Berlin - Einen Tag nach dem Großfeuer auf dem Gelände eines Papierlagers in Kreuzberg untersuchten gestern Brandermittler des Landeskriminalamtes die Überreste. Das Lager an der Köpenicker Straße wird von der Firma Papierbank genutzt. Bei dem Feuer auf der 10 000 Quadratmeter großen Lagerfläche an der Spree waren unzählige Papierballen in Flammen aufgegangen. Verletzt wurde niemand. Erst gestern Mittag war das Feuer nach 16 Stunden gelöscht. Wie hoch der Schaden ist, wird noch ermittelt.
Die Polizisten sicherten gestern Spuren. Hunde zur Suche von Brandbeschleunigern wurden bisher aber nicht eingesetzt. Seit Oktober vergangenen Jahres nutzt die Polizei diese Möglichkeit und hat vier Schäferhunde zum Aufspüren von Benzin, Lacken oder Petroleum. Selbst einen Tropfen Benzin, der auf einer Fläche so groß wie ein Fußballfeld ausgeschüttet wird, finden sie. Doch gestern war es für die Tiere noch zu heiß, hieß es. Details der Untersuchungen wurden nicht bekannt. Die Fahnder schließen fahrlässige oder vorsätzliche Brandstiftung nicht aus. Aber auch ein technischer Defekt könnte das Feuer ausgelöst haben, sagte ein Ermittler. Auf dem Gelände steht eine Industriehalle, in der das Altpapier zu Ballen gepresst wurde. Die Halle ist zerstört. Die Pressmaschine wurde dabei aber kaum beschädigt.
Gestern Vormittag züngelten immer wieder Flammen aus den halb verbrannten Ballen. Feuerwehrleute rissen mit einem Radlader das Papier auseinander, um Brandnester zu löschen. Papierballen seien sehr schwer zu löschen, weil das Wasser in das dicht gepresste Papier nicht richtig eindringen kann, sagte Feuerwehrsprecher Jens-Peter Wilke. Deshalb sei das Löschwasser mit Schaum versetzt worden, damit sich Feuchtigkeit länger hält.
In den nächsten Tagen werden Feuerwehrleute das Gelände sicherheitshalber immer wieder kontrollieren. Das Feuer war am Mittwoch gegen 20 Uhr ausgebrochen. Zu dieser Zeit wurde auf dem Gelände noch gearbeitet, sagen Beschäftigte von Nachbarfirmen. Ein Mitarbeiter der Freiwilligen Feuerwehr Mitte, der auf dem Areal beschäftigt ist, organisierte die ersten Löscharbeiten. Insgesamt waren 130 Feuerwehrleute im Einsatz. Gegen 1.30 Uhr hieß es dann, dass die Flammen unter Kontrolle seien und sich nicht auf umliegende Unternehmen weiter ausbreiten können. Wegen des starken Qualms fuhr die Polizei durch Kreuzberg und bat Anwohner vorsorglich mit Lautsprecherdurchsagen, Fenster und Türen zu schließen. Nach Aussage von Sprecher Wilke seