäre heute 100 Jahre alt geworden

Als 1932 Annemarie Schwarzenbachs erstes Buch erschien, kam ein Buchhändler auf die Idee, ein Foto von ihr zusammen mit dem Buch ins Schaufenster zu stellen. Am nächsten Tag war die Scheibe eingeschlagen, das Foto gestohlen. Die Fotografin, die das Bild g weiter »

Afrikalia

Von der Schuld der Überlebenden

Mangelnde Theatralik kann man auch Lukas Bärfuss nicht vorwerfen. Der Schweizer Autor ist schließlich vor allem Dramatiker. Die Bühne seines Protagonisten ist Ruanda, 1994. Der junge Entwicklungshelfer David Hohl versteckt sich die "Hundert Tage", die die weiter »

Afrikalia

Vom Krieg ohne Bürger und Sieger

Die Aufdeckung eines weiteren getürkten Erlebnisberichtes ist nicht zu befürchten. Uzodinma Iweala war nie Kindersoldat. Das afrikanische Land, in dem dubiose Banden das schutzlose Volk mit einem Krieg ohne Bürger tyrannisieren, hat keinen Namen. In dem k weiter »

Im Auftrag von ganz oben

Warum sich die amerikanische Außenpolitik nicht ändern wird: Marcia Pallys "Warnung vor dem Freunde"

Regelrechte Heilserwartungen verbinden sich bei den Westeuropäern mit der Wahl des nächsten amerikanischen Präsidenten. Möglichst soll die neue Lichtfigur aus dem Lager der Demokraten kommen, ein radikaler Wandel steht am Horizont der Träume. Sei es Barac weiter »

Diogenes tat es auf dem Markt

Thomas W. Laqueurs Kulturgeschichte der "einsamen Lust"

Vor zehn Jahren erschien in Frankreich mit "Éloge de la Masturbation" ein kleines Buch, das zu einem heimlichen Longseller wurde. "Ich habe es getan", bekannte der Autor Philippe Brenot darin und schrieb, obwohl dieser Akt der häufigste unserer Sexualität weiter »

An jeder Laterne ein Gekreuzigter

Weltliteratur aus Rumänien: Mircea Cartarescus magisch-realistische Romane und Erzählungen

Bis zu der Zeit, als man auf der Straße gegenüber den Block hochzog und daher alles hinter Planken verschwand und die Luft nicht mehr zum Atmen war, schaute ich nächtelang durch das dreiteilige Panoramafenster meiner Wohnung an der Stefan-cel-Mare-Chausse weiter »

Auf den Spuren europäischer Schicksale

Martin Pollacks eindringliche Geschichtsreportagen

Es sind einzelne Ereignisse und Begegnungen, die in Umbruchszeiten die großen Transformationslinien sichtbar machen. Beharrlich, genau und geduldig schreibt der vielfach ausgezeichnete österreichische Publizist, Ex-Spiegel-Korrespondent und Übersetzer Mar weiter »

So nutzlos wie Amseln frisieren

Hemmungslos verspielt und gezwirbelt: Kirsten Fuchs' Roman "Heile, heile"

Ein immer wieder gern gewählter Einstieg in eine Buchbesprechung ist die Kritik des Klappentextes. Auf dass das Buch - und ganz nebenbei auch die Rezension - umso heller leuchte vor diesem derart düstren Hintergrund. Weswegen das hier nun ebenfalls versuc weiter »

Umweg ins Leben

Karen Duves neuer Roman "Taxi" ist ein Mosaik aus zerfallenden Episoden

Irgendwie holpert es bei Karen Duve. Vielleicht, weil nicht ganz deutlich ist, worauf sie hinaus will; ob sie einfach gern schwarzhumorige Anekdoten erzählt und ihre Erzählerin Alex der dafür unvermeidliche Pechvogel ist. Oder ob es ihr um ein umfassendes weiter »

Feuchte Dürer-Träume der Rotarmisten

Kerstin Holm suchte Beutekunst in Putins Provinzen und fand dabei Wege zur russischen Malerei

Kunst hat im Krieg nichts zu suchen. Doch wurde gegen kaum ein Völkerrecht so oft verstoßen wie gegen die Haager Landkriegsordnung, die 1907 den Raub von Kulturdenkmalen ächtete. Hitler hielt sich nicht daran und ließ halb Europa plündern. Auch Stalin bli weiter »

Die Rückkehr zum Vorgestrigen

Vladimir Sorokins Roman "Der Tag des Opritschniks" protokolliert den postsowjetischen Wahn

Vladimir Sorokins wüste Roman-Delirien gleichen Albträumen, aus denen man dennoch mit einem Gefühl der Erleichterung erwacht. Wenn in "Der himmelblaue Speck" (dt. 2000) Stalin mit seinem Zögling Chruschtschow kopuliert, "der Schlächter Roosevelt" von Adol weiter »

Am Ende standen wir als Sieger da

Der intellektuelle Kopf der Intifada, Sari Nusseibeh, erinnert sich: "Es war einmal ein Land ..."

