Berlin - In der Garage eines Einfamilienhauses in Halle stand sie, die Flugabwehrkanone (Flak 38) aus dem Zweiten Weltkrieg. Etwa zwei Meter breit und ein Meter hoch ist dieses alte Kriegsgerät. Es kann sich komplett um die eigene Achse drehen und das Kanonenrohr ist höhenverstellbar. Der Besitzer, ein Augenarzt aus Halle, wusste durchaus, dass seine Sammelleidenschaft strafbar ist. Ein solches Gerät darf niemand besitzen.
Auch keine Kalaschnikow AK 47. Die fanden Ermittler im Futter einer Stahltür bei einem Tatverdächtigen in Treptow. Dieser hatte neben 20 legalen Waffen, für die er eine Besitzkarte hatte, zwei illegale und etwa ein Kilogramm Sprengstoff bei sich zu Hause versteckt. Durch Mithilfe der Tatverdächtigen konnten bei einem weiteren Sammler in Schwerin zwei Läufe für eine Flugabwehrkanone und eine Maschinenpistole sichergestellt werden. Die Kalaschnikow wie auch die Flak fallen unter das Kriegswaffenkontrollgesetz, Besitz und Handel sind strengstens verboten.
Ein ganzes Waffenlager haben die Ermittler in den drei Bundesländern Berlin, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sichergestellt: mehr als 40 scharfe Waffen, mehrere hundert Waffenteile und rund 17 000 Schuss Munition. Der Wert dieser Waffen liegt bei mehreren hunderttausend Euro. Dabei habe alles ganz harmlos angefangen, so Manfred Schmandra, Leiter des Raubdezernats beim Landeskriminalamt. Ausgangspunkt der Ermittlungen war der Hinweis auf einen 20-Jährigen in Wilmersdorf, der über eine Internetwaffenbörse Teile von Schusswaffen gekauft hatte. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung wurden 13 scharfe Kurz- und Langwaffen sichergestellt. Dafür hatte der gelernte Büchsenmacher aber keine Besitzerlaubnis. Die Polizei verdächtigt ihn, legale Dekorationswaffen zu illegalen und funktionstüchtigen Waffen umgebaut zu haben, um sie später im Internet zu versteigern.
"eGun - Der Marktplatz für Jäger, Schützen und Angler", heißt das Internet-Portal, über das mehrere tatverdächtige Waffensammler miteinander in Kontakt kamen. Hier kann man Waffen- und Waffenteile erwerben. Allerdings muss beim Kauf eine Erwerbsberechtigung vorgewiesen werden. Der Verkäufer ist angewiesen, nur mit berechtigten Käufern zu handeln. Die sichergestellten Waffen wurden wohl aber nicht über diese Plattform gehandelt, einzelne Waffenteile eventuell aber schon. Woher die Flugabwehrkanone stammt, versuchen Polizei und Landeskriminalamt derzeit noch zu klären. Bisher ist nur klar, dass sie umlackiert und über Finnland importiert wurde. Sie hat etwa 19 000 Euro gekostet.
Gegen die drei Waffensammler wurde Haftbefehl erlassen. Auch wenn sie die Waffen nicht für Straftaten gebrauchten, so stellen sie doch eine erhebliche Gefahr dar. Wüssten Kriminelle, wo solche Waffen lagern, könnten diese schnell in falsche Hände gelangen. Außerdem wurden die versteckten Waffen unsachgemäß gelagert. Die Ehefrau des Augenarztes in Halle wusste beispielsweise überhaupt nicht, dass anstatt eines Autos eine Flugabwehrkanone in der Garage stand.
Die drei Tatverdächtigen haben durch ihre Kooperationsbereitschaft den Beamten geholfen, im gesamten Bundesgebiet weitere Ermittlungen einzuleiten. Sie sind derzeit gegen Auflagen auf freiem Fuß.
"Das sind Sammler, Verrückte und Kranke", sagte gestern Manfred Schmandra, für den ein solcher Fall einmalig in seiner langjährigen Zeit bei der Kripo ist. "Man denkt immer schon alles gesehen zu haben, doch wenn man so eine Flak in einer Garage stehen sieht, hat man nur Fragezeichen in den Augen."