Berlin

Drinnen Freude, draußen Protest

Max, der zehnjährige Fußballspieler aus Köpenick, fühlt sich auch im Eishockey-Tor wohl. Foto: Gerd Engelsmann
Max, der zehnjährige Fußballspieler aus Köpenick, fühlt sich auch im Eishockey-Tor wohl.

Einen Tag vor der Eröffnung testen Schulkinder die neue O2 World

Karin Schmidl

Nur mühsam kommt Max aus der gelben Torwart-Montur wieder heraus. Der vergitterte Helm, die wattierten Beinschoner, die sperrigen Armschützer, die dicke Weste – der Zehnjährige stöhnt: „Komisch, was die so alles anhaben.“ Max ist in seiner Freizeit Fußballspieler, doch Eishockey findet er seit gestern auch „cool“. Als Torwart hat er fast alle der gelben Tennisbälle abgewehrt, die seine Klassenkameraden aus der 5a der Müggelschlösschen-Grundschule in seine Richtung schossen.

Einen Tag vor der heutigen Eröffnung der O2 World sind rund 500 Berliner Schulkinder zum großen Hallentest eingeladen. Auf der Hälfte der Eisfläche sind Tore aufgestellt, auf dem abgedeckten Rest wird Basketball und Tennis gespielt. Den ganzen Vormittag über toben die Kinder in der Halle herum. In der Umkleidekabine der Eisbären erfahren sie, wozu dort ein Riesenfernseher an der Wand hängt (zur Taktikbesprechung). Und dass jeder Spieler Geld in die Teamkasse einzahlen muss, wenn er über das Eisbären-Mannschaftslogo auf dem Fußboden läuft. „Strenge Sitten“, meint Christian beeindruckt. Der zehnjährige Eisbären-Fan aus Köpenick hat extra sein Felski-Trikot übergezogen. Christian freut sich auf Sonntag, wenn er sein Idol, den Spieler Sven Felski, beim ersten Spiel in der neuen Halle sieht. Im Wellblechpalast war er oft, sagt er. Die neue Halle gefalle ihm aber besser. „Hier ist es viel heller und größer.“ Und noch etwas beeindruckt die Jungs: Dass in den Urinalen für die Männer ein kleines Eishockeytor steht. „Das soll man treffen, funktioniert prima“, sagt einer.

Der Europa-Chef der Anschutz Entertainment Group, Detlef Kornett, ist stolz auf die neue Halle. „Wir entwickeln hier nach langen Debatten mit Anwohnern eine Stadtbrache.“ Mit der Arena würden zudem an die tausend Jobs geschaffen, was gerade für Friedrichshain-Kreuzberg wichtig sei. Zur Eröffnung heute Abend lädt Kornett die Berliner auf den Hallenvorplatz ein. Dort gibt es Stände mit Speisen und Getränken, ab 21 Uhr wird die Fassade illuminiert, ein Feuerwerk soll es geben.

Widerstand mit Pflastersteinen

Die Freude über die neue Halle teilen nicht alle. In der Nacht zu gestern wurden an der Turmstraße in Moabit und an der Berliner Allee in Weißensee zwei Läden des Telefonunternehmens O2 mit Steinen beworfen. Laut Polizei wurden Scheiben beschädigt, es seien Parolen gegen die O2 World geschmiert worden. In einem Bekennerbrief, der der Berliner Zeitung vorliegt, heißt es, Ziel der Aktionen sei der Protest „gegen das gesamte Mediaspree-Projekt“. Der Widerstand richte sich „gegen die Vertreibung von Sozialschwächeren, Migranten und alternativen Freiräumen im Zuge von Stadtumstrukturierung und Kiez-
aufwertung.“

Auch für heute Abend sind Aktionen angekündigt. Die Gruppe „Spreepiraten“ will gegen „eine nur am Profit orientierte Politik“ demonstrieren. Angemeldet sind 500 Teilnehmer. Gestern Mittag versenkten genau gegenüber der Halle rund 15 Aktivisten eine aus Pappe gebastelte Arena in der Spree. „Wir werden unseren Protest auf vielfältige Weise ausdrücken“, sagt einer der Piraten.

Berliner Zeitung, 10.09.2008