Berlin

Geld zurück oder Klage

Eines von vielen: Auch das Berliner Projekt - ein 170 Meter hohes Aussichtsrad an der Hertzallee am Bahnhof Zoo - ist bedroht. Foto: Great Wheel
Eines von vielen: Auch das Berliner Projekt - ein 170 Meter hohes Aussichtsrad an der Hertzallee am Bahnhof Zoo - ist bedroht.

Riesenrad-Pleite in Peking / Projekt in Berlin bedroht?

von Birgitt Eltzel

Übers Wochenende haben sich bei der Münchner Kanzlei Mattil etwa 80 verunsicherte Anleger des Riesenrad-Fonds Global View per E-Mail gemeldet. Wer dort 2006 investierte, wollte von Projekten in Peking, Berlin und Orlando profitieren. Doch den Anlegern wurde am Freitag von der Fondsgeschäftsleitung mitgeteilt, dass eines der Projekte inzwischen im Insolvenzverfahren ist: Das Riesenrad in China, das schon 2008 eröffnen sollte.

Was heißt das für das Berliner Aussichtsrad, das mit einer Höhe von 175 Metern am Bahnhof Zoo gebaut werden soll? Zwar gibt es an der Hertzallee längst ein Grundstück dafür, doch noch immer ist kein Geld für den Bau da. Nach Ansicht der Rechtsanwältin Katja Fohrer von der Kanzlei Mattil ist auch das Berliner Projekt unsicher. Denn die 200 Fonds-Millionen sind schon verbraucht. Dabei steht in Peking nur das Fundament, in Berlin wurde erst das Grundstück gekauft - und in Orlando ist noch gar nichts geschehen. Fohrer vertritt inzwischen rund 100 Anleger, die auf Schadensersatz gegen die Banken klagen wollen, die den Fonds vertrieben haben. "Die Kunden wurden nicht genügend auf die Risiken hingewiesen", sagt sie. Man erwäge ebenfalls, Strafanzeige zu stellen.

Christian Harreiner, Geschäftsführer der Fondsinitiatoren DBM Fonds Invest GmbH, gibt sich optimistisch, trotz aller Probleme. "Wir konzentrieren uns jetzt besonders auf Berlin." Harreiner spricht davon, dass noch 2010 endlich Baubeginn für das Great Berlin Wheel sein soll. Man habe im Dezember mit neuen potenziellem Generalunternehmen verhandelt und die Baupreise "deutlich reduzieren können". Im März seien Folgegespräche mit den aussichtsreichsten Kandidaten vorgesehen. Inzwischen werde wieder mit einer Investitionssumme von "unter 120 Millionen Euro" gerechnet. Parallel dazu verliefen Verhandlungen mit Banken über eine Fremdfinanzierung. Laut Harreiner könnte es Änderungen an der Gestaltung des Aussichtsrades geben, "aber nichts Spektakuläres".

Die Stadtentwicklungsverwaltung reagiert verhalten. "Der Investor hat uns immer gesagt, er schafft das", sagt Sprecherin Petra Rohland. Komme das Riesenrad nicht, gebe es keinen Schaden. Berlin hat das Grundstück, auf dem der alte Wirtschaftshof des Zoologischen Gartens weichen musste, für 25 Millionen Euro verkauft. Dafür bekam der Zoo ein modernes Wirtschaftsgebäude. Zurücknehmen muss die Stadt das inzwischen von Kriegsmunition beräumte Areal nicht.

Berliner Zeitung, 09.02.2010