Berlin

Auf die Extras kommt es an

An der Kreuzung Unter den Linden/Friedrichstraße stand schon in den 1920er-Jahren für Luxus. Foto: Gerd Engelsmann
An der Kreuzung Unter den Linden/Friedrichstraße stand schon in den 1920er-Jahren für Luxus. Dort sinnierte der arbeitslose Pinneberg aus Hans Falladas Roman "Kleiner Mann, was nun?".
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Inspiriert von New York: Auch Berlin hat jetzt eine Upper Eastside mit Geschäften und Büros

von Birgitt Eltzel

Mitte - Neuer Luxus für eine der bekanntesten Ecken Berlins: An der Kreuzung Unter den Linden/Friedrichstraße, verewigt unter anderem in Hans Falladas Roman "Kleiner Mann, was nun?", ist ein Nobel-Quartier entstanden. Es bietet rund 40 000 Quadratmeter Fläche für Geschäfte, Büros und Wohnungen. Heute eröffnen dort die ersten vier Flagshipstores. Bauherr des siebengeschossigen Komplexes ist die MEAG, der Vermögensverwalter der Münchener Rück und der Ergo Versicherungsgruppe. Die fünf Einzelgebäude entstanden nach Entwürfen der Architekturbüros Gerkan, Marg und Partner, Kahlfeldt sowie des Italieners Augusto Romano Burelli. Die MEAG nennt den Komplex Upper Eastside - nach dem bekanntesten und feinsten Viertel New Yorks.

Die Upper Eastside soll internationale Mieter anziehen. Doch bereits im Vorfeld war der Name von etlichen Kritikern moniert worden. MEAG-Projektentwickler Hubert Garzorz verteidigte ihn gestern: Es sei schließlich keine einfache Shoppingmall, die an dieser prominenten Stelle errichtet wurde. Für den Bau, der 200 Millionen Euro kostete, wurden edelste Materialien verwendet. Die Fassade ist aus römischem Travertin, alle Häuser haben die gleiche Geschosshöhe - und doch stellt sich jedes je nach Handschrift seiner Architekten ganz anders dar. "Man merkt das auch an den kleineren Dingen wie Fahrstühlen und Fußböden sowie den Kunstwerken", so der Projektentwickler. Auch im begrünten Innenhof wurde ein Kunstwerk platziert.

Senatsbaudirektorin Regula Lüscher zeigte sich angetan von der Upper Eastside. "Ziel war, ein Ensemble zu schaffen, das sich eng an die Berliner Stadtstruktur anlehnt." Das sei, nach einem langwierigen Abstimmungsprozess, gut gelungen. "Innerhalb von wenigen Jahren hat der weltweit bekannte Knotenpunkt Unter den Linden/Friedrichstraße ein schönes, prominentes Antlitz bekommen", lobte sie. Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) freute sich, dass "nun die letzte städtebauliche Lücke auf der Friedrichstraße zwischen dem S-Bahnhof und Kreuzberg geschlossen wurde". Auf dem Grundstück stand das 1966 eingeweihte Hotel "Unter den Linden", das 2006 abgerissen wurde.

Ganz fertig ist Berlins Upper Eastside allerdings noch nicht. Heute eröffnen die zwischen 700 und 1 200 Quadratmeter großen Filialen von Douglas, Zara, Esprit und Marc O’ Polo, bis zum Jahresende kommen der Flagshipstore des Mobilfunkanbieters O2 und ein Showroom von Mercedes dazu. Ein Geschäft ist noch frei. Ausgebaut werden noch die Büros mit 17 800 Quadratmeter Fläche. Man befinde sich derzeit mit interessierten Mietern im Gespräch, sagte Projektentwickler Garzorz. Für die 20 Mietwohnungen mit bis zu 350 Quadratmeter Fläche gebe es "eine lange Liste von Interessenten". Büros und Wohnungen sollen bis Ende 2009 fertig sein. Miethöhen nannte der MEAG-Manager nicht. Nur so viel: "Sie entsprechen dem oberen Niveau an diesem Standort." Für Büros sind in der Umgebung pro Quadratmeter ab 20 Euro (kalt) zu zahlen, für Wohnungen ab 15 Euro.

Berliner Zeitung, 22.10.2008