Die Mauer soll quer über den Campus der Al-Quds-Universität im Ostteil Jerusalem verlaufen. Mitten durch das Fußballfeld und die Basketballplätze. Doch als 2003 die israelischen Bulldozer und Mauerbauer anrücken, bleiben Zusammenstöße zwischen Armee und P weiter »

Die Einzigartigkeit des Holocaust

Walter Laquers differenzierender Essay über die vielen Gesichter des Antisemitismus

Vom vormodernen über den rassistischen bis hin zum neuen Antisemitismus, von der Antike über die Aufklärung bis ins 20. und 21. Jahrhundert reicht das Spektrum dieses eindrucksvollen historischen Essays. Walter Laqueur ist selbst Betroffener: 1921 als Jud weiter »

Die zionistische Fortbewegung

Was beschäftigt die Menschen in Israel? Igal Avidan gibt Antworten

Wenn ein Israeli Geburtstag hat, beglückwünschen ihn seine Freunde gerne mit den Worten: bis 120. Dieses Jahr feiert der Staat Israel den sechzigsten Jahrestag seiner Gründung. Viele Israelis aber fragen sich, ob ihr Land auch noch weitere 60 Jahre existi weiter »

Die Republik der Träume

Abenteuerlich, überkandidelt, wundervoll: Eine neue Übersetzung zeigt das Genie des Bruno Schulz

Außergewöhnliche Vaterfiguren gibt es viele in der Weltliteratur. Eine der zauberhaftesten hat Bruno Schulz in seinem 1934 erschienenen Prosazyklus "Die Zimtläden" erschaffen. Der Tuchhändler Jakub ist ein genialer Sonderling, der mit seiner Familie im ga weiter »

Sex, Schuld, und Sühne

Hanif Kureishis neuer Roman "Das sag ich Dir"

Ach Sigmund Freud, was hat er uns mit seinen "Drei Abhandlungen über Sexualtheorie" nur eingebrockt: Das Reden über Homosexualität, Bisexualität, Exhibitionismus, Sadismus, Masochismus, Fetischismus, Voyeurismus. Die Liebe nicht nur als Lust, sondern auch weiter »

Entbehrliche und Benötigte

Ninni Holmqvist schreibt das Szenarium einer bizarren Welt

Der Tod schickt einen Geländewagen mit getönten Scheiben. Die Frau wartet mit einer Reisetasche an der Gartenpforte und steigt ein. Nach der Fahrt wird die Autotür von außen geöffnet. Ein Frauengesicht lächelt herein und sagt: "Hej, Dorrit! Du bist jetzt weiter »

Ein Paradies selbst für Dinge

Jacek Dehnel erzählt Polens Geschichte aus der Sicht seiner lebensfreudigen Oma

Reich an Geschichten ist dieses Buch. Und wunderbar wechselhaft. Es steckt voll reifer und schmerzlich-schöner Nostalgie; geschrieben hat es der Danziger Autor Jacek Dehnel mit gerade einmal 25 Jahren. Die Titelheldin Lala, temperamentvolle Großmutter des weiter »

Zur Schonung des Kapitals

Wirtschaftswunder Liechtenstein: Wie sich ein armes und unwissendes in ein reiches und findiges Völklein verwandelte

Liechtenstein, Du hast es besser! Jeder Deiner 35 000 Einwohner erwirtschaftet jährlich mehr als 169 000 Schweizer Franken. Damit bist Du der reichste Staat der Welt. Dabei warst Du einst bloß der 343. Staat im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation un weiter »

Senilität ist nicht zivilisiert

99 Briefe von Friederike Mayröcker über Schreiben und Leben jenseits der 80

Im Zuge der Demografie-Debatte hat sich herumgesprochen, dass der Prozess des Alterns unterschiedliche Phasen hat: Während man von Mitte dreißig bis Mitte siebzig um Reste seiner Jugendlichkeit kämpfen kann, ist jenseits der 80 Schluss mit lustig: Es droh weiter »

Es reicht nicht für alle

Dichte Beschreibungen: Heinz Bude über „Die Ausgeschlossenen“ in der Mitte der Gesellschaft

Das passiert nicht jeden Tag. Ein deutscher Soziologe sucht die öffentliche Diskussion. Heinz Bude, Professor für Makrosoziologie an der Universität Kassel, hat ein engagiertes und provozierendes Buch geschrieben. Es wendet „sich nicht an ein Fachpublikum weiter »

Mohammeds Geschichte

Zwei große Werke befassen sich mit Lebenslauf und Legende des islamischen Propheten

Hat Mohammed je gelebt? Für gläubige Muslime ist das eine absurde, eine unvorstellbare Frage. Für sie ist der Koran das unmittelbare Wort Gottes und mit der Vita des Verkünders dieser Worte stehen sie auf vertrautestem Fuß - von seinem Aufwachsen als Wais weiter »

Lauter Infantile

Benjamin Barbers "Consumed!" zeigt, wie der Markt die Demokratie untergräbt

Es sind merkwürdige Zeiten: Erwachsene lesen am liebsten Jugendbücher wie "Harry Potter", sie veranstalten Spieleabende oder daddeln tagelang am Computer, Feministinnen nennen sich "Mädchen", und Magazine für Twenty- bis Thirty-Somethings tragen die Unter weiter »

Entmachtet die Kultusminister!

