Berlin

In Rauch aufgegangen

Nach Feuer in Schmöckwitz wird wegen vorsätzlicher Brandstiftung ermittelt. In der Lagerhalle lagerten Chemikalien

von Iris Brennberger

Berlin - Die Rauchwolke war bis in die Innenstadt zu sehen: Mehr als sechs Stunden lang haben am Dienstagabend eine leer stehende Lagerhalle und ein Bürogebäude auf dem Gelände des ehemaligen Reifenwerks Schmöckwitz gebrannt. Die Polizei geht von vorsätzlicher Brandstiftung aus, sagte ein Sprecher. Wieder einmal. Denn auf dem Gelände am Adlergestell hat es schon mehrmals gebrannt, und immer deutete alles auf Brandstiftung hin. Doch den oder die Täter hat man bisher nicht erwischt.

Am Dienstag gingen außer den abrissreifen Gebäuden vermutlich auch zahlreiche Chemikalien in Flammen auf. Nach Informationen der Berliner Zeitung lagerten hier zahlreiche Flaschen mit chemischen Stoffen aus DDR-Zeiten. Messungen der Feuerwehr ergaben jedoch keine außergewöhnlichen Schadstoffbelastungen durch den Brand. Für die Anwohner habe keine gesundheitliche Gefahr bestanden, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Die Einsatzleitung sei über die Chemikalien informiert gewesen. Es habe sich „um maximal handelsübliche Mengen“ gehandelt, die offenbar verbrannten, ohne Gifte freizusetzen. Neben der Polizei waren gestern auch Mitarbeiter des Köpenicker Umweltamtes vor Ort.

Der Großeinsatz begann am Dienstag um 19.36 Uhr, um 2 Uhr morgens war das Feuer gelöscht. Anwohner hatten die Feuerwehr alarmiert. Insgesamt rückten zehn Staffeln mit 130 Feuerwehrleuten an. Für die Löscharbeiten mussten sie Wasser aus dem rund 400 Meter entfernten Langen See pumpen. Das Adlergestell war wegen des Feuerwehreinsatzes gesperrt. Auch der Straßenbahn- und Nachtbusverkehr der Linie 68 war stundenlang unterbrochen.

Es war nicht der erste Großeinsatz der Feuerwehr auf dem rund 90 000 Quadratmeter großen Gelände: 2004 gingen hier Alt-Reifen in Flammen auf. Im Mai 2005 brannten 20 000 Kubikmeter Lkw-Altreifen. Die Feuerwehr benötigte drei Tage, um das Feuer zu löschen. Mit dem Löschwasser gerieten damals auch Schadstoffe ins Grundwasser. Im Mai 2008 stand eine 1 000 Quadratmeter große Halle in Flammen. In allen Fällen ging die Polizei von Brandstiftung aus. Dafür spreche auch, dass in den Gebäuden niemand mehr arbeitete, hieß es.

Die Grundstückseigentümer haben sich noch nicht bei der Polizei gemeldet. Sie sollen im Ausland leben. Bis zum Ende der DDR hatte auf dem Gelände das Reifenwerk Schmöckwitz seinen Sitz. Danach wechselte es mehrmals den Eigentümer und meldete Konkurs an.

Zuletzt hatte das Berliner Runderneuerungswerk hier Gebäude gepachtet. Die Firma zog 2008 weg.

Berliner Zeitung, 17.07.2009