Berlin

„Ein bisschen Zittern“

Chefstratege im Roten Rathaus: Björn Böhning. Foto: Max Lautenschläger
Chefstratege im Roten Rathaus: Björn Böhning.

Der SPD-Politiker Björn Böhning über seine Erwartungen an den Landesparteitag – und seinen Chef Wowereit

Das Gespräch führte Sabine Rennefanz.

Herr Böhning, der SPD-Parteitag am Sonntag stellt die Liste für den Bundestagswahlkampf auf. Sie bewerben sich um Platz fünf und treten gegen Klaus Uwe Benneter an, der wie Sie früher Juso-Chef war. Wie sind Ihre Chancen?

Das Rennen wird knapp, die Chancen sind fifty-fifty. Aber ich fühle mich gut gerüstet, es gibt eine breite Unterstützung aus der Partei. Ich hoffe, dass wir ein faires und inhaltliches Verfahren erleben.

Kein bisschen Zittern?

Ein bisschen Zittern gehört immer dazu. Das ist normal. Wenn es nicht klappt, werde ich den Wahlkreis erst recht direkt holen.

Sie kandidieren gegen den Platzhirsch Hans-Christian Ströbele von den Grünen in Friedrichshain-Kreuzberg. Was wollen Sie für diesen Wahlkreis erreichen?


Es ist Zeit für Taten. Ich will nicht mehr über Symbole der Vergangenheit sprechen, sondern über konkrete Politik vor Ort. Die Menschen in Prenzlauer Berg, Friedrichshain und Kreuzberg fragen nicht nur nach der nächsten Anti-Kriegs-Demo. Sie wollen eine verbesserte Kinderbetreuung und frühkindliche Bildung. Dafür möchte ich mich einsetzen.

Manche Wähler wollen als Volksvertreter vielleicht lieber einen kauzigen Individualisten als ein ehrgeizigen Verwaltungsmitarbeiter, von dem man nicht so viel gehört hat. Wie wollen Sie die überzeugen?


Ich wohne seit zehn Jahren im Wahlkreis. Und ich glaube, dass der Wahlkreis sich verändert hat. Wie viele andere junge Familien habe auch ich mir hier etwas aufgebaut. Entscheidend ist, diese Menschen für eine gute Entwicklung des Wahlkreises zu gewinnen. Für mich ist wichtig, dass am Ende was für den Bezirk getan wird und nicht nur große Reden gehalten werden. Die Menschen müssen sich entscheiden, ob sie jemanden wählen wollen, der in der gesamten
Legislaturperiode für sie arbeiten wird oder nicht.

Beziehen Sie sich auf das Alter? Ströbele ist 70 Jahre. Sie sind 30.


Ich höre, dass nicht beabsichtigt ist, die volle Legislaturperiode durchzuarbeiten.
Eines der kontroversen Themen auf dem Parteitag ist der Ausbau der A 100.

Sie sind dagegen, Ihr Chef, der Bürgermeister, ist dafür. Wie passt das zusammen?

Ich bin Direktkandidat in Friedrichshain-Kreuzberg. Dort engagiere ich mich für die Belange der Bürgerinnen und Bürger. Ich habe die Befürchtung, dass die positive Bilanz unserer Verkehrspolitik durch den Bau eines neuen Teilstücks einer Autobahn kaputt gemacht wird. Berlin ist Fahrrad-Hauptstadt und Hauptstadt des öffentlichen Personennahverkehrs Deutschlands.

Hält Wowereit den Widerspruch aus? Es heißt, er sei herablassend.


Klaus Wowereit ist ein sehr offener und verlässlicher Gesprächspartner. Er passt zu Berlin.

Wie haben Sie den diesjährigen 1. Mai erlebt?


In den vergangenen Jahren wurde der 1. Mai auch durch das Myfest befriedet. Diese positive Entwicklung wurde dieses Jahr leider durchbrochen. Ich kann nur alle ermutigen, sich künftig besser auf den 1. Mai vorzubereiten. Ich war am 1. Mai erst auf einem Kinderfest in Friedrichshain und habe abends in Kreuzberg Musik gehört und gefeiert.

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Steinmeier kommt

In der Max-Taut-Aula in Lichtenberg stimmen die Delegierten an diesem Sonntag auf dem SPD-Landesparteitag über die Kandidatenliste für den Bundestag ab. Fest steht, dass Wolfgang Thierse – trotz seines Einsatzes für Pro Reli – an der Spitze stehen wird. Platz zwei ist für Petra Merkel reserviert.

Der SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier wird als prominenter Gastredner auftreten. Deshalb sind die Sicherheitsvorkehrungen strenger als sonst auf Landesparteitagen.

Die Parteimitglieder wollen über strittige Themen reden, darunter über die gleichberechtigte Besetzung von Leitungsfunktionen in der Partei und in landeseigenen Firmen mit Frauen. Die SPD-Frauen fordern ein sogenanntes Reißverschlussverfahren. Ärger hatte es um die Besetzung eines BVG-Postens gegeben.

Berliner Zeitung, 16.5.2009