Die Königin der Nacht haust in den Schächten der U-Bahn, stürmt die BVG-Durchsagezentrale und erschießt dort eine Mitarbeiterin, bevor sie dann unter einen außerplanmäßig auf den heranrasenden ICE gerät. Prinz Tamino trifft im Bahnhof Papageno, einen Schnorrer, der den Müll durchwühlt. Verkörpert wird er von einem Rocksänger, dem früheren Selig-Frontmann Jan Plewka. Und die drei Dienerinnen der Königin der Nacht kommen im Domina-Outfit mit Peitschen daher.
Auch wenn das Stück "Die Zauberflöte in der U-Bahn" heißt, außer den Namen erinnert erstmal wenig an Mozarts bekannteste Oper. Die will Regisseur und Dirigent Christoph Hagel ab 26. April im ansonsten nicht zugänglichen U-Bahnhof Bundestag aufführen. Das Orchester, die Berliner Symphoniker, sitzt auf dem seit 2006 fertig gestellten Bahnsteig der U 55, die Solisten singen zwischen Fahrkartenautomat, Sitzbänken und Schildern sowie auf den Gleisen. Auf einem zweiten Gleisbett wurde eine Tribüne mit 700 Plätzen aufgebaut.
Hagel hat bereits mehrere Mozart-Opern an ungewöhnlichen Orten inszeniert, die Zauberflöte führte er vor zehn Jahren im Circus Roncalli auf, Don Giovanni zeigte er im E-Werk und Apollo & Hyacinth im Bode-Museum. Sein Anspruch sei, die Märchenwelt Mozarts mit der urbanen Welt Berlins zusammen zu bringen und ein Projekt für die ganze Stadt zu machen. Mozarts Musik habe er nicht angetastet, und die Hälfte der Texte stamme aus dem Original von Schikaneder. Die andere Hälfte habe er selbst geschrieben. Um die Stadt in die Oper zu bringen, treten vier Skater auf, Mozarts drei Knaben werden von Schülern des musikbetonten Händel-Gymnasiums gespielt, und auch eine U-Bahn wird auftauchen. Allerdings kein echte, sondern aus Sicherheitsgründen nur eine Attrappe. Nicht echt sind auch die Graffiti, die die Waschbeton-Wände des Bahnhofs zieren werden - sie sind Teil einer digitalen Videoprojektion.
Bis zum 25. Mai soll die U-Bahn-Oper laufen - ein etwaiger BVG-Streik werde die Aufführungen nicht gefährden, sagte BVG-Chef Andreas Sturmowski, denn die benötigten Mitarbeiter seien per Notdienstvereinbarung zum Dienst verpflichtet. Danach wird der Bahnhof, in dem schon Veranstaltungen wie ein Streetball-Turnier und ein Gokart-Rennen stattfanden, nicht mehr zur Verfügung stehen. Dann fahren dort die Baufahrzeuge für den Ausbau des Bahnhofs Brandenburger Tor durch.
Karten ab 34 Euro im Kundencenter des Berliner Verlags, Karl-Liebknecht-Str. 29 in Mitte, Tel. 01805/23 27 00.