Ost- und West-Berlin sind an diesem Wochenende wieder getrennt, zumindest zwischen Potsdamer Platz, Brandenburger Tor und Reichstag ist kein Durchkommen mehr, hier wurde entlang des ehemaligen Mauerverlaufs die Mauer auf 1,5 Kilometern wieder aufgebaut: Rund tausend bunt bemalte, zweieinhalb Meter hohe Styroporsteine versperren den Weg.
Anders als vor der Wende ist das Flanieren entlang der Mauer aber auf beiden Seiten möglich, man kann sich die Steine, die von mehreren tausend Jugendlichen bundesweit gestaltet wurden, ansehen. Am Montagabend, beim Fest der Freiheit, soll die Grenze dann fallen, ein Stein nach dem anderen. Die Initiatoren hoffen, dass es vorher keinen Sturm gibt – die Steine bleiben nach ihren Berechnungen nur bis zu Windstärke 6 stabil, danach dürfte es kritisch werden.
Die meisten der Dominosteine wurden von 15 000 Schülern und Auszubildenden in den vergangenen Monaten beklebt und bemalt, allein in Berlin waren 500 Schulklassen damit beschäftigt, Steine zu gestalten. „Gerade die Generation, die den Mauerfall nicht bewusst miterlebt hat, sollte sich durch die Aktion damit auseinandersetzen“, sagt Moritz van Dülmen, Geschäftsführer der Kulturprojekte Berlin GmbH und Organisator des Festes der Freiheit. Die Idee fand auch das Goethe-Institut gut, sie schickte seit Anfang des Jahres 30 Steine auf eine Reise um die Welt. So wurden einige der Mauerelemente im Jemen, in Zypern, in Mexiko, in China und in den Palästinensergebieten bemalt, in Ländern, in denen heute noch Mauern stehen. Sogar Nelson Mandela gestaltete zusammen mit seinen Enkelkindern ein Segment.
Den Styropormauerfall am Montag ab 20 Uhr werden etliche Staatsgäste miterleben: Aus Russland kommt Dimitri Medwedew, aus den USA Hillary Clinton, sämtliche EU-Staaten außer Zypern sind vertreten. Das Festprogramm am Brandenburger Tor soll von Thomas Gottschalk, Guido Knopp und Klaas Heufer-Umlauf von MTV moderiert werden, Zeitzeugen und Vertreter der DDR-Opposition wie Marianne Birthler, Hans-Dietrich Genscher, Michael Gorbatschow und Lech Walesa kommen zu Wort, ebenso Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus aus Bangladesh.
Das Fest wird eröffnet mit einem Konzert der Staatskapelle sowie der Staatsopernchor unter Leitung von Daniel Barenboim, fünf Opernsänger von Adoro interpretieren den Titel „Freiheit“, als internationaler Act wurde Bon Jovi engagiert, dann gibt es noch Trommelrhythmen von Stamping Feet und DJ Paul van Dyk führt seine für diesen Anlass produzierte Hymne „We are one“ auf.
Das Vorprogramm beginnt um 17 Uhr, ab 19 Uhr findet das eigentliche Fest statt. Bereits ab 12 Uhr werden auf dem ehemaligen Grenzverlauf entlang der Ebertstraße acht Engel mit bis zu vier Meter großen Flügeln jeweils für eine Stunde in der Luft schweben, um an acht Berliner zu erinnern, deren Schicksal von der Mauer bestimmt war, die ihren Fall aber nicht mehr erlebten.
Alle Termine zum 9. 11. unter:
www.mauerfall09.de
Das Programm:
15 Uhr, Bösebrücke: Angela Merkel überquert mit Lech Walesa und
Michael Gorbatschow sowie Zeitzeugen die Brücke. Wer zuschauen will sollte früh kommen und sich auf der Nordseite aufstellen. Ausweis nicht vergessen.
19 Uhr, Pariser Platz: Open-Air-Konzert der Staatskapelle Berlin, unter Leitung von Daniel Barenboim.
19.25 Uhr, Brandenburger Tor: Staats- und Regierungschefs gehen durchs Tor, es folgen Grußbotschaften, u.a. von Dimitri Medwedew, Hillary Clinton und
Gordon Brown.
20 Uhr, Reichstag:
Lech Walesa stößt die ersten Dominosteine an. Am Brandenburger Tor reden Michael Gorbatschow und Hans-Dietrich Genscher. Bon Jovi spielt einen Song.
20.25 Uhr, Potsdamer Platz: Schüler stoßen mit EU-Parlamentspräsident Jerzy Buzek und Kommissionspräsident José Manuel Barroso die Dominosteine an.
20.40 Uhr, Platz des 18. März: Paul von Dyks Hymne „We are one“ wird uraufgeführt, die letzten Steine fallen, es gibt ein Feuerwerk.
Besucher müssen sich für eine Seite des Tors entscheiden, es kann nicht durchquert werden. Bildschirme zeigen das Geschehen, das ZDF überträgt live.