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Ante Z. am Schuh des kroatischen Spielers Dado Prso.
Kniefall im Olympiastadion
Ein kroatischer Fan rannte aufs Fußballfeld - dafür muss er eine Geldstrafe von 140 Euro bezahlen
Lutz Schnedelbach, Andreas Kopietz, Ulrich Paul
Billiger konnte Ante Z. die weltweite Aufmerksamkeit und die Berührung mit seinem Idol nicht haben: Der 20-jährige Kroate wurde gestern zu 140 Euro Geldstrafe verurteilt. Denn am Dienstagabend war es ihm gelungen, in der 86. Minute, beim Spiel Brasilien-Kroatien (1:0) auf das Spielfeld des Olympiastadions zu stürmen. Dort kniete er vor dem kroatischen Spieler Dado Prso nieder, um ihm die Füße zu küssen. Dieser führte ihn vom Feld, wo der junge Mann von Ordnern in Gewahrsam genommen wurde.
Gestern Nachmittag verurteilte ein Bereitschaftsgericht Ante Z. wegen Körperverletzung und Hausfriedensbruchs in einem beschleunigten Verfahren zu einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je sieben Euro. Dann wurde er aus dem Polizeigewahrsam entlassen. "Das Urteil ist rechtskräftig, das Verfahren somit abgeschlossen", sagte Justizsprecher Michael Grunwald. Die Strafe findet er angemessen. "140 Euro sind für Kroaten viel Geld." Ante Z. aus dem kroatischen Split will sich nach eigenen Angaben nicht mehr unter die Fanmeile mischen. Er will nach Hause, weil er kein Geld mehr hat.
Ante Z. ist der erste Flitzer bei dieser WM. Den zweiten gab es gestern beim Spiel Tunesien gegen Saudi-Arabien in München, als kurz vor dem Anpfiff der zweiten Halbzeit ein Anhänger der tunesischen Elf auf den Rasen rannte. Beide erhalten Hausverbot in allen WM-Stadien. Gerd Graus vom Organisationskomitee verwies zudem auf die Möglichkeit, Flitzern für "den entstandenen Aufwand" eine Gebühr von 1 000 Euro in Rechnung stellen.
Unterschiedliche Darstellungen
Fifa-Funktionäre und Polizisten rätseln, wie der Kroate trotz massiver Sicherheitsvorkehrungen auf das Spielfeld gelangen konnte. Sie machten gestern unterschiedliche Angaben. OK-Sprecher Graus sagte, der Fan sei von der Begrenzungsmauer am Unterring über den 1,80 Meter breiten und 2,70 Meter tiefen Reportergraben gesprungen. Nach Darstellung der Polizei ist er jedoch über die Treppe am Marathontor ins Stadioninnere gelangt. Als sich ihm ein Ordner in den Weg stellte, soll der Kroate ihm gegen das Bein getreten haben.
OK-Sprecher Graus räumte gestern ein, dass man sich frage, wie es zu dem Vorfall kommen konnte. "Wir prüfen das gerade", sagte er. In drei weiteren Fällen seien Versuche, das Spielfeld zu stürmen, vereitelt worden. Der WM-Beauftragte des Senats Jürgen Kießling zeigte sich ebenfalls zerknirscht. Der Auftritt des Flitzers trübe den insgesamt guten Eindruck bei der ersten WM-Partie im Olympiastadion. Als Konsequenz daraus müsse der Sicherheitsdienst noch genauer hinschauen. Auch nach Kießlings Angaben ist der 20-jährige Kroate über den Graben gesprungen. Vorher habe er eine Weile auf der Betonbrüstung vor dem Reportergraben gestanden. Künftig sollen die Ordner bereits verhindern, dass Zuschauer die Brüstung besteigen. Dann können sie auch nicht mit einem weiten Satz den Graben überwinden.
In anderen Stadien wurden zur WM besondere Sicherheitsvorkehrungen getroffen, um zu verhindern, dass der Platz gestürmt wird. So sitzen oft in der ersten Reihe vor dem Spielfeld besonders vertrauenswürdige Personen, die ihre Karten zum Beispiel über die Fußballverbände erhalten haben. In Berlin wurde davon abgesehen, weil die Sicherung des Spielfeldes durch den Reportergraben als ausreichend erschien.
Als Ante Z. auf dem Rasen auftauchte, handelten die Ordner im Stadion nach Ansicht der Polizei richtig. Die Sicherheitsleute hatten den Mann nicht auf dem Platz verfolgt und überwältigt, wie es in früheren Flitzer-Fällen oft geschah, sondern freundlich an den Spielfeldrand begleitet.
Die kroatischen Spieler kommentierten den Auftritt des Flitzers, der im Trikot des Nationalspielers Ivan Klasnic auf den Platz gestürmt war, mit Humor. "Ich dachte, nanu, ich bin ja selber noch auf dem Feld", sagte Klasnic, der zuvor ausgewechselt worden war.