Christian Füller fordert in "Schlaue Kinder, schlechte Schulen" radikale Reformen

Reformpädagogen, Internatsdirektoren, Unternehmer, Hirnforscher - sie alle schreiben Bücher über Bildung, oft aus recht eingeengter Sicht. Nun liegt das Buch eines Autors vor, der das Thema von vielen Seiten kennt. Christian Füller, Jahrgang 1963... weiter »

Betrachtungen über das Ende der Liebe

Der Titel dieses Geschichten-Bandes ist doppeldeutig, kann er doch der Sehnsucht am Anfang einer Liebe Ausdruck geben und ebenso der Erleichterung und Befreiung an deren Ende: Endlich allein! Die Autorin Cristina Peri Rossi, die aus Uruguay stammt... weiter »

Philosophische Untersuchung der Welt

Eine junge Englischprofessorin träumt davon, einen Cowboy zu heiraten, und dieser Traum verlässt sie auch nicht, als sie älter und längst verheiratet ist. Sie weiß, dass sie mit einem Naturburschen gar nichts anfangen könnte... weiter »

Wenn das Feuer erlischt

Der gelehrte Autor erfindet sich seine Leser: J. M. Coetzees "Tagebuch eines schlimmen Sommers"

Das Bemühen um einen über-politischen Diskurs ist vergeblich, notiert der Schriftsteller C. verbittert, was ihn jedoch nicht davon abhält, im Auftrag eines deutschen Verlegers trocken über "feste Ansichten" zu politisch-philosophischen Themen zu räsoniere weiter »

Das Jahr der Geheimnisse

Siri Hustvedt hat einen Roman über ihren Vater geschrieben: "Die Leiden eines Amerikaners"

In wachen Zustand bin ich eine Frau, aber in meinen Träumen bin ich manchmal ein Mann", postulierte die amerikanische Autorin Siri Hustvedt in einem ihrer Essays. Nicht nur beim Träumen, auch beim Schreiben lässt sie gern ihren Körper zurück... weiter »

Weichgespülte Klischees

Viva Polonia! Der Kabarettist Steffen Möller spielt den netten Gastarbeiter in Polen

Politische Themen vermeidet Möller konsequent. Für die deutsch-polnische Verständigung gebührt ihm daher großes Lob; auf diesem Feld hat er vermutlich mehr erreicht als Gesine Schwan. Wer jedoch mehr … weiter »

Die Eroberung der Welt

Der Potsdamer Althistoriker Pedro Barceló lässt Alexander den Großen Völkermörder und Friedensbringer zugleich sein

Knappe elf Jahre dauerte der Feldzug, danach war in einem Großteil Eurasiens nichts mehr so wie vordem. Der Eroberer hatte mehrere Reiche zugrunde gerichtet, darunter sein ... weiter »

Humboldt, Gauß & Co.

Daniel Kehlmanns Bestseller "Die Vermessung der Welt" und seine lesenswerten Folgen

Zu den unvergesslichsten Szenen in Daniel Kehlmanns Roman "Die Vermessung der Welt" gehört sicher folgende: Alexander von Humboldt sitzt in einem Boot auf dem Rio Negro und soll seinen Begleitern eine Geschichte erzählen. Leider wisse er keine, erklärt er weiter »

Erbfeinde a.D.

Ein deutsch-französisches Geschichtsbuch schildert die Jahre von 1815 bis 1945

Franzosen und Deutsche stellen heute in Berlin gemeinsam ein weltweites Novum vor. Erstmals haben zwei Nationen ihre historischen Sichten zusammengeführt, um ein ... weiter »

Amerika im Krieg

Nicholson Bakers Buch über den Zweiten Weltkrieg sorgt für Empörung in den USA

Wer dieses Buch gelesen hat, bekommt eine Ahnung davon, wie wenig wir von der Geschichte des 20. Jahrhunderts erst verstanden haben... weiter »

Aus Milch und Pech

Die jungen Jahre des Barack Obama und der globale Traum

Barack Obamas Rede zur Rassenfrage in den USA vergangene Woche hat ein Prädikat schon sicher: historisch. Obama erzählte darin auch, dass eine Lebensgeschichte wie die seine in keinem anderen Land möglich gewesen wäre... weiter »

Die Logik in Leningrad

Nicht so knifflig wie Schach, aber verspielt: Jens Sparschuhs Roman "Schwarze Dame"

Der 1955 in Karl-Marx-Stadt geborene Autor Jens Sparschuh ist zwar ein bekannter zeitgenössischer Autor, er wird allerdings nicht so anerkannt, wie er es mit seiner Literatur verdient hätte... weiter »

Man wurschtelt sich so durch

Christiane Rösingers autobiografisches Debüt "Das schöne Leben"

Was hat Ho Chi Minh mit einem kleinen Mädchen im badischen Hügelsheim der 1960er Jahre zu tun? Nicht viel, meint man. Und doch schwingt sich die kleine Christiane Rösinger jeden Abend nach der Tagesschau auf ihr Fahrrad... weiter »

Drecksarbeit Menschenvernichtung

Wovon wir sprechen, wenn wir über die Shoah reden. Die Erinnerungen von Shlomo Venezia

Die Shoah erfülle uns Deutsche mit Scham, hat die Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstag in ihrer historischen Rede vor der Knesset gesagt; sie nannte die Judenvernichtung durch die Deutschen einen beispiellosen Zivilisationsbruch. weiter »

Stille Gedichte aus dem Krieg

Dem Schriftsteller und Pfarrer Albrecht Goes zum 100. Geburtstag am 22. März

Hoffnungslos anachronistisch muten uns heute seine Gedichte und Erzählungen an, aber vielleicht sind sie eher zeitlos. Dabei haben die Kriegsjahre des Nationalsozialismus Albrecht Goes den Stoff gegeben für seine gelungensten Erzählungen "Unruhige Nacht" weiter »

Die schleimigen Flüsse

Charlotte Roches Debütroman: "Feuchtgebiete"

