Politik

Schwere Datenpanne bei SchülerVZ

Die Einstiegsseite von SchülerVZ. "Cyber-Kriminelle spähen zunehmend Daten aus", sagte Bernhard Rohleder vom Verband Bitkom. Foto: ddp
Die Einstiegsseite von SchülerVZ. "Cyber-Kriminelle spähen zunehmend Daten aus", sagte Bernhard Rohleder vom Verband Bitkom.

Krimineller verteilt Millionen von Informationen über jugendliche Webnutzer / Datenschützer Schaar mahnt Eltern und Kinder zu mehr Vorsicht / Telekom lädt zu Sicherheitsgipfel

von Sigrid Averesch und Sebastian Wolff

Berlin - Zehntausende jugendliche Nutzer des Online-Forums SchülerVZ sind Opfer eines großangelegten Datenmissbrauchs geworden. Zwei Hacker hätten illegal Daten kopiert und diese weiterverbreitet, räumte ein Sprecher von VZ-Netzwerke gestern ein. Wer die Daten erhalten habe, sei unklar. Dem Internetforum netzpolitik.org wurden nach eigenen Angaben mehr als eine Million Datensätze von SchülzerVZ-Nutzern zugespielt.

Ein identifizierter Täter habe die Daten in einem passwortgeschützten Internetforum bereit- gestellt. 17 Nutzer hätten sie heruntergeladen. Mindestens ein zweiter Hacker habe auch die Sicherheitsschranken überwunden, so die VZ-Betreiber.

Bei den weitergereichten Daten handele es sich um Namen, Alter, Geschlecht und die besuchte Schule sowie um Porträtfotos der Betroffenen " Informationen, die allen Mitgliedern von SchülerVZ zugänglich seien. Adressen, Telefonnummern oder Passwörter seien nicht betroffen. Man habe den Zugriff inzwischen eingeschränkt, hieß es. SchülerVZ und die Schwesterportale StudiVZ und MeinVZ sind mit 15 Millionen Nutzern deutscher Marktführer bei sozialen Online-Netzwerken.

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar warnte davor, persönliche Daten ins Netz zu stellen. "Der Fall zeigt, dass man sich überlegen muss, wo man Daten preisgibt, speziell im Internet", sagte er der Berliner Zeitung. "Daten, die im Internet stehen und von einer großen Zahl von Menschen genutzt werden, können nur schwer gegen Missbrauch geschützt werden."

Besorgt reagierte auch der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und Neue Medien (Bitkom). "Beim Datenschutz von Kindern und Jugendlichen in Online-Netzwerken muss ein Höchstmaß an Sicherheit gewährleistet sein. Das muss allerhöchste Priorität genießen", sagte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder dieser Zeitung. Glücklicherweise gehe es in diesem Fall nicht um sensible Daten wie Kontonummern. Doch zeige der Fall, wie wichtig es sei, "dass Eltern genau darauf achten, was ihre Kinder in Online-Netzwerken tun".

In Deutschland häufen sich Fälle von Datenmissbrauch. Vorige Woche war bekannt geworden, dass Kundendaten des Finanzkonzerns AWD in Umlauf sind. Gestern räumte AWD ein, dass Abrechnungen von etwa 1 500 Handelsvertretern des Konzerns ins Internet gestellt wurden. Bei der Telekom wurden im Vorjahr Millionen Handynummern publik. Die Telekom will die Probleme mit gestohlenen Kundendaten nun mit der gesamten Branche lösen. Der Konzern will die Chefs aller großen Kommunikationsunternehmen zu einem Gipfeltreffen einladen.

Berliner Zeitung, 19.10.2009