Berlin - Heidrun hat gute Arbeit geleistet: In nur acht Tagen hat die auf diesen Namen getaufte Schildvortriebsmaschine einen 110 Meter langen Tunnel 20 Meter unter die Havel zwischen Ruhleben und Wilhelmstadt gegraben. Die Havelunterquerung, durch die zwei Stahlrohre für die künftige Fernwärmeversorgung der Spandauer Wilhelmstadt verlegt werden sollen, konnte gestern zum ersten Mal begangen werden und wurde in alter Bergmannstradition getauft, auf den Namen Margit.
Namenspatronin des „Haveldüker“, so bezeichnet man die Unterführung eines Rohres unter einem Fluss, ist die Spandauerin Margit Bohnhoff. Sie durchschwamm vor zwei Jahren den Ärmelkanal und trainierte dafür in der Oberhavel. Die 46-Jährige fand das Bauwerk, in dessen Inneren sie gestern auf einem Schild unterschrieb, „sehr beeindruckend“.
In dem Schacht, der 20 Meter in die Tiefe zum Tunneleingang führt, steht zwar noch etwas Wasser auf der drei Meter dicken Betondecke, die das Grundwasser fernhalten soll, das werde aber alles trockengelegt, versichert Bauleiter Frank Tiedemann. Er sagt, man habe beim Bau großes Glück gehabt, dass keine großen Findlinge im Weg lagen. „Heidrun kann Steine bis 40 Zentimeter Durchmesser aufnehmen und zerkleinern“, erklärt er. Alles was größer ist, macht Probleme – unter dem Landwehrkanal und Flutgraben, wo vor fünf Jahren ein ähnlicher Tunnel gegraben wurde, war dies der Fall.
Die Tunnelröhre, die einen Durchmesser von 2,60 Meter hat, besteht aus 38 Betonelementen, von denen jedes ungefähr 25 Tonnen wiegt. Drei Sattelschlepper brachten die Betonteile aus einem Betonwerk bei Leipzig nachts nach Berlin – um den Verkehr möglichst wenig zu beeinträchtigen. Auch wenn die zwei 70 Zentimeter dicken, isolierten Rohre, die heißes Wasser zu den Haushalten in der Wilhelmstadt und kaltes zurück zum Kraftwerk Reuter West transportieren sollen, in dem Tunnel liegen, bleibt noch ein 80 Zentimeter breiter Gang, durch den der Tunnel durchquert werden kann – allerdings wird er nur für Vattenfall-Mitarbeiter, die zweimal jährlich Wartungsarbeiten durchführen, zugänglich sein.
Über dem Tunnel befinden sich 16 Meter Erdreich, danach kommt das Wasser der Havel. Ganz am Ende des Tunnels, auf der Wilhelmstädter Seite, sind Graffiti zu sehen. „Die kamen aber schon drauf, als die Röhren noch oben lagen“, sagt Tiedemann. Danach habe man einen Wachschutz engagiert.
Vattenfall investiert 58 Millionen Euro in seine neue, 18,7 Kilometer lange Fernwärmetrasse, zu der die Havelunterquerung gehört. 50 000 Wohnungen, von denen heute viele noch Einzelbrennöfen haben, sollen dann ab Oktober nach und nach mit Fernwärme beliefert werden. Jeder so versorgte Haushalt spart pro Jahr rund eine Tonne Kohlendioxid ein, denn die gleichzeitige Produktion von Strom und Wärme ist besonders effizient und damit umweltfreundlich.