Seelow - Der Biber baut sich seine Welt so, wie er will. Das streng geschützte Tier ist äußerst scheu – und weil er nicht gestört werden will, gräbt er sich am Bachufer eine unterirdische Burg mit einem Eingang unter Wasser. Dafür fällt der Nager mit seinen scharfen Zähnen auch Bäume, baut im Bach einen Damm und staut sich einen kleinen See an. Biologen sind vom Biber fasziniert – denn es ist das einzige Tier, das die Natur so extrem nach seinem Willen umgestaltet.
Bei Bauern hält sich die Faszination eher in Grenzen. Denn die von Bibern geschaffenen Seen überfluten oft ganze Felder. Landwirte fordern jetzt, Biber zum Abschuss freizugeben. Vor allem im Oderbruch werden solche Forderungen laut. Das ehemalige Sumpfgebiet in Märkisch-Oderland ist heute von 1 400 Kilometer Wassergräben durchzogen. Mehr als 60 Biberbaue und etwa 300 Tiere sind dort erfasst. „Es sind so viele, dass die scheuen Tiere nicht mehr nur in der Natur ihre Höhlen bauen“, sagt Bibermanagerin Anja Reetz. So hat sich eine Biberfamilie an einem Teich mitten im Ort Falkenberg angesiedelt.
„Die Schäden sind enorm“, sagt Hendrik Wendorff vom Kreisbauernverband. Wenn ein Landwirt vom Biber betroffen sei, kommt er schnell auf eine jährliche Schadenssumme im fünfstelligen Bereich. Ein Gutachten beziffert den Biber-Schaden an forstwirtschaftlichen Gehölzen in Falkenberg auf 80 000 Euro. „Wir stellen den Abschuss nicht an erste Stelle“, sagt Wendorff. „Aber es muss ermittelt werden, wie viele Biber wir uns leisten können – ohne die Art zu gefährden und ohne die Landwirtschaft massiv zu schädigen.“ Inzwischen hat sich der Landwirtschaftsausschuss des Kreistages mit der Abschussforderung beschäftigt. Nun soll der Kreistag beraten, ob in Einzelfällen wie in Bayern eine Abschussquote möglich und nötig ist.
„Dass der Biber bei uns zu einem Problem geworden ist, liegt einfach an den natürlichen Bedingungen“, sagt Martin Porath, Geschäftsführer des Gewässer- und Deichverbandes. „Denn das Oderbruch ist mit keinem anderen Landstrich vergleichbar.“ Das 14 000 Hektar große Areal wird nur durch die Deiche geschützt sowie durch Entwässerungsgräben und Dauerschöpfwerke trocken gehalten. Zudem ist das Land fast ohne Gefälle. „Staut ein Biber einen See an, wirkt sich das noch Kilometer weiter aus.“ Dazu kommt, dass die Biber auch die Oderdeiche gefährden. „Die Biber graben in den Deichfuß Röhren, die zwei bis fünf Meter lang sind“, sagt Bibermanagerin Retz. Bei Hochwasser können die voll Wasser laufen und den Deich im Extremfall brechen lassen. Gitter sollen verhindern, dass sich die Tiere zu tief in den Deich graben. „Doch das wird teuer“, sagt Reetz. Sie hat gerade Gitter für 1,3 Kilometer bestellt – Kosten: 120 000 Euro. „Wir haben hier 77 Kilometer Deiche.“ Eine Abschussgenehmigung hält der Präsident des Landesumweltamtes, Matthias Freude, für schwierig. „Der Biber ist europarechtlich geschützt, da wäre nur mit einer sehr guten Begründung etwas zu machen.“ Etwa der existenziellen Bedrohung von Landwirten. Aber nur jede zehnte Biberansiedlung im Land werde durch Schäden auffällig. „Trotzdem hat der Biber für uns keinen Heiligenschein.“ Der Abriss der Biber-Staudämme nütze nicht viel, da die Tiere ihn in wenigen Tagen wieder aufbauen. Drainagen könnten aber dafür sorgen, dass das Wasser weiter ablaufen kann.
Freude sagt, der Abschuss oder das Einfangen von Bibern bringe ohnehin nicht viel. „In Sachsen-Anhalt wurden mal 500 Biber gefangen, nach knapp drei Monaten waren alle Reviere wieder besetzt.“
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Begehrtes Fell
Verbreitet: Knapp 2 200 der weltweit 6 000 Elbbiber leben in der Mark. Die Nager werden bis zu 1,40 Meter lang.
Gejagt: Jahrhundertelang wurden Biber wegen ihres Fleisches und Felles gejagt. Ende des 19. Jahrhunderts galt der Biber in Deutschland als ausgerottet.
Geschützt: Weil Biber ihr Revier extrem verteidigen, wurden in den 80er-Jahren 46 geschützte Elbbiber im heutigen Sachsen-Anhalt gefangen und im Oderbruch ausgesetzt – als natürliche Barriere gegen die aus Polen kommenden osteuropäischen Biber.