Über das DJ-Pult neigt sich das riesige gelockte Haupt von Hermes, dem Götterboten. Davor steht Stahis "Stassy" Klotsikas und dreht an den Reglern. Durch die Menge vor dem Pult schiebt sich DJ-Kollege Manuel "Mantu" Overbeck, Glitzer fliegt durch die Luft, bleibt auf verschwitzen Gesichtern kleben und Mantu verteilt Wassereis. Samstagnacht, es ist halb vier, und der Zpyzclub in Kreuzberg 36 platzt aus allen Nähten - wie immer, wenn Mantu und Stassy zusammen mit Freund Benjamin "Fetzo" Müller zur Techno Taverna geladen haben.
Zwei Wochen später sitzen die drei im Lockemüller, einer neuen Bar am Kreuzberger Spreewaldplatz und trinken hausgemachte Limonade. Stassy kommt gerade aus der Space Hall in der Zossener Straße, wo er einen dicken Stapel Platten gekauft hat. Mantu blättert grinsend durch die Cover und sagt bei jeder zweiten Platte. "Cool, die hab’ ich mir auch gerade geholt." Am Nachbartisch sitzt Freund Köfte und plant eine "Ghetto-Uno"-Kartenspielnacht, ruft rüber, ob Stassy als Schiedsrichter dabeisein kann. Man kennt sich, die Gegend um die Wiener Straße ist ihr Kiez und die Techno Taverna die Party dazu, von Freunden für Freunde. "Wer zu uns kommt, weiß: Hier kann man prima jemanden treffen, zusammen Musik hören und tanzen", sagt Fetzo.
Es war der heiße Sommer 2008, als er und Stassy sich kennenlernten. "Wir haben 24 Stunden am Tag zusammen verbracht", erzählt Stassy, "sind durch die Nacht gezogen." Irgendwann dachten sie: Wir müssen eine Party zusammen machen, die uns aushält. Das Ganze begann als Spaßprojekt. "All die Verrückten in unserem Freundeskreis in einen Raum sperren und gucken, was passiert." Ein Jahr später ist die Techno Taverna zu einer ernstzunehmenden Underground-Party geworden, auf der renommierte DJs wie Tiefschwarz oder Adam Port auflegen. "Techno Taverna ist heute eine Marke", sagt Fetzo. Der kleine Zpyzclub ist die perfekte Location für die Partys, die sich die drei vorgestellt haben. Wenn man den Clubraum betritt, ist man quasi sofort auf der Tanzfläche, rumstehen geht nicht.
Stassys Vater ist Grieche aus Thessaloniki, aufgewachsen ist der DJ in Berlin. Fließend Griechisch spricht er trotzdem, ein Teil der Familie lebt noch heute in Griechenland. "Es gibt viele griechische DJs in Berlin", sagt Stassy, "fast, als ob jedes Label einen Quotengriechen hat." Siopis auf Get Physical, Argy auf Poker Flat, Gummihz auf Mobilee - und sie alle haben schon bei ihnen aufgelegt.
Trotzdem ist die Techno Taverna kein Heimatverein für Exil-Griechen, auch wenn zur ersten Party ein Suflaki-Grill im Innenhof des Zpyzclubs stand, Fetzo manchmal Feta-Oliven-Spieße verteilt und Stassy auch schon mal im antiken Krieger-Outfit auflegt. Musikalisch erinnert nichts an die Hellenen, die Residents spielen Housemusik, tanzbar, organisch, erdig.
Seit der ersten gemeinsamen Party sind Mantu und Stassy das DJ-Team Tu!ssy. "Zwischen uns beiden hat es sofort gefunkt", sagt Mantu. "Wir haben einfach die gleichen Emotionen bei derselben Musik." Manchmal, wenn sie zusammen produzieren, gebe es diese Momente, in denen sie beide gleichzeitig "Wow" sagen. Ihr erstes Release ist noch für dieses Jahr geplant, es gab auch schon Tu!ssy-Ausflüge nach Hamburg, Kopenhagen und nach Griechenland. Und irgendwann, "in ferner Zukunft", wie Mantu sagt, soll es ein Techno- Taverna-Label geben.
Das Ganze ist zu einem Projekt geworden, an dem neben den drei Freunden ein Kollektiv an Kreativen arbeitet: Die Flyer entwirft Term Shon, ein koreanischer Künstler, der auch Artwork für das Berghain macht; Visual-Artist Tim Schenk macht Projektionen wie die des Götterboten im Club und die Video-Flyer. Auch Paul Snowden, der mit seinem "Wasted German Youth"-Slogan so etwas wie das Motto zum Berliner Nachtleben entworfen hat, kam zu einer ihrer frühen Partys, war begeistert und machte kurzerhand eine "Wasted Malaka Youth"-Version seiner T-Shirts und Sticker. Die Jungs bekamen 10.000 Aufkleber, "Damit haben wir dann ganz Kreuzberg zugepflastert", erzählt Fetzo.
Seitdem weiß zumindest die Berliner Szene, was "Malaka" heißt, nämlich so viel wie "Alter". Und auch Techno-Taverna-Mitbegründer und Nicht-Grieche Fetzo hat Griechisch gelernt: "Techno", erzählt er gerne, "heißt Liebe." Wer wissen will, ob das stimmt, sollte am besten Stassy fragen.
Techno Taverna im Zpyzclub in der Reichenberger Str. am Sonnabend, dem 25. September, 24 Uhr, mit Marcus Meinhardt, Marco Resmann und Tu!ssy.