Berlin

Schüler randalierten in der Humboldt-Uni

Polizisten schauen sich nach der Randale den Schaden im Foyer der Humboldt-Universität Unter den Linden an. Wie hoch der Schaden ist, kann derzeit noch nicht beziffert werden. Foto: Gerd Engelsmann
Polizisten schauen sich nach der Randale den Schaden im Foyer der Humboldt-Universität Unter den Linden an. Wie hoch der Schaden ist, kann derzeit noch nicht beziffert werden.
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Teilnehmer einer Demonstration beschädigen Einrichtung im Hauptgebäude

Anne Vorbringer und Andreas Kopietz

Berlin - In Berlin haben gestern mehrere tausend Jugendliche für bessere Bildung demonstriert. Sie forderten kleinere Klassen, kostenlose Bildung, die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems und mehr Lehrer. Zu der Demonstration anlässlich des Schülerstreiks hatten sich nach Angaben der Veranstalter und der Polizei am Vormittag 5 000 Teilnehmer versammelt.

Bei einem Zwischenstopp Unter den Linden stürmten etwa 1 000 Demonstranten die Humboldt-Universität. Die Jugendlichen drangen durch den Haupteingang in das Universitätsgebäude ein. Sie rissen Feuerlöscher aus der Halterung und versprühten den Inhalt. Nach Angaben von Mitarbeitern wurden Türen eingetreten, Wände beschmiert und Fensterscheiben eingeschlagen. Außerdem wurden Kopierer verrückt und Pinnwände mit Informationen für Studenten abgerissen. Zahlreiche Rollen Toilettenpapier wurden aus den Fenstern geworfen. Auch das Audimax hinterließen die Randalierer verwüstet.

Im Foyer zerstörten die Demonstranten Teile der Ausstellung „Verraten und verkauft“. Sie erinnert an die Existenzvernichtung jüdischer Unternehmer während der NS-Zeit und an die Pogromnacht vom 9. November 1938. Die Schüler zerstörten zehn Schautafeln. Johannes Röder vom Referentenrat erklärte: „Obwohl wir zu dieser Demonstration mit aufgerufen haben, ist die Zerstörung der Ausstellung nicht hinnehmbar.“ Wie hoch der Schaden ist, wird derzeit ermittelt. „Das Bild der Verwüstung, das die Demonstranten hinterlassen haben, stößt bei uns auf großes Unverständnis“, sagte Katharina Henschen, Sprecherin der Humboldt-Universität. Der Vorlesungsbetrieb sei aber nicht beeinträchtigt.

Die Polizei war von der Aktion der Schüler überrascht und hatte zunächst nicht genug Polizisten vor Ort. „Es gab im Vorfeld keine Anzeichen auf einen unfriedlichen Verlauf“, sagte ein Polizeisprecher. „Bis zu diesem Zeitpunkt war es eine friedliche Demo.“ Längere Zeit ließ die Polizei die Besetzer gewähren. „In Abstimmung mit dem Hausherrn haben wir uns entschlossen, nicht einzugreifen, um eine mögliche Eskalation zu vermeiden“, sagte der Polizeisprecher. Nach einer halben Stunden verließen die Demonstranten die Uni wieder. Die Polizei konnte drei von ihnen zur Feststellung der Personalien festhalten. Eine Angestellte der Universität äußerte gegenüber der Berliner Zeitung ihr Unverständnis: „Wozu war die Polizei überhaupt da?“

„Die Vorfälle in der Uni sind unabhängig von uns passiert“, sagte Niklas Wuchenauer von der Landesschülervertretung, die den Streik gemeinsam mit der Schülerinitiative „Bildungsblockaden einreißen“ organisiert hatte. „Die Schüler haben spontan die offenen Türen genutzt und ihren Protest kundgetan“, so Wuchenauer.

Bei der Demo, die gegen 11.30 Uhr am Roten Rathaus startete, trugen die Demonstranten Plakate mit Sprüchen wie „Bringt den Bildungsklau zu Fall“ und „Sei gefördert. Sei Berliner. Sei Privatschüler“. Die Demo zog unter anderem über den Hackeschen Markt. Unter den Teilnehmern waren auch Linksradikale und Antifa-Gruppen. Mehrfach kam es zu Rangeleien mit Polizisten. Nach Polizeiangaben einigten sich Veranstalter und Polizei darauf, die Demo vorzeitig an der Karl-Liebknecht-Straße zu beenden.

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Berliner Zeitung, 13.11.2008