Die ehemalige Viva-Moderatorin Charlotte Roche beneidete vor einiger Zeit den Fernseh-Intellektuellen Roger Willemsen um seine Fähigkeit, Exhibitionismus als Philosophie zu verkaufen. "Der Roger, der ist total super darin, diesen ganzen Pornoscheiß so rum weiter »

Wie wir glücklich und erwachsen werden

Bekenntnisse eines Tiefstaplers: Richard Rorty dimmt die Ansprüche der Philosophie herunter

Manchmal sind Philosophen echte Spaßverderber. Kaum schwingen sich einige in metaphysische Höhen und lassen ihre Vorstellungen um "absolute Wahrheit", "unbedingte Vernunft" oder die "an sich seiende Realität" tanzen, weiter »

Um uns selber müssen wir uns selber kümmern

Irina Liebmann widmet ihrem Vater Rudolf Herrnstadt und der jungen DDR ein tolles Buch: "Wäre es schön? Es wäre schön!"

Irina Liebmann befragt also am Einzelfall die Entscheidungen einer ganzen Generation. Ihr Buch ist so reich und spannend, weil es sich gestattet, vieles zu sein: historische Recherche, aber auch … weiter »

Verträge des Herzens

Lewis Hydes Studie über die Ökonomie der schöpferischen Gabe zwischen Paradies und Kapitalismus

Hydes Buch entlässt uns mit einem weiteren rätselhaften Märchen. Zum Abschied verwehrt und verwahrt er da die Interpretation. Als wolle er sagen, mach dir selbst einen Reim drauf, lass es einsickern, … weiter »

Die ehrliche Haut unter der Lederjacke

Mit "Paul und ich" erzählt Winfried Glatzeder sein Schauspielerleben im Schatten einer großen Rolle

Üblicherweise hassen es Schauspieler, ein Leben lang mit der einen Rolle identifiziert zu werden, die sie groß gemacht hat. Man stelle sich vor, man erreicht den Gipfel mit 28 Jahren... weiter »

Das Volk spricht im Chor

Der Einzug des Politischen in die Literatur: Michael Kumpfmüllers neuer Roman "Nachricht an alle"

Es gibt einen Prolog, einen Exodos, Chöre. Klingt nach griechischer Tragödie. Doch der Prolog erzählt von der letzten SMS, die Anisha ihrem Vater Selden schreibt: "O mein Gott. Es hat eine Explosion gegeben. Es ist entsetzlich... weiter »

Madeleines Tipps

Die einstige amerikanische Außenministerin rät: Wissen und fragen statt bomben

Wie groß in weiten Kreisen der USA die Frustration über die Ära Bush ist, kann man an solchen Büchern ablesen: Madeleine Albright, unter Bill Clinton Außenministerin der USA und keinesfalls eine Frau von mangelndem Patriotismus... weiter »

Ein umwerfender Hauch von Freiheit

Verbotenes Ereignis: Andrej Bitows grandioser Roman "Das Puschkinhaus"

Nicht nur den Kommunisten, sondern einem Großteil der russischen Schriftsteller, die sich traditionell als Volkspädagogen sahen, musste dies unerhört erscheinen. Zu Putins Lieblingsautoren wird Bitow … weiter »

Es gibt kein Geheimnis, das die Zeit nicht enthüllt

Tim Weiners spannender Abriss der 60-jährigen Geschichte des US-Geheimdienstes CIA

Büchern, seien es nun Romane oder historische Abhandlungen, werden von ihren Autoren gern Zitate vorangestellt, die mit dem kommenden Stoff auf irgendeine mehr oder weniger nachvollziehbare Weise korrespondieren. weiter »

Rauchverbot in Stalingrad

Morgen erscheint Jonathan Littells Roman über die Freuden und Leiden eines SS-Offiziers

Wenn ein Trommler aus Ghana, ein indischer Sitar-Künstler und ein dänischer Pianist zusammen spielen, spricht man heute von Weltmusik. Analog dazu ist "Die Wohlgesinnten" eindeutig Weltliteratur... weiter »

Solange es nicht weh tut

Jon McGregors "So oder so": ein Museumskurator auf der Suche nach der Vergangenheit

Ja, Dinge haben ihr Leben", murmelt die bis zum Hals im Sand steckende Winnie in Samuel Becketts Untergangs-Drama "Glückliche Tage", während sie ihr gescheitertes Leben in einem Monolog Revue passieren lässt. weiter »

Selbstsüchtig, eitel, spießig, aber auf keinen Fall schwul

So ist die Hauptfigur in Kirchhoffs Roman "Eros und Asche"

Seien wir freundlich und gehen davon aus, dass der Ich-Erzähler in Bodo Kirchhoffs autobiografischem Roman "Eros und Asche" nicht identisch ist mit Bodo Kirchhoff. Denn der Großschriftsteller, der dort präsentiert wird... weiter »

Hier Freundchen, lies erst mal das Original!

