Berlin sammelt

Yukio King sammelt Laute der Großstadt Berlin Markus Wächter
Wie hört sich eine Großstadt an? Straßenlärm, Kindergeschrei: Yukio King sammelt Laute und zeichnet sie auf.

Sinfonie einer Großstadt

Yukio King archiviert die Töne der Stadt und weckt damit Heimweh bei Ex-Berlinern

Franziska Walser

Zinnsoldaten, Streichholzschachteln, Spinnenbeine: Sammeln kann man fast alles. Überall auf der Welt werden Kollektionen von Brauchbarem und Unbrauchbarem angelegt. Die Berliner Zeitung stellt Sammler und die Objekte ihrer Leidenschaft vor.

"Ich bin ein Berliner" - der Ausspruch von John F. Kennedy steht wie kein anderer für das akustische Erbe der Hauptstadt. Die Töne, um die es dem Berliner Lautsammler Yukio King geht, sind dagegen unauffälliger: Straßenlärm, fernes Kindergeschrei oder das Rumpeln der Hochbahn an der Warschauer Straße. "Tidbits" - auf Deutsch: kleine Leckerbissen - nennt der gebürtige Amerikaner diese Miniaturen.

Die Wahl der Töne scheint beliebig und unspektakulär, ist aber genau durchdacht. Zum Beispiel gibt es eine Aufnahme aus der Baulücke des Wertheim-Grundstücks am Leipziger Platz. "Um das Gelände wurde viel Lärm gemacht wegen des Enteignungsvorwurfs. Mich hat interessiert, wie dieser umstrittene Ort klingt", erklärt er. Das Ergebnis: erstaunlich idyllisch. Die Geräusche der Stadtmitte klingen hier eher wie ein konstantes Meeresrauschen. Dazwischen trillern Vögel.

Das Atmen der Stadt

Genau um solche unerwarteten Hörerlebnisse geht es dem Neuköllner. Er will den Leuten zeigen, dass es sich lohnt, auch mal stehen zu bleiben und der Stadt beim Atmen zuzuhören. Und er will ein Gespür dafür wecken, dass jeder Ort anders klingt und seinen Sound mit der Zeit verändert: "Der Helmholtzplatz klingt heute ganz anders als noch vor zehn Jahren. Früher hörte man das Klirren von Bierflaschen und Hundegebell. Dann wurde das Viertel aufgewertet und heute hört man Kindergeschrei."

Seinen ersten Ton fing Yukio King 2005 ein, damals noch mit einem I-Pod-Aufsatz, der nicht mehr als ein besseres Diktiergerät war. Heute arbeitet er mit der neuesten Technik: einem Originalkopfmikrofon, das Töne so aufnimmt, wie man sie in der Natur hört. Die kleinen Mikrofone sind direkt an den Ohrstöpseln seiner Kopfhörer angebracht und dadurch unauffällig.

"Wenn ich wollte, könnte ich damit in der U-Bahn sitzen und alles aufnehmen, ohne dass es jemand merkt." Das macht King aber nicht - auch wenn so mancher U-Bahn- Dialog es wert wäre. Dem Halbjapaner geht es mehr um Klangbilder, die entstehen, wenn mehrere Menschen an einem Platz versammelt sind.

Die Verbindung von Architektur und Klang beschäftigt Yukio King. Er hat Stadtplanung studiert und ist für den Studiengang "Sound Studies" an der UDK eingeschrieben. Es gehe darum, jedem Kiez seinen eigenen charakteristischen Klang zu geben. Noch kann Yukio King Charlottenburg und Kreuzberg nicht an der Geräuschkulisse unterscheiden. Aber zwischen Berlin und anderen Großstädten kann er Unterschiede heraushören. "Paris ist eng bebaut und klingt viel kompakter als Berlin mit seinen breiten Straßen und den Baulücken. Berlin ist weniger dicht besiedelt und klingt ruhig für eine Metropole."

Der Wiedererkennungseffekt funktioniert auch bei Besuchern der Seite www.berlincast.com, die sich die Töne herunterladen können. Viele Ex-Berliner gestehen King, dass sie beim Hören der Tonschnipsel die Sehnsucht nach ihrer alten Heimat überkommt.

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Der Sammeltipp

Gelbe Tonnen und Papiertonnen sind schnell voll, wenn nicht ein paar einfache Tipps berücksichtigt werden: Umverpackungen gleich im Laden lassen. Flach zusammengefaltet passen mehr Milch- und Safttüten in die Gelbe Tonne und leere Kartons und Schachteln in die Papiertonne. Verpackungen nicht ineinander stapeln, dies erleichtert die saubere Trennung unterschiedlicher Materialien in den Sortieranlagen.

Aluminiumdeckelmöglichst von Kunststoffbechern trennen. Verpackungen müssen nicht abgewaschen aber leer sein. Jede Mithilfe ist wertvoll und richtiges Trennen und Sortieren spart Rohstoffe und Energien.

Sammeln auch Sie etwas aus Leidenschaft? Dann bewerben Sie sich zur Aktion beim TEAM GRÜNER PUNKT, der Berliner Zeitung oder dem Berliner Abendblatt. Die 12 originellsten Sammlungen werden professionell fotografiert und veröffentlicht. Zusätzlich stiftet das TEAM GRÜNER PUNKT 12 x 1000 Euro für einen sozialen Zweck, den die Gewinner selbst bestimmen. Mehr Infos unter www.berlin-sammelt.de oder unter Tel. 56 56 56-152.

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Informationen im Internet unter

www.berlincast.com
http://nysoundmap.org/
http://soundmap.akustikfilm.com/

Berliner Zeitung, 17.04.2007