Berlin

Deckname Gänseblümchen

Auf der BND-Baustelle drehen sich zurzeit 18 Kräne.  Bis zum Jahr 2012 entstehen hier Büros für 4 000 Beschäftigte. Foto: AuG
Auf der BND-Baustelle drehen sich zurzeit 18 Kräne. Bis zum Jahr 2012 entstehen hier Büros für 4 000 Beschäftigte.

Der Bundesnachrichtendienst präsentiert sich in seiner künftigen Zentrale als Kunst-Mäzen

Ulrich Paul

Berlin - Der Bundesnachrichtendienst (BND) gibt sich nach außen zwar meist sehr verschwiegen, doch lüftet er nach seinem Umzug in die Hauptstadt doch so manch gut gehütetes Geheimnis. Jetzt macht er die Decknamen mehrerer ehemaliger Spione bekannt: „Gänseblümchen“, „Maikäfer“ oder „Laterne“ – unter diesen Namen sammelten BND-Mitarbeiter im Ausland brisantes Material. Ihr Einsatz wird nun in besonderer Weise gewürdigt: Die Tarnnamen sind Teil eines Kunstwerkes, das in der künftigen BND-Zentrale an der Chausseestraße in Mitte realisiert werden soll. Ausgewählt wurde es nach einem Kunst-am-Bau-Wettbewerb, der gerade abgeschlossen wurde.

Die Decknamen gehören zum Kunstwerk „Gemäldegalerie BND“, das aus mehreren hintereinander gereihten Farbfeldern besteht. Die Gemäldegalerie soll die beiden etwa 100 Meter langen Übergänge vom Haupteingang an der Chausseestraße zu den Büros der Spione zieren. Eine Seite der Gemäldegalerie besteht aus hochformatigen Farbflächen, die an Porträts erinnern sollen, die andere Seite besteht aus Querformaten, die Landschaften symbolisieren. Das Werk stammt von Friederike Tebbe und Anette Haas, es soll Ende 2009/Anfang 2010 realisiert werden und kostet 120 000 Euro. Weil die Gemäldegalerie innerhalb der Übergänge entsteht, ist sie von außen nicht zu sehen. Anders das Kunstwerk von Stefan Sous, das in der repräsentativen Vorfahrt entstehen soll. Sous hat einen knapp 20 Meter langen monolithischen Körper aus Corten-Stahl entworfen, der an einen Faustkeil erinnert. Die Skulptur wird mit dem hinteren Teil auf dem Boden lagern und mit der Spitze in der Luft schweben. „Als autarkes, fremdes, unergründliches Ding will die Skulptur einen subtilen Hinweis auf die Funktion des BND geben: das Unbekannte aufklären und die eigenen Geheimnisse bewahren“, heißt es in der Erklärung über das Werk. Es soll 2012 aufgebaut werden und kostet 500 000 Euro.

Inspiriert von der Arbeit des Auslandsgeheimdienstes zeigen sich auch die Kunstwerke für zwei Atrien. In einem der Innenhöfe soll das Bild von einem im Gebüsch versteckten Bungalow die Wand zieren – in Anspielung an geheimdienstliche Tätigkeiten wie das Beobachten, Verstecken und Tarnen. Das Bild soll dabei in 20 000-facher Vergrößerung an die Wand kommen, so dass das Motiv kaum zu identifizieren ist. Die Jury lobte, dass sich die vielen unlesbaren Elemente aus der Distanz betrachtet wieder zu einem Gesamtbild fügen. Die olivgrüne Farbgebung unterstütze „den Tarnkappencharakter der Arbeit“. Das Werk stammt von den Künstlern Antje Schiffers und Thomas Sprenger und soll 2012 realisiert werden. Kosten: 300 000 Euro.

An der Technik- und Logistikzentrale soll eine Installation mit dem Titel „Strom“ das Foyer und zwei Brücken schmücken. Die Installation besteht aus weiß leuchtenden Leuchtstoffröhren, die Bewegung suggerieren sollen – eine Anspielung auf den Nachrichtenfluss des BND. Dieses Kunstwerk soll bereits in diesem Jahr realisiert werden. Kosten: 200 000 Euro.

Dass die Kunst am Bau an der neuen BND-Zentrale möglich ist, gehört zum Öffnungsprozess des Geheimdienstes, sagte ein Sprecher des Geheimdienstes gestern. So ganz offen ist der BND aber auch heute noch nicht. In einer Ausstellung der Ergebnisse des Kunstwettbewerbs wurden jene Teile unkenntlich gemacht, die zu tiefe Einblicke in den Neubau gewähren. In der Ausstellung ist Fotografieren streng verboten.

Ausstellung der Wettbewerbsarbeiten: Cranzbau, Hertzallee/Fasanenstraße 87 geöffnet bis 17. Juni.

Berliner Zeitung, 11.6.2009