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Essenausgabe im Jugendzentrum Arche
Jedes dritte Kind ist arm
Familien mit nur einem Elternteil sind besonders häufig in Not / Senatorin: mehr Geld für Hartz IV
Marlies Emmerich
In Berlin wachsen immer mehr Kinder in Armut auf: Fast 175 000 Kinder und Jugendliche sind von Hartz-IV-Leistungen abhängig, das sind fast 10 000 mehr als noch vor zwei Jahren. Damals lebten 166 000 Berliner unter 18 Jahren in Familien, die Leistungen nach dem neu eingeführten Hartz-IV-Gesetz bekamen. Ende 2004 erhielten 96 000 Minderjährige über ihre Familien die damaligen Sozialhilfe - kurz vor Umstellung auf Hartz IV.
Die soziale Situation junger Leute hat sich in den vergangenen zwei Jahren auch trotz Rückgangs der Arbeitslosigkeit weiter verschlechtert. Rund 75 000 von ihnen, etwa 43 Prozent, leben bei Alleinerziehenden. Diese Zahlen hat gestern Arbeitsstaatssekretärin Petra Leuschner auf eine parlamentarische Anfrage der Linken bekannt gegeben. Die neuen Zahlen belegen, dass jeder dritte Minderjährige staatliche Leistungen beziehen muss. In Berlin wohnen nach Angaben des Statistischen Landesamtes rund eine halbe Million Menschen unter 18 Jahren.
Die meisten Minderjährigen, deren Eltern Arbeitslosengeld II beziehen, wohnen in den drei Innenstadtbezirken. In Mitte sind 26 192 Minderjährige von Hartz IV abhängig, in Neukölln 25 722. Danach folgt Friedrichshain-Kreuzberg mit 19 221 Betroffenen.
Unter der Armut leiden der Statistik zufolge vor allem die Kleinsten. Mehr als 89 000 Kinder bis zu sieben Jahren sind auf die staatlichen Leistungen angewiesen. Bei den 14- bis 18-Jährigen sind es mit rund 33 000 knapp ein Fünftel. Der Anteil der ausländischen Kinder und Jugendlichen liegt offiziell bei insgesamt zwanzig Prozent. Allerdings unterstrich die Staatssekretärin, dass diese Angaben ungenau sein könnten. Unberücksichtigt blieben dabei alle diejenigen mit doppelter Staatsangehörigkeit und diejenigen jungen Migranten, die schon einen deutschen Pass besitzen. Die Quote junger Zuwanderer würde anderenfalls dann nach Schätzungen von Sozialexperten deutlich steigen - bis auf das Doppelte.
"Das sind erschreckende Zahlen und es wird viel zu wenig über die Ursachen von Kinderarmut geredet. Sie ist eine Folge der zunehmenden Verarmung in unserer Gesellschaft", sagte Arbeitssenatorin Heidi Knake-Werner (Linke) der Berliner Zeitung. Arm würden Menschen, wenn sie aus prekärer Beschäftigung zu wenig Geld nach Hause bringen und wenn man ihnen einen gesetzlichen Mindestlohn verweigere. "Wir brauchen endlich einen höheren Regelsatz für Kinder, der sich an ihrem wirklichen Bedarf orientiert, um die größte Not zu lindern."
Seit der Einführung des Arbeitslosengeldes II spielt die alte Unterstützung in Form der Sozialhilfe so gut wie keine Rolle mehr. 1 150 Minderjährige erhalten noch diese Leistungen. 175 von ihnen stammen aus Migrantenfamilien.
Wie die Staatssekretärin sagte, setzt sich der Senat zusammen mit Bremen auf Bundesebene dafür ein, die Regelleistungen für Kinder neu festzulegen. Petra Leuschner verwies außerdem auf einen einstimmigen Beschluss der Arbeits- und Sozialministerkonferenz von Ende 2007. Danach soll geprüft werden, in welchen Bereichen Sachleistungen eher als Geld eine größere Chancengleichheit garantieren. Vor wenigen Wochen habe sich der Bundesrat dem Entschließungsantrag der Konferenz angeschlossen. Der Bundesrat forderte die Bundesregierung auf, die Regelleistungen für Kinder "unverzüglich" neu zu bemessen. Laut Petra Leuschner geht es unter anderem darum, besondere Lernmittel zu berücksichtigen und um die Mittagsverpflegung an Ganztagsschulen. Die Bundesregierung will bis Ende dieses Jahres darüber beraten und entscheiden, heißt es.
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Vor allem in der Innenstadt
Konzentration in der Innenstadt: Von 175 574 Minderjährigen, die von Hartz IV leben, wohnt etwa jeder Dritte in den großen Innenstadtbezirken Neukölln, Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg (siehe nebenstehende Grafik). Fast die Hälfte aller Betroffenen ist bis zu sieben Jahre alt. Ein weiteres Drittel ist bis zu 13 Jahre alt.
Beispiel Neukölln: Im Bezirk sind 12 944 Kinder bis zu sieben Jahre von Hartz IV abhängig. Fast 8 000 weitere Kinder bis 13 Jahren, kommen aus Hartz-IV-Familien. Unter den Jugendlichen bis zu 18 Jahren sind es rund 5 000.
Vergleich: Von 222 643 Kindern im Alter bis zu sieben Jahren sind rund 90 000 von staatlichen Leistungen abhängig. Von den Älteren zwischen acht und bis 14 Jahren - insgesamt 154 455 - müssen 53 507 von Hartz IV leben.