Berlin

300 Toiletten für Tempelhof

Einsam im Tempelhof: Senator Sarrazin am Donerstag in der Haupthalle. Draußen könnten auch Schafe weiden, meint er. Foto: dpa
Einsam im Tempelhof: Senator Sarrazin am Donerstag in der Haupthalle. Draußen könnten auch Schafe weiden, meint er.

Bevor die Bread and Butter in den Airport einzieht, müssen fünf Millionen Euro investiert werden

von Ulrich Paul

Bevor das Land Berlin Einnahmen aus der Vermietung des Flughafens Tempelhof an die Modemesse Bread and Butter erzielt, muss es kräftig investieren: Fünf Millionen Euro sind nötig, um das Gebäude für die Zwecke der Modemesse auszubauen. Diese Summe nannte Finanz-Staatssekretär Klaus Teichert gestern auf der nicht-öffentlichen Sitzung des Vermögensausschusses, wie aus Teilnehmerkreisen verlautete.

Bis zur ersten Modemesse im Juli dieses Jahres muss die Berliner Immobilien Managementgesellschaft (BIM) eine Verbindung zwischen den sieben Hangars herstellen, Fluchtwege ausweisen und die Stromversorgung ausbauen. Bis zum 31. Dezember dieses Jahres soll die BIM ferner eine Lüftungs- und Heizungsanlage für die Hangars einbauen und mit der Installation von rund 300 Toiletten beginnen. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) verteidigte die Ausgaben. Er sagte nach der Sitzung des Vermögensausschusses, die Investitionen in die Hangars hätten sowieso getätigt werden müssen, unabhängig davon, wer dort hineinkomme.
Wie hoch die Miete ist, die die Modemesse zahlt, wollte der Senat gestern offiziell nicht mitteilen. Nach Informationen aus Kreisen der SPD soll die Bread and Butter aber jährlich 1,6 Millionen Euro überweisen. Schon nach drei Jahren hätten sich die Investitionen in den Airport damit amortisiert, hieß es. Der Betrag, den die Modemesse bezahle, übersteige den Preis, der normalerweise für Hangars gezahlt werde, um ein Vielfaches, sagte Wowereit. Die Opposition gibt sich damit nicht zufrieden. Die Abgeordneten Florian Graf (CDU), Jochen Esser (Grüne) und Christoph Meyer (FDP) kritisierten in einer gemeinsamen Presseerklärung, dass der Senat die Aufklärung über den Mietvertrag mit der Modemesse verweigere. Wowereit wolle weiterhin durch die Stadt laufen und behaupten, dass der Mietvertrag mit der Bread and Butter die beste Lösung für den Flughafen Tempelhof darstelle, "ohne dass dies irgendjemand nachprüfen kann".

Die Bread and Butter wird alle sieben Hangars, die Haupthalle, den Flugsteig, das Restaurant sowie die Büros hinter den Hangars nutzen. Ohne Rollfeld umfasst die Fläche rund 61.000 Quadratmeter. Die Messe mietet die Flächen zwei Mal pro Jahr für jeweils einen Monat - über zehn Jahre lang. Mit der Möglichkeit, den Vertrag um weitere zehn Jahre zu verlängern. So lange sind beide Seiten aber nicht gebunden. Der Mietvertrag sieht vor, dass die BIM und die Messe nach Ablauf der ersten fünf Jahre ein Sonderkündigungsrecht mit zwölfmonatiger Kündigungsfrist haben, wenn das Gebäude an einen Dritten verkauft werden sollte. Der Eigentümer habe darüber hinaus die Möglichkeit, jederzeit mit einer Frist von zwölf Monaten die Nutzung des Hangars 7 zu kündigen. Diese Regelung ist offenbar auf eine Nutzung des Hangars durch das Alliierten-Museum zugeschnitten. Das Museum möchte den Hangar 7 nach einem Umzug von Dahlem nutzen.

Die vertraglichen Regelungen zwischen Bread and Butter und BIM gehen deutlich über ein reines Mieter-Vermieter-Verhältnis hinaus. So heißt es in einem Papier von Staatssekretär Teichert, dass beide Vertragspartner "eine strategische Partnerschaft" eingehen. Danach soll eine "Marke Flughafen Tempelhof" entwickelt werden, die für eine hochwertige Nutzung des Gebäudes stehe. Der Airport solle "zu einer hochwertigen Event-Location entwickelt werden".

Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) erklärte gestern bei der Vorstellung der Pläne für die Messe Berlin Vital in Tempelhof, in diesem Jahr werde Berlin die Bundesanteile am Airport erwerben. Das Betriebsdefizit des Flughafens werde schon 2010 niedriger sein als 2008. Anders als beim Gebäude gebe es keinen Druck auf eine Nutzung der Freiflächen, sagte Sarrazin. Dort könnten zur Not auch mal "Schafe weiden". Der Veranstalter der Berlin Vital, der SCC Running, hat Besseres vor. Er will nicht nur die Messe Berlin Vital zwei Mal jährlich in Tempelhof veranstalten, sondern auch den Team-Marathonlauf, der bisher im November im Grunewald stattfand. Der SCC hofft dafür auf bis zu 20 000 Teilnehmer in Tempelhof.

Berliner Zeitung, 13.02.2009