- Aktuelle Ausgabe
- Spezial
-
- Anzeigenmarkt
- Service
- Informationen
|
Teil 18
Die neuen Kellerkinder
Luxus funktioniert in dieser Stadt nicht, heißt es. Das Felix im Hotel Adlon beweist jedes Wochenende das Gegenteil
Wiebke Hollersen
Hey, könnt ihr mich mitnehmen, ruft die Stimme. Sie klingt nicht älter als zwanzig und kommt aus einer mit Fell besetzten Kapuze. Unter der sind nur die Wangen des Jungen zu erkennen, sie sind glatt und gerötet. Er läuft auf die Mädchen zu, die ganz vorn stehen. Direkt vor der Tür des Felix.
Sonnabend, kurz vor Mitternacht, der Junge drängelt sich durch das Gitter, das die lange Warteschlange abgrenzt. Er grinst. "Von den Damen hätte ich gern den Ausweis", sagt ein Türsteher. Ein anderer fragt nach den Namen, die Mädchen stehen auf der Gästeliste. Unter einem Baldachin kommt ein großer, gut aussehender Mann hervor. Er heißt Eduard, sein Name wird französisch ausgesprochen wie sein Job im Felix: Selecteur. Er zeigt auf die Kapuze und sagt: "Er nicht." Der Junge sagt, es tue ihm leid. Was, sagt er nicht. Die Mädchen sollen sagen, mit wem sie da sind. Eine deutet dem Jungen hinterher, der wieder hinter dem Gitter steht. Sie zuckt mit den Schultern. Was soll's.
"Wir haben an einem Sonnabend Platz für 1 500 Gäste im Lauf des Abends. Aber etwa 2 000 wollen rein", sagt Daniel Höferlin. Der 34-Jährige ist Clubmanager im Felix. Man kann sagen, dass er derjenige ist, der das Felix erst zum Club gemacht hat. Anfang 2003 war das Felix als Lounge-Restaurant der gehobenen Preisklasse eröffnet worden. Im Palais auf der Rückseite des Hotels Adlon wollte man der Paris Bar oder dem Borchardt Konkurrenz machen. Der Erfolg blieb aus.
Im September 2004 kam Daniel Höferlin, der lange im 90 Grad Partys organisiert hatte. Die Idee war jetzt, Höferlins altem Arbeitgeber Konkurrenz zu machen. Das klappte besser. "Bei der ersten Party hat es gleich geknallt", sagt Höferlin. Natürlich hatte das mit seinen Erfahrungen aus dem 90 Grad zu tun, mit seinen Kontakten. Eduard etwa, der Mann unter dem Baldachin, war Selecteur im 90 Grad, er wechselte mit Höferlin. Im 90 Grad hatte es 2004 erst gebrannt, dann wurde der Club überfallen. Die Gäste suchten nach Alternativen. Es war genau der richtige Moment.
Daniel Höferlin sagt: "Die Zeit war reif für einen hochwertigen Club." Das Felix erfülle den Anspruch, den das 90 Grad hatte. "Alles was man fühlt, hört, sieht, schmeckt, hat beste Qualität." Das sei das Konzept. Die "kosmopolitische Lage" im Keller des bekanntesten Hotels der Stadt gehört dazu. Und dass man um prominente Gäste "keinen Hype macht", also keine Klatschreporter anruft, wenn ein Star kommt. Lieber gibt das Felix hinterher ein paar Namen bekannt. Ben Stiller, Nicolas Cage, Michael Ballack und Robbie Williams waren demnach schon da. Unter anderen.
Sonntagmorgen, ein Uhr, die Tanzfläche wird eröffnet. Das Restaurant wurde nicht aufgegeben, als das Felix zum Club wurde. Jetzt wird zwei Etagen unter der Erde erst um die Tanzfläche herum diniert. Zu den ersten Stücken des DJ tanzen die Restaurant-Gäste noch unter sich, das Club-Publikum sieht von der Balustrade zu. Dann werden die Tische weggeräumt und die Treppe nach unten freigegeben. Zehn Minuten später ist die Tanzfläche voll. Die Partyreihe "Exzessiva" feiert an diesem Abend ihren ersten Geburtstag. Eine "erlebnisorientierte, szeneaffine und zahlungskräftige Zielgruppe" wollen die Veranstalter ansprechen. So steht es in ihrem Konzept. Es scheint ziemlich gut aufzugehen. Die meisten Gäste sind Mitte 20. Die Männer tragen Jeans, aus denen weiße oder schwarze Hemden hängen, und Haargel, die Frauen Jeans, Glitzer-Tops und viel Make-up. Auch Männer um die 50 in Anzügen und Damen in Abendkleidern sind da. Schlichte T-Shirts sind so gut wie gar nicht zu sehen.
In den meisten Clubs in Berlin sehen die Leute anders aus. Eher wie Daniel Höferlin beim Interview-Termin. Der Clubmanager vom Felix trägt Sweatshirt und Dreitagebart. Wenn er vom Berliner Nachtleben spricht, steht immer noch eine Mauer in der Stadt. Es gebe eben eine Ost- und eine West-Szene, sagt er. "Wir sprechen die West-Berliner Szene an." Was der Unterschied ist? Etwa, dass den Gästen im Felix nicht so wichtig ist, wie der DJ heißt. Wichtiger sind wohl Sachen wie die, die Höferlin nebenbei erzählt: "Es gibt keinen Club in Deutschland, der so viel Champagner verkauft wie das Felix." Man habe sogar das P1 in München überholt. In der Einrichtung des Felix, den Ledersitzen und Lichtsäulen, stecken sechs Millionen Euro. Luxus funktioniert auch in Berlin - inzwischen, in Maßen, im Felix.
Wenn man Daniel Höferlin fragt, wo er selbst feiert, wenn er nicht im Felix ist, nennt er das Week-End und die Panoramabar. Ost-Läden, wenn man so will. In der Mitte der Stadt zu liegen, auch was das Publikum betrifft, das wäre sein Ideal.
--------------------------------------------------
Was geht und was nicht:
Hier ist man unter: Leuten mit Kreditkarte. Meist goldener Kreditkarte. Oft Platin-Kreditkarte.
Es läuft: Mal Dance Classics und Disco Hits, mal R'n'B, mal House.
Fühlt sich an wie: Après Berlin.
Preise: Eintritt je nach Programm. Menü ab 39 Euro. Bier 4,50 Euro, Longdrinks ab 8,50 Euro.
Besser nicht: Die Sache mit der Tür persönlich nehmen.
Berliner Zeitung, 9.12.2006
|
|