Berlin

Gesucht: Die grüne Idylle

Platz zum Fußballspielen, Wege zum Spazierengehen – das wünschen sich die Anwohner. Simulation: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
Platz zum Fußballspielen, Wege zum Spazierengehen – das wünschen sich die Anwohner.

Was sich die Berliner auf dem Areal des ehemaligen Flughafens Tempelhof wünschen

von Ulrich Paul

Berlin - Die Pläne des Senats für eine Parklandschaft auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof kommen gut an. Mehr als 80 Prozent der Bürger begrüßen die Idee. Sie wünschen sich dort vor allem einen Platz für Ruhe und Erholung, aber auch für sportliche Aktivitäten und Treffen mit Freunden und Familien. Das ist das Ergebnis der Bürgerbefragung, die in den Wettbewerb zur Gestaltung der Parklandschaft einfließen soll. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher sagte gestern bei der Vorstellung der Ergebnisse: „Ich denke, wir haben das Ziel erreicht und wissen, was die Bürger wollen.“ Im Februar kommenden Jahres soll der Wettbewerb für die Gestaltung der 250 Hektar großen Parklandschaft auf dem Tempelhofer Feld beginnen. Eine Fläche, die größer als der Große Tiergarten ist. Im Laufe des Wettbewerbs sollen die Bürger dann noch einmal nach ihrer Meinung befragt werden – im Frühsommer 2010, wenn die ersten Entwürfe vorliegen.

Bei der Bürgerbefragung wurden rund 6 000 Fragebögen an die Anwohner des Airports verschickt. Die Angeschriebenen waren aus einer Gruppe von rund 145 000 Anwohnern im Umkreis von 1,5 Kilometern um den Flughafen nach dem Zufallsprinzip ausgewählt worden. Weitere 1 000 Fragebögen waren an Bürger im übrigen Berlin verschickt worden. Der Rücklauf sei ungewöhnlich gut gewesen, sagte Lüscher. Knapp 25 Prozent der angeschriebenen Anwohner und zirka 30 Prozent der übrigen Berliner hätten reagiert. Normalerweise würden sich deutlich weniger Bürger beteiligen. Dies zeige, wie sehr die Berliner an der Gestaltung des Flughafens Tempelhof interessiert seien. Bei einer weiteren Veranstaltung zur Bürgerbeteiligung wurden Anfang Oktober im Hangar 1 des Airports 1 319 Fragebögen abgegeben.

„Über allem steht der Wunsch nach Sauberkeit“, sagte Lüscher. Für 86 Prozent der Befragten ist dies wichtig. Eine Mehrheit von 64 Prozent spreche sich dafür aus, den Zaun um das Gelände stehen zu lassen. Gefragt sind überdies Plätze zum Grillen, Bewegungsflächen für Kinder und Jugendliche, Möglichkeiten zur Naturbeobachtung, Areale zum Selbergärtnern und abgegrenzte Hundeauslaufgebiete. Konkret wünschen sich die Bürger beispielsweise Flächen zum Inline-Skaten, einen Badesee, ein Freiluftkino und einen Hügel zum Schlittenfahren. Mit einem Anteil von 84 Prozent verlangt die übergroße Mehrheit, dass die künftige Parklandschaft an die Geschichte des Airports erinnert. Was ein Park in jeden Fall haben müsse, so Lüscher, seien Bänke, große Bäume, viel Rasen – und Toiletten.

Das gesamte Material der Bürgerbefragung wird den Teilnehmern des Wettbewerbs für die Parklandschaft zur Verfügung gestellt. Nach dem Abschluss des Wettbewerbs soll im Jahr 2012 mit der Gestaltung der Parklandschaft begonnen werden. Das Gebiet der Internationalen Gartenbauausstellung (IGA) 2017 wird nur einen etwa 100 Hektar großen Teil des Parks einnehmen. Bis zum Jahr 2017 werde die Parklandschaft bereits in großen Teilen fertig sein, sagte Lüscher. Im Jahr 2020 werde sie schließlich komplett sein.

In einem ersten Schritt hat der Senat einen Teil des Flughafens Tempelhof mit sogenannten Softballfeldern im Oktober dieses Jahres für eine öffentliche Nutzung durch einen Sportverein freigegeben. Ab Mai kommenden Jahres soll das Tempelhofer Feld täglich von morgens bis abends für alle Bürger offen stehen – kostenlos. An fünf Eingängen wird es dann zu betreten sein. Zwei befinden sich auf der Seite zur Oderstraße in Neukölln, zwei auf der Seite des Tempelhofer Damms, einer am Columbiadamm.

Die Senatsbaudirektorin sagte, mit der Öffnung des Areals im Mai könne auch mit dem Bau eines Jugendspielplatzes begonnen werden. Eine Gruppe von Jugendlichen um einen Sozialarbeiter wolle auf der Seite zur Oderstraße einen solchen Spielplatz bauen. Wie teuer er wird, ist noch offen.

Berliner Zeitung, 19.11.2009