Berlin Hauptbahnhof

Hauptbahnhof mit Dachverlängerung Grafik: Anja Kühl
Bei einer Dach-Verlängerung würde kein Fahrgast auf dem Bahnsteig bei Regen nass werden.

Hauptbahnhof geht in die Verlängerung

Verkehrsministerium entwickelt zwei Varianten, wie das Dach fertig gebaut werden kann

Ulrich Paul

Bekommt der Hauptbahnhof jetzt doch noch sein 430 Meter langes Glasdach wie ursprünglich geplant? Technisch ist das grundsätzlich möglich, heißt es in einem Bericht des Bundesverkehrsministeriums an den Bundestags-Haushaltsausschuss, der der Berliner Zeitung vorliegt. Von der Statik her könnte das Ost-West-Dach nach Auffassung des Eisenbahnbundesamtes "bis zur vollen ursprünglichen Länge" um 133 Meter "ergänzt werden". Der Bau wäre allerdings wegen des Betriebs auf der Bahntrasse "sehr schwierig und aufwändig".

Zwei Alternativen bieten sich dem Bericht zufolge an: Bei der einen müsste der Betrieb auf der in Ost-West-Richtung verkehrenden Stadtbahntrasse über einen Zeitraum von bis zu einem Jahr eingestellt werden. Bei der anderen Variante könnten die Züge weiter fahren, doch müsste die Dachbaustelle für die Arbeiten eingehaust, also von der Umgebung isoliert werden, damit der Zugverkehr nicht gefährdet wird.

Bahnchef Hartmut Mehdorn hatte im Jahr 2001 mit seinen Vorstandskollegen entschieden, dass das Bahnhofsdach nur verkürzt gebaut wird, um den Hauptbahnhof noch vor der Fußball-WM 2006 eröffnen zu können. Die Scheiben für das Dach wurden allerdings schon produziert. Sie lagern heute im Stadtbahnviadukt in der Nähe des Ostbahnhofs.

Der Präsident der Berliner Architektenkammer, Klaus Meier-Hartmann, setzt sich für die Verlängerung des Daches ein. "Ich würde empfehlen, den Bahnhof in Größe und Form zu vervollständigen", sagte er am Freitag der Berliner Zeitung. Das verlange der "Respekt vor der gestalterischen Qualität des Entwurfs". Für die geplanten neuen Wohnungen am benachbarten Humboldthafen würde die Verlängerung des Daches zugleich ein guter Schallschutz sein, sagte Meier-Hartmann. "Ich hoffe, dass sich Herr Mehdorn überzeugen lässt, die noch fehlenden Meter zu ergänzen." Die Reichstagskuppel sei schließlich auch nicht nur fünf Meter hoch gebaut worden.

Die Bahn will von einer Dachverlängerung derzeit jedoch nichts wissen. "Wir werden das Dach nicht verlängern", sagte ein Bahnsprecher am Freitag. Berechnungen über die Kosten einer Verlängerung gebe es nicht.

Der Bau des verkürzten Daches kostete nach Angaben aus Bahnkreisen rund 64 Millionen Euro. Das ist mehr, als ursprünglich mit rund 37 Millionen Euro für die lange Version kalkuliert worden war. Die Langversion wäre aber am Ende nicht billiger, sondern noch teurer geworden, erklärte die Bahn am Freitag. Durch Kostensteigerungen war die Summe für die Langversion zwischenzeitlich auf rund 74 Millionen Euro geklettert. Technische Schwierigkeiten, Planungsänderungen sowie die "Beschleunigung der Montage" trieben die Kosten laut dem Bericht hoch. Die Gesamtkosten für den Bahnhof sollen eine Milliarde Euro betragen haben, 300 Millionen Euro mehr als geplant.

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Zu kurz geraten

Die Bahn hat das Glasdach des Hauptbahnhofs über dem Bahnsteig auf der Ost-West-Trasse um insgesamt rund 133 Meter verkürzt: Im westlichen Teil wurde es um rund 97 Meter gestutzt, im östlichen um etwa 36 Meter.

Das Dach über dem Nord-Süd-Tunnel wurde hingegen in der kompletten Länge von rund 160 Metern gebaut.

Berliner Zeitung, 13. Januar 2007