Berlin

Trimm dich für Oma und Enkel

Die meisten Geräte sind für Doppelnutzung konzipiert. Das freut die Oma aus Berlin und ihren Enkel aus Thüringen. Foto: Gerd Engelsmann
Die meisten Geräte sind für Doppelnutzung konzipiert. Das freut die Oma aus Berlin und ihren Enkel aus Thüringen.

Der Erwachsenenspielplatz im Preußenpark ist so beliebt, dass zwei weitere gebaut werden sollen

von Ina Peters

Wilmersdorf - Vor und zurück schwingt Uta Kunz auf dem glänzenden Sportgerät. Jeden Tag ist die 55-Jährige auf Berlins erstem Spielplatz für Erwachsene im Preußenpark. Nach einem Schulterbruch trainiert sie ihre Beweglichkeit. „Es ist toll hier. Ich kann die Übungen prima mit meinen Reha-Übungen verbinden“, sagt sie.

Vor eineinhalb Jahren wurde die Fitnessanlage im Freien in Betrieb genommen. Der Gerätehersteller Playfit organisierte Sponsoren für die acht Geräte, um den Aufbau kümmerten sich die Auszubildenden des Grünflächenamts. Für die Wartung kommt der Bezirk auf. „Mit den Geräten haben wir sozusagen den Daimler der Branche erwischt“, sagt Amtsleiter Christoph Maasberg. Wenn sich seine Mitarbeiter einmal wöchentlich selbst zu Testzwecken auf die Geräte schwingen, müssen sie meist nur hier und da eine Schraube nachziehen. „Wenn man bedenkt, dass das bewegliche Geräte mit Gelenken sind, ist die geringe Abnutzung wirklich sehr gut.“ Der Ganzkörpertrainer, ein Stepper mit beweglichen Griffstangen, wie man ihn aus dem Fitnessstudio kennt, wird gerade ausgetauscht, nächste Woche kommt ein neuer. Ansonsten musste bisher lediglich eine rote Drehscheibe am Schultertrainer ausgewechselt werden. „Das ist absolut im vertretbaren Bereich“, erklärt Maasberg. „Im Vergleich zu den gängigen Spielgeräten sind die hier wirklich außerordentlich stabil.“

Laut Massberg wird der Platz sehr gut angenommen. „Die Leute kommen von j.w.d. hierher gepilgert. Manche kommen sogar aus Prenzlauer Berg, nur um ein bisschen Sport bei uns zu machen“, sagt er. Selbst Touristen entdecken den Fitnesspark. „Vor einiger Zeit habe ich ein paar Amerikanern erklärt, was sie hier alles machen können“,sagt Uta Kunz. „Im Gegenzug haben sie mich eingeladen, sie in Kalifornien zu besuchen! Leider habe ich ihre Adresse verloren.“

2009 will das Grünflächenamt zwei weitere Erwachsenenspielplätze bauen, im Lietzenseepark und im Charlottenburger Norden. Die Anlage am Lietzensee soll im Mai öffnen. Die Geräte bezahlt der Verein „Lebensherbst“ von Mariella Gräfin von Faber-Castell.

Gegen die Bezeichnung „Seniorenspielplatz“ wehrt sich Maasberg. „Es ist ein Platz für alle. Ein Ort der Begegnung.“ Nur für sehr kleine Kinder sei die Unfallgefahr zu groß. Viele ältere Nutzerinnen fühlen sich allerdings durch die vielen Kinder gestört, die den Sportplatz ihrem eigenen vorziehen. Manchmal sei das wirklich schwierig, sagt Uta Kunz. „Gerade am Wochenende. Da muss man oft dreimal fragen, bevor man auch mal an die Geräte darf.“

Das Problem kennt Burgis Möwes nicht. Die 60-Jährige kommt zweimal die Woche zum Powerwalking in den Preußenpark und dehnt sich anschließend in der Fitnessanlage. „Also, wenn ich hier bin, sind kaum Kinder da. Die sind zu der Zeit eher in der Schule“, sagt sie. Da hat sie Glück, denn ihr Lieblingsgerät, der Beintrainer, ist auch unter den Kindern der Renner. Der siebenjährige Simon aus Thüringen möchte am liebsten gar nicht aufhören, dort zu schaukeln. Er verbringt die Herbstferien in Berlin bei seiner Großmutter Liselotte Leipe. Während eines Spaziergangs haben beide den Spielplatz entdeckt. Die meisten Geräte sind für die Doppelnutzung konzipiert. Und so drehen Großmutter und Enkel gemeinsam an großen Scheiben und reiben ihre Rücken an Massagewalzen.

Was stört, sind die Drogendealer und ihre Kunden, die auf dem Weg neben der Anlage ihre Geschäfte abwickeln. Rund 15 Männer hocken dort häufig und warten auf eine Lieferung. Maasberg weiß davon. Die Polizei habe zu wenig Personal, um Kontrollgänge im Park zu machen. Umso wichtiger ist ihm die starke Nutzung der Fitnessgeräte. Wenn sich viele mit dem Park und seinen Angeboten identifizieren, schaffen sie ein unangenehmes Klima für Kriminelle. Soziale Kontrolle nennt Maasberg das. Wie vor einigen Wochen, als Uta Kunz in der Dämmerung zum Training ging und die Männer auf sie zukamen. Sie hielten die Frau für eine Dealerin. „Die hatten sich schon gefreut, dass ich endlich komme“, sagt Kunz. „Ich musste sie enttäuschen. Aber schön ist das mit denen wirklich nicht.“

Berliner Zeitung, 24.10.2008