Berlin

Anschlag gegen „Henker“ kam nicht von links

Trotzdem wollen Neonazis am Sonnabend demonstrieren

von Andreas Kopietz und Lutz Schnedelbach

Berlin - Der Anschlag auf eine Neonazis-Kneipe, der am vergangenen Wochenende in Niederschöneweide drei Verletzte forderte, wurde offenbar nicht von Linksextremisten verübt. Nach Informationen der Berliner Zeitung durchsuchten Polizisten gestern Abend im Süden Berlins die Wohnungen mehrerer Verdächtiger.

Nach Angaben aus Ermittlerkreisen hat die Tat vom vergangenen Sonntag vor der Kneipe „Zum Henker“ einen unpolitischen Streit zum Hintergrund. Die Täter sollen einige Tage zuvor aus der Kneipe geworfen worden sein, weshalb es zu einer Prügelei auf dem Gehweg kam. Am vergangenen Sonntag fuhren dann die Abgewiesenen mit einem Audi A6 vor und warfen zwei Brandsätze auf das Lokal.

Als Kneipengäste das Auto stoppen wollten, wurde der 28-jährige Enrico S. von dem Auto überrollt und lebensgefährlich am Kopf verletzt. Ein weiterer Beteiligter erlitt einen Nasenbeinbruch und einen Beinbruch.

Nach Angaben von Fahndern soll es sich bei den Tätern nicht um Mitglieder eines Rockerclubs handeln, wie auf Internetportalen unter anderem gemutmaßt wurde.
Gegen das im Februar eröffnete Lokal gab es bereits Proteste von bürgerlichen und linken Gruppen. Der Bandanschlag wurden aus linken Websites gefeiert. Dort nahmen einige die Tat für sich in Anspruch.

Der Anschlag hatte eine breite Mobilisierung in der rechten Szene „gegen linken Terror“ ausgelöst. So wollen Rechtsextremisten am Sonnabend in der Innenstadt demonstrieren und werden dabei voraussichtlich für ein Verkehrschaos sorgen.

Rund 500 Teilnehmer, so sagen die Veranstalter, wollen unter dem Motto „Vom nationalen Widerstand zum nationalen Angriff“ gegen 12 Uhr vom
S-Bahnhof Alexanderplatz zum S-Bahnhof Landsberger Allee laufen. Die genaue Route teilte die Polizei nicht mit – offenbar um Gegendemonstrationen zu erschweren. Gegendemonstranten treffen sich um 11.30 Uhr am Haus des Lehrers. Die Polizei wird mit rund 1 000 Beamten im Einsatz sein. Unterstützung kommt von der Bundespolizei. Autofahrer sollten die Straßen rund um die Demonstrationsroute meiden, hieß es im Polizeipräsidium.

Berliner Zeitung, 10.10.2009