Martorells "Der Weiße Ritter Tirant lo Blanc" von 1490 ist komplett und in neuer Übersetzung erschienen

Anscheinend kommt kein Hinweis auf Joanot Martorells "Roman vom Weißen Ritter Tirant lo Blanc" ohne einen Hinweis auf Miguel de Cervantes' Roman vom "Ritter von der traurigen Gestalt" aus. Also tun wir es auch. weiter »

Die verletzte Ehre der Patrioten

Sein Vater trug das Eiserne Kreuz: Jacob Rosenthal untersucht die demütigende Judenzählung im Ersten Weltkrieg

Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche", verkündete Wilhelm II. nach dem Kriegsausbruch im August 1914. Kaum eine Gruppe war von dem Aufruf zum Burgfrieden so begeistert wie die Juden... weiter »

Späte Potenzen

"Exit Ghost": Philip Roth schließt nach drei Jahrzehnten und zehn Romanen seine Zuckerman-Serie ab

Soap-Operas haben etwas Beruhigendes: immer dieselben Orte, dasselbe Personal, dieselben Konflikte. Wir kennen die Leute, wir gehören ein bisschen dazu. Auch in der Literatur lieben wir das Wiedersehen mit vertraut weiter »

Was hat er gefrühstückt?

Sigrid Damm erzählt in "Goethes letzte Reise" sein ganzes Leben

Mit Hilfe von Tagebucheinträgen, Briefen und Auszügen aus seinem Werk buchstabiert Sigrid Damm in einer großen Erzählung aus, was Goethe auf dieser letzten Reise beschäftigte. Detailliert berichtet … weiter »

Der Gabentausch

Anthony Kauders über die alte Bundesrepublik und ihre Juden

Drei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verpflichtete der Jüdische Weltkongress alle Juden dazu, sich "nie wieder auf dem blutgetränkten deutschen Boden anzusiedeln". Zwei Jahre später erklärte das israelische Parlament... weiter »

Klasse Typen hassen Soja!

Endlich auf Deutsch: zwei witzig-kluge Bücher des Rumänen Dan Lungu

Papa", ruft die siebenjährige Tochter. "Ich habe eine Armbanduhr aus Wien, ein Kleid aus Frankreich, Jeans aus Amerika und ein T-Shirt aus Deutschland. Komme ich da noch aus Rumänien?" Mit dieser … weiter »

Jeder zerrüttet sich, so gut er kann

Strahlender Pessimismus: Susanna Tamaro führt in "Erhöre mein Flehen" die Familiengeschichte ihres Bestsellers weiter

Obwohl Federico Fellini von ihr begeistert war, blieb die Autorin ein Geheimtipp. Erst als Susanna Tamaro in Italien die Gesamtverkäufe von Umberto Ecos "Der Name der Rose" übertraf, bekam sie 1995 … weiter »

Die färbt ab

"Lichte Stoffe": Larissa Boehning erzählt von Lebenslügen und dem Glück, das man in ihnen findet

Der spröde Titel "Lichte Stoffe" verweigert die Auskunft darüber, worum es in diesem Roman geht. Das Bild auf dem Umschlag suggeriert: eine Geschichte vom Suchen und Finden des Vaters. Ein Kind läuft … weiter »

Sehnsucht nach Schulterschluss

Der Briefwechsel von Hans Blumenberg mit Carl Schmitt

In etwas gestelzter Höflichkeit schreibt Hans Blumenberg im März 1971 seinen ersten Brief an Carl Schmitt.Er setzt darin eine Kontroverse fort, die sich aus der wechselseitigen Kritik in ihren … weiter »

Die segensreiche Krise

Die europäische Kultur lebt aus der Angst vor ihrem Verfall, weiß Jerzy Jedlicki

Die Kulturkritik ist ein intellektueller Tummelplatz, auf dem Tiefsinn und Schwachsinn oft nur schwer voneinander zu unterscheiden sind. Die Frage, welche Krisendiagnosen begründet sind, interessiert den Warschauer Ideenhistoriker Jerzy Jedlicki nicht. Er weiter »

Mord und Totschlag ist das Ziel

Der Journalist Heimo Schwilk und der Germanist Helmut Kiesel erzählen das Leben Ernst Jüngers

Im Ersten Weltkrieg war Ernst Jünger begeisterter Soldat mit einer ausgeprägten Mordlust; in den 20er-Jahren positionierte er sich radikaler als die Nazis gegen die Demokratie; während des Dritten Reichs lebte er mit den Verschwörern des "20. Juli"; und i weiter »

Der Zeitmaschinenmörder aus Freiburg

Ist alles möglich? Juli Zeh hat einen kurzweiligen Krimi über Physik und Verbrechen geschrieben

Juli Zeh traut sich einiges zu: Neben ihrem Jurastudium legte sie ein Diplom am Literaturinstitut Leipzig ab, reiste allein mit Hund ins kriegsversehrte Bosnien, äußerte sich zu Themen wie Völkerrecht und Bundespolitik... weiter »

Idiotische Zeiten

Andras Nyerges Kindheitserinnerungen an Budapest

Andras Welt hat keine Graustufen. Inmitten der Budapester Kriegswirren im Herbst 1944, als die Donau-Stadt mit ihren deutschen Besatzern und putschenden Nationalisten zur Zielscheibe westalliierter Bomben wird... weiter »

Sie kam nicht umhin zu denken

Leider wieder nichts: Zoe Jennys Künstlerroman "Das Porträt"

Man würde Zoe Jenny gern mal wieder loben. Die Achterbahnfahrt der Urteile - überschwängliches Lob für den Erstling "Das Blütenstaubzimmer", Hohn und Häme für die beiden folgenden Romane... weiter »

Die europäische Amerikanerin

Dieser Tage wäre Susan Sontag 75 geworden. Eine neue Biographie fragt nach ihrem Glamour-Faktor

