Berlin

S-Bahn-Zug mit Fahrgästen an Bord entgleist

Hoffentlich sicher: Eine S-Bahn begegnet einem Intercity Express. DB AG/Max Lautenschläger
Hoffentlich sicher: Eine S-Bahn begegnet einem Intercity Express.

Plötzlich brach eine stählerne Radscheibe: Das Unglück hätte verhindert werden können, sagen Mitarbeiter

von Peter Neumann

Berlin - Entgleisungen und Böschungsbrände haben den S-Bahn-Verkehr in den vergangenen Tagen durcheinander gebracht. Zu dem spektakulärsten Fall, der Entgleisung einer S-Bahn der Linie S 5 mit Fahrgästen an Bord, gibt es inzwischen erste Erkenntnisse. Nach Informationen der Berliner Zeitung hat ein Radscheibenbruch dazu geführt, dass am 1. Mai ein Wagen in Kaulsdorf aus den Schienen sprang. Dieser Unfall hätte verhindert werden können, sagen S-Bahner. Denn der Zug sollte im April zur Hauptuntersuchung in die Werkstatt. Dabei wäre der Schaden in dem Rad entdeckt worden. Doch die Frist sei kurz vorher um ein Jahr bis 2010 verlängert worden. So lässt sich Geld und Personal sparen.

Die S-Bahn, die von Mahlsdorf unterwegs zum Westkreuz war, fuhr gegen 10.08 Uhr in Kaulsdorf ein – da entgleiste hundert Meter vom Bahnsteig entfernt der hinterste Radsatz. Glücklicherweise wurde niemand verletzt. Wäre der vorderste Wagen in voller Fahrt aus den Schienen gesprungen, hätten die Folgen weitaus gravierender ausfallen können, sagen S-Bahner. Das Unglück ist für sie ein ernster Vorfall. „Es zeigt, dass die S-Bahn auf Verschleiß gefahren wird“, hieß es. An der Wartung und Instandhaltung der Züge werde zu sehr gespart. Zwar habe sich die Zahl der Arbeitsstunden, die in den Werkstätten geleistet werden, kaum verändert. Doch „Sonderaufgaben“ wie der Umbau der Bremsanlagen oder Mehrzweckabteile führten dazu, dass für reguläre Untersuchungen oft nicht mehr genug Zeit sei. Darum käme es öfter vor, dass bei den modernen Zügen der Baureihe 481 fällige Hauptuntersuchungen verschoben werden – was prinzipiell zulässig ist. So war es auch bei der Zwei-Wagen-Einheit 481 503/603, die nun in Kaulsdorf entgleist ist.

„Bei Hauptuntersuchungen nehmen sich die Kollegen in der Werkstatt auch die stählernen Radscheiben vor“, hieß es. Dabei könnten sie Risse oder andere Unregelmäßigkeiten, die zu einem Radscheinbruch führen können, aufspüren. „Zu der Ursache des Vorfalls können wir noch nichts mitteilen. Die Untersuchung dauert an“, entgegnete ein S-Bahn-Sprecher. Erst rund neun Stunden nach der Entgleisung konnte die S-Bahn-Linie 5 wieder in beide Richtungen befahren werden.

Das Wochenende sei ebenfalls „heiß“ gewesen, so der Sprecher weiter. Böschungsbrände behinderten den Verkehr – unter anderem an der S 1. Am Sonnabend stand im Grunewald eine Böschung in Flammen. Weil der Rauch auf der Bahnstrecke die Sicht behinderte, wurde der Verkehr auf der S 7 eingeschränkt.

Gestern traf es dann erneut die S-Bahn im Osten der Stadt. Auf einer Gleisbaustelle sprang gegen acht Uhr früh ein Arbeitsfahrzeug aus den Schienen und blockierte die Strecke Friedrichsfelde Ost– Lichtenberg. Bei der S-Bahn war von einem „technischen Defekt“ die Rede, dagegen sprachen S-Bahner davon, dass die Gleisstopfmaschine verbotenerweise über eine Gleissperre hinweg gerollt ist. Die Folgen für die Fahrgäste waren gravierend: Die S 5 und die S 7 waren unterbrochen, östlich von Lichtenberg verkehrte nur die S 75 – im Zwanzig-Minuten-Takt.

Berliner Zeitung, 04.05.2009