Berlin

Gericht entscheidet über Mathe-Prüfung

Schüler protestieren gegen die Wiederholung der Mathematik-Klausur. Markus Wächter
Schüler protestieren gegen die Wiederholung der Mathematik-Klausur.
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Schülerin reicht Klage ein - 3.000 Demonstranten vor dem Roten Rathaus

von Tobias Miller und Eva Dorothée Schmid

Überraschend half die Polizei den Schülern. Sie stellte ihren Lautsprecherwagen zur Verfügung, damit Kay-Dennis Cholewinski zu den 3000 Jugendlichen vor dem Roten Rathaus sprechen konnte. Der Zehntklässler aus Schöneberg hatte die Demo gegen die Wiederholung der Mathematik-Prüfung des Mittleren Schulabschlusses (MSA) angemeldet. "Es kann nicht sein, dass der Senat unfähig ist und wir deshalb nachschreiben müssen", sagte er am Montag.

Die Prüfung fand am vergangenen Mittwoch statt und wird nun wiederholt, weil die Aufgaben vor dem Termin unter Schülern herumgereicht wurden. Wie sie durchsickern konnten, ist immer noch unklar, Gerüchte gibt es viele (siehe nebenstehenden Text). An mindestens 60 Schulen habe es konkrete Hinweise auf Unregelmäßigkeiten gegeben, so die Senatsbildungsverwaltung. Am kommenden Montag sollen alle 28 000 Zehntklässler nochmal schreiben.

Die Meinung vor dem Roten Rathaus war eindeutig: "Keine Wiederholung, keine Wiederholung" und "Eigene Schuld, eigene Schuld" skandierten die Schüler. Zur Beruhigung trug auch nicht der Brief von Bildungsstaatssekretär Eckart Schlemm an alle Berliner Zehntklässler bei, den Cholewinski verlas. Schlemm begründete darin die Notwendigkeit des Nachschreibens mit Chancengleichheit: "Ich drücke Ihnen allen die Daumen für die Wiederholung", heißt es am Ende des Briefs. Da flogen Stifte nach vorn. Ansonsten blieb die Demonstration aber friedlich, so ein Polizeisprecher.

Zeitgleich zur Schülerdemo hat gestern eine Schülerin beim Verwaltungsgericht gegen die Wiederholung der Prüfung geklagt. Das bestätigte ein Sprecher des Gerichts. Man habe die Bildungsverwaltung zur Stellungnahme bis Donnerstag aufgefordert, sagte er. "Im Laufe der Woche wird entschieden." Am Freitag war ein ähnlicher Antrag einer Gesamtelternvertretung aus Weißensee als nicht zulässig abgewiesen worden. Es sei unverhältnismäßig, alle Schüler die Klausur wiederholen zu lassen, lautet die Begründung der Schülerin. Ulrich Battis, Verwaltungsrechtler an der Humboldt-Universität, gibt dem Antrag kaum eine Chance auf Erfolg. Der Grundsatz im Prüfungsrecht sei Chancengerechtigkeit, sagte er. "Und die war hier offenbar nicht gewahrt", weil viele Schüler die Aufgaben vorher kannten. Würde die Prüfung nicht wiederholt, könnte ein Schüler, der sich benachteiligt fühlt, weil er die Aufgaben nicht vorher hatte, auf Wiederholung klagen - mit Aussicht auf Erfolg.

Auch Wolfgang Harnischfeger, Leiter des Beethoven-Gymnasiums in Steglitz und Vorsitzender der Schulleitervereinigung in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), ist für die Wiederholung. Die einzige Berechtigung für zentrale Prüfungen sei die Vergleichbarkeit der Ergebnisse. "Und die ist hier nicht mehr gegeben", sagte er. Damit widerspricht er dem GEW-Vorstandssprecher Peter Sinram. Der hatte die Forderung der Schüler unterstützt. Die Ehrlichen dürften nicht die Dummen sein, sagte er bei der Demo und schlug vor, das Problem vor Ort in den Schulen zu lösen.

Zöllner soll sich entschuldigen

Der Senat dürfe nicht alle Schüler bestrafen und juristische Auseinandersetzungen provozieren, so der bildungspolitische Sprecher der CDU, Sascha Steuer. Er schlug vor, dass die Prüfung nicht gewertet wird. Als MSA-Note könne die Jahrgangsnote genommen werden. Schüler, die sich verbessern wollten, sollen freiwillig mitschreiben können. Mieke Senftleben (FDP) verlangt von Zöllner, dass er sich bei den Schülern entschuldigt.


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Sicherheit an erster Stelle

Der Beginn der Mathematik-Wiederholungsklausur für den Mittleren Schulabschluss am Montag, 23. Juni, um eine Stunde verschoben worden. Die Klausur beginnt erst um 11 Uhr statt wie üblich um 10 Uhr. Die Aufgaben sollen erst am selben Tag zwischen 7.30 Uhr und 10.30 Uhr an die Schulen geliefert werden. Damit soll ein erneutes Durchsickern verhindert werden.

Gibt es wieder eine Panne, müssten die Schulen eine dritte Testvariante vom internen Computerserver der Senatsbildungsverwaltung am Morgen der Prüfung herunterladen. Der Test müsste dann allerdings in der Schule für die Examensteilnehmer erst noch kopiert werden.

Die Senatsverwaltung sucht immer noch das Leck. Bislang gebe es keine Hinweise, dass die Kartons und die versiegelten Umschläge, in denen die Klausuren an die Schulen geschickt worden sind, beschädigt angekommen seien, teilte die Verwaltung mit. Bislang hätte auch keine Schule geklagt, sie habe keinen Tresor.

Berliner Zeitung, 17.6.2008