Kundus/Berlin - Bei einem Selbstmordanschlag auf einen Bundeswehrkonvoi im Norden Afghanistans sind gestern zwei deutsche Soldaten und fünf afghanische Kinder getötet worden. Das erklärte der Gouverneur der Provinz Kundus, Mohammad Omar. Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung, der seinen Urlaub unterbrach, bestätigte am Abend in Berlin diese Angaben. Er äußerte große Betroffenheit über den „feigen und hinterhältigen“ Selbstmordanschlag. Er mache die brutale und menschenverachtende Einstellung der Taliban deutlich, die sich dazu bekannt hätten. Der Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr werde dennoch entschlossen fortgesetzt, betonte er. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte, „gemeinsam mit den afghanischen Behörden werden wir alles daran setzen, die Hintergründe aufzudecken und die Hintermänner zur Verantwortung zu ziehen.“
Gouverneur Omar erklärte, zu dem Anschlag sei es im Distrikt Char Dara nahe Kundus-Stadt gekommen. Neben dem Konvoi der Bundeswehr habe sich ein Attentäter auf einem Fahrrad in die Luft gesprengt. Die beiden getöteten Soldaten gehörten dem Fallschirmjägerbataillon 263 aus Zweibrücken an. Die Zahl der in Afghanistan getöteten deutschen Isaf-Soldaten stieg mit den jüngsten Opfern auf 30. Die Bundeswehr agiert seit dem Jahr 2002 am Hindukusch. Insgesamt hat dort die Gewalt in diesem Jahr massiv zugenommen: Zu keinem Zeitpunkt seit dem Sturz der Taliban Ende 2001 gab es dort nach Uno-Angaben so viele Angriffe und Anschläge.
Der Norden des Landes, in dem das Haupteinsatzgebiet der Bundeswehr liegt, gilt dennoch weiterhin als relativ ruhig, während es im Süden und Osten heftige Kämpfe mit den Taliban gibt. Nach UN-Angaben sind die Islamisten mittlerweile aber auch außerhalb ihrer Hochburgen auf dem Vormarsch und haben die Provinzen um die Hauptstadt Kabul erreicht.
Derzeit sind in Afghanistan rund 3 300 deutsche Soldaten im Einsatz. Vergangene Woche hatte der Bundestag das Mandat verlängert und dessen Obergrenze um 1 000 auf 4 500 Soldaten erhöht. Wegen des Gewaltanstiegs sind zuletzt immer häufiger Zweifel laut geworden, ob der Westen den Krieg gegen die Taliban überhaupt gewinnen kann. In Deutschland spricht sich seit Langem eine Mehrheit der Bevölkerung gegen den Einsatz aus.
In Kabul erschossen zwei Taliban-Attentäter eine britische Mitarbeiterin einer Hilfsorganisation. Die Frau habe christliche Propaganda betrieben, begründete ein Sprecher der Islamisten die Tat. Die Getötete hatte für eine christliche Organisation gearbeitet, die sich um kommunale Entwicklungsprojekte kümmert.