Ich habe es satt, Susan Sontag zu sein", beklagte sich die nämliche 1989 bei ihrem zukünftigen Agenten Andrew Wylie: Es gäbe 30 Anrufe pro Tag zu beantworten, Bücher zu lesen und … weiter »

Mit Wut im Bauch

Knud Romers sensationeller Roman über den dänischen Deutschenhass

Knud Romer wurde 1960 in Nykøbing auf der Insel Falster geboren; man kommt da durch, wenn man von Rostock nach Kopenhagen fährt. Sein Vater war Däne und Versicherungsangestellter, seine Mutter hieß … weiter »

Vom Wurm zum Schriftsteller

David Mitchells klassenbewusster Adoleszenzroman "Der dreizehnte Monat"

Beim Schulfußball lernt ein Dreizehnjähriger alles über Peergroups, Statuskämpfe und Ehrenkodex: "Echte Kerle gehen in den Sturm, Mimöschen ins Mittelfeld, Krüppel in die Verteidigung, Spinner ins Tor." weiter »

Plan Dalet

Ilan Pappe beschreibt die Gründung des Staates Israel 1948 als "ethnische Säuberung Palästinas"

Rund 800 000 Palästinenser verloren 1947/48 ihre Heimat. Der Krieg um die Gründung des Staates Israel ging mit einer der größten Flüchtlingskatastrophen des 20. Jahrhunderts einher... weiter »

Das eigene Land an die Wand stellen

Rossana Rossanda, Kommunistin und Gründerin der Zeitung "Il Manifesto", sieht sich als "Tochter des 20. Jahrhunderts"

Es gibt nur wenige kommunistische Intellektuelle, die sich auch nach 1989 noch als Kommunisten bezeichnen. Der bekannteste ist der Historiker Eric Hobsbawm (geboren 1917), der vor einigen Jahren in seiner aufregenden Autobiografie... weiter »

Erpel, Helmuts, Mohair-Barette

130 aufschlussreiche Mini-Essays: Das "Alphabet der polnischen Wunder"

Für viele Deutsche bleibt das Land, das achtzig Kilometer östlich von Berlin beginnt, eine unbekannte, exotische Welt. Daran konnten auch die Kaczynski-Zwillinge wenig ändern... weiter »

Höllische Tage im Ferienhaus

Simon Borowiaks "Sommerbeichte" ist komisch, blitzgescheit und gnadenlos

Cromwell hat den Icherzähler, seinen einzigen Freund, genötigt, mit ihm in die verschneiten Berge zu fahren. Auch mit dabei sind Cromwells neue Freundin Alexandra, ihre Cousine Susanne und deren Mann … weiter »

Der Schutzengel und sein Biograf

Michael Köhlmeier erzählt in seinem großen Roman "Abendland" über das 20. Jahrhundert

Es ist wohl Gottes Schuld, dass die abendländische Familienformel Vater-Mutter-Kind nie ganz aufgeht, sondern im Hintergrund ständig ein metaphysischer Patriarch mit schützender Hand lauert. … weiter »

Das war's. Machen wir zu

Stewart O'Nans wunderbares Buch "Die letzte Nacht" über das Ende eines Restaurants am Jahresende

Es gibt Bücher, auf die man unbedingt noch hinweisen muss, bevor das Jahr zu Ende geht. Solch ein Buch ist Stewart O'Nans Erzählung "Letzte Nacht", zumal in ihr das alte Jahr mit besonderer Unerbittlichkeit zu Ende geht. weiter »

Tödlicher Multikultitraum

Richard Wagners politisch-soziologisches Romanpamphlet gegen das Gutmenschentum

Die authentische Geschichte trug sich vor zehn Jahren in Berlin zu. Im Juni 1997 wurde die Ethnologin Karin Reemtsma, eine Nichte des Sozialwissenschaftlers Jan Philipp Reemtsma, von ihrem Lebensgefährten Asmet S... weiter »

Eine jüdische Kriegs-Odyssee

Hanna Kralls literarische Reportage "Herzkönig" über eine Holocaust-Überlebende

Nachdem Izolda R. ihre schwarzen Haare hatte aschblond färben lassen ("nicht wie andere Judenmädel - gelb wie Stroh") und gelernt hatte, ihre Handtasche nicht wie eine Jüdin abzustellen ("Sie stellt sie aufs Sofa... weiter »

Die Sprache hatte mich als Durchfall erwischt

Das erste Buch ist immer das schwierigste - gestandene Autoren erinnern sich an ihre Anfänge

Das erste Buch ist bekanntlich das schwierigste, das, um das der Autor und die Autorin verbissen kämpfen musste, als er noch ein Nichts war, völlig unbekannt. Es ist das Buch, das für gewöhnlich wenig Aufmerksamkeit erfährt... weiter »

Gefledderte Idyllen

Brigittte Kronauer betreibt in ihren Erzählungen schlaue Zivilisationskritik

Kaum aufgeschlagen, haut Brigitte Kronauer in ihrem neuen Roman "Errötende Mörder" dem Leser das Wort "Pappkameraden" um die Ohren. Der Ausruf Jobst Böhmes wird zum Anruf seiner Zeitgenossen und des Lesers, dem zu folgen, weiter »

Was die Kratze in den Fettkeller trieb

Walter Moers' neuer Zamonien-Roman "Der Schrecksenmeister" erzählt von einem faustischen Pakt

Ist die gebratene Blase der Pinkelmaus die größte Köstlichkeit des Universums? Oder gibt es in der Welt dort draußen noch kulinarische Entdeckungen zu machen, von denen die gemeine Kratze nichts ahnt? Sein ganzes Leben hat das Krätzchen Echo bisher bei ei weiter »

Ohren des Todes

Eine Geistergeschichte aus dem stalinistischen Albanien: Ismail Kadares Roman "Spiritus"

Das Wort, mit dem Ismail Kadares Roman "Spiritus" beginnt, ist auch gleich die erste ironische Freundlichkeit. Es heißt "wir", aber eigentlich meint der 1936 in Albanien geborene Kadare, der 1990 in Frankreich politisches Asyl bekam... weiter »

Schlager aus dem Lager

Lizzie Doron über das Nach- und Fortwirken der Vergangenheit

Mit 54 Jahren glaubt Amalia Ben Ami eigentlich nicht mehr an Wunder und doch gibt sie ihnen die Chance zu geschehen. Was jedoch geschieht, ist nicht der "Anfang von etwas Schönem", sondern der Anfang vom Ende von Amalia... weiter »

Liebe im Kühlhaus

Alexander Gorkows Held taumelt heiter bedröhnt zwischen West- und Osteuropa herum

Als Journalist ist Alexander Gorkow ein Meister großer und kleiner Töne. In seinem zweiten Roman, "Mona", lässt er den Kühltechniker Blum die Geschichte einer Liebe erzählen. Dieser Homo Faber jedoch ist weder... weiter »

Der Atomkrieg, der keiner wurde

Der Historiker Jörg Friedrich ruft in "Yalu" den Koreakonflikt und seine zivilen Opfer ins Gedächtnis

Am Yalu, dem Grenzfluss zwischen China und Korea, entschied sich zwischen 1950 und 1953 das Schicksal der Zivilisation. Der Koreakrieg war der dramatische Höhepunkt jenes Jahrzehnts nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs... weiter »

Ghaddafis Geiseln

Eine bulgarische Krankenschwester berichtet über ihre Haft in Libyen

Eine schöne Endvierzigerin mit rot gefärbten Haaren und in Geschäftskleidung umfasst mit lackierten Fingernägeln Gitterstäbe. Das Foto auf dem Buchdeckel entstand im Gerichtssaal, in dem Kristiana Waltschewa... weiter »

Die Wahrheit ist der zweckmäßigste Irrtum

Hans Vaihingers "Philosophie des Als ob" erscheint in einer Nachauflage

Dabei lohnt eine Wiederentdeckung, die jetzt erleichtert wird, weil ein kleiner Verlag die (leider etwas lieblos erstellte) Reprint-Ausgabe jenes Werkes zur Verfügung stellt, das Vaihinger nur mit Zögern aus der Schublade holte... weiter »

Die Inseln im Meer des Sinnlosen

Zwei grundverschiedene, neue Biografien zum 150. Geburtstag von Joseph Conrad

Die Sehnsucht ist ein Name. "Bangkok, Zauberwort. Mesopotamien war nichts dagegen", schwärmt der junge Charlie Marlow bei seinem ersten Aufbruch zum "äußersten Punkt der Erfahrung". Zu den "Anfängen der Welt, wo noch die Bäume über die Erde herrschen", "z weiter »

Armes schreckliches Afghanistan

Warum der neue Bestseller von Khaled Hosseini mitreißend und informativ und trotzdem nicht gut ist

Hätte Khaled Hosseini sein neues Buch etwas später geschrieben, wäre das Ende vermutlich anders ausgefallen. Denn "Tausend strahlende Sonnen" endet vorsichtig optimistisch, doch Optimismus ist wohl das letzte... weiter »

Die Partitur in der Orgel

Robert Schneider rehabilitiert sich mit einem bissig-witzigen Roman

In seiner Jugend hatte Jakob Kemper noch Ziele. Er wollte großer Komponist, Bach-Dirigent und Orgelvirtuose werden, "nichts weniger." Aber dieser Kemper aus Naumburg an der Saale ist ein geborener Verlierer... weiter »

Die Jagd nach dem erdschwarzen Biest

Der neue Samuel Fischer Gastprofessor aus Island, Sjón, präsentierte im Münzsalon seinen Roman "Schattenfuchs"

Die letzte olympische Goldmedaille im Standdreisprung wurde 1904 vergeben. Damals siegte ein gewisser US-Amerikaner namens Ray Ewry und verschwand daraufhin in der Versenkung der Sportgeschichte... weiter »

Drachenkampf mit dem Vater-Idol

Florian Havemanns tausendseitiger Familienroman "Havemann" mutet dem Leser einiges zu

Klein-Florians Kindheitsraum war die Berliner Stalinallee, genauer: der Strausberger Platz, das Eingangstor zur pompösen sozialistischen Vorzeigestraße, noch inmitten von Wüstungen, die der Krieg hinterlassen hatte... weiter »

Sechzehn Stunden, jeden Tag der Woche

Die Lebensgeschichte einer Illegalen in Deutschland

Vor zwei Jahren erzählte die Deutschtürkin Inci Y. gemeinsam mit dem Journalisten Jochen Faust aus ihrem Leben. Das Buch "Erstickt an euren Lügen" berichtete von einer schrecklichen Kindheit... weiter »

Kein Lammfleisch für Faschisten

Der New Yorker Sam Apple trifft den singenden, kommunistischen Wanderschäfer Hans Breuer

Meine "Österreich-Nummer" nennt der junge New Yorker Journalist Sam Apple seine Recherche über einen kommunistischen Wanderschäfer in den Alpen, der jiddische Volkslieder singt... weiter »

Berlin und die Polarmalerei

Meisterlich schnurz und kurz: neue Erzählungen und Gedichte von Ror Wolf

Gleich zu Beginn soll hier eine vollständige Geschichte von Ror Wolf stehen: "Ein Mann wollte fortgehen und suchte etwas zu diesem Fortgehen Wichtiges und Notwendiges in einem Karton. Er fand es nicht... weiter »

Chronik eines angekündigten Mordes

Bruno Preisendörfer schreibt in seinem neuen Roman "Die Vergeltung" über die Illusion von Gerechtigkeit

Keller hat einen Plan. In seiner Jackentasche steckt eine Waffe, als er am Hauptbahnhof Frankfurt am Main ins Taxi steigt, und er hat bewusst dieses eine Taxi gewählt. Er weiß, wie die Fahrt ablaufen wird... weiter »

Am Ende klatschte auch Kohl

Der amerikanische Historiker Fritz Stern erinnert sich an "Fünf Deutschland und ein Leben"

Zwei Historiker sind am Sonnabend im Jüdischen Museum in Berlin geehrt worden: Helmut Kohl und Fritz Stern. Der Geschichtsstudent Kohl, geboren 1930 in Ludwigshafen, ging in die Politik... weiter »

Der heikle Punkt

Werner Siefers und Hans J. Markowitschs "Tatort Gehirn"

Nicht weniger als eine neurowissenschaftliche Reform unseres Rechtssystems fordern "Focus"-Redakteur Werner Siefer und Hirnforscher Hans J. Markowitsch. Am Ende ihres detailreichen "Tatort Gehirn"... weiter »

Räume werden zu Wänden

Werner Hofmanns große Darstellung über den Maler Edgar Degas und sein Jahrhundert

Wer diese Bilder genau anschaut, der taucht tief ein ins weltstädtische Paris des 19. Jahrhunderts. Dabei sind die Motive beschränkt: Wir sehen die Jockeys auf der Rennbahn, die Ballett-Tänzerinnen auf der Opernbühne... weiter »

Diekmanns Welt

Der Chefredakteur der Bild-Zeitung beklagt den Zustand der Gesellschaft. Die wahren Ursachen benennt er nicht

Vorsicht! Für dieses Buch stelle man sich ein Fläschchen Baldrian in Reichweite. Denn dieses Buch regt auf. Es nervt, um genau zu sein. So wie ein Teenager, der alles um sich herum irgendwie Mist … weiter »

Freizeit gibt es nicht

Hartmut von Hentig erzählt in seinen Memoiren, wie er die ideale Schule errichtete

Mein erster Laborschul-Tag: Ich saß aufgeregt zwischen schrecklich vielen Menschen um eine freie Fläche herum, auf der die "Großen" für uns Neuankömmlinge ein Fest veranstalteten. Ein dünner … weiter »

Ein herumrennendes Tonband mit Augen

Vier Novellen über "Paare" von der großen Kriegs- und Reisereporterin Martha Gellhorn

Sie hat keinen Kriegsschauplatz zwischen Europa und Asien ausgelassen, kein Schlachtfeld vom D-Day über Dachau bis Indochina und Vietnam verpasst. "Desaster Girl" wurde die attraktive und ehrgeizige Journalistin Martha Gellhorn... weiter »

Die heiße Tusse vom Jugendamt

Dimitri Verhulst erinnert sich in "Die Beschissenheit der Dinge" an seine Kindheit

Wieso steht da Roman auf dem Buchumschlag, der ansonsten mit einem Kunstblumenstrauß in einer Bierflasche vor nikotinvergilbten Stores ja recht ehrlich gestaltet wurde? "Die Beschissenheit der Dinge" von dem belgischen Journalisten... weiter »

Der rote verlorene Sohn

Selbstzeugnisse des Theaterkritikers Ernst Schumacher aus den Jahren 1945 und 1991

Für den Brecht-Forscher Ernst Schumacher gehört es seit langem zur Gepflogenheit: Wenn es auf den Silvestertag zugeht, nimmt er sich seinen abgelaufenen Terminkalender vor und hält anhand seiner Notizen Rückschau... weiter »

Sturmtief Attila

Timo Stickler erzählt die Geschichte der Hunnen und ihres jähen Verschwindens

Die Antike kennt zwei große Eroberer. Beide durchzogen mit ihren Heeren plündernd, sengend und mordend große Teile Europas und Asiens, beide waren in ihren Vorstellungen bereits den Zeitgenossen unverständlich... weiter »

Eine Stimme für Putin

Die Journalistin Gabriele Krone-Schmalz sieht Russland in den Medien unfair behandelt

Russlands Präsident, künftiger Ministerpräsident und - wer weiß? - abermaliger Präsident hat im Westen eine schlechte Presse. Das liegt nicht an ihm, findet Gabriele Krone-Schmalz. Es seien vielmehr die Westmedien... weiter »

Das Gerippe des Realen

Überwachung der Berliner Großstadtsinfonie: Ulrich Peltzers atmosphärischer Roman "Teil der Lösung"

Nicht, dass das frühere Niemandsland in Berlins Mitte heute keine Grenzen mehr kennte. Sie sind nur nicht mehr aus Beton und verlaufen nicht mehr zwischen Kapital- und Sozialismus. Die Grenzen von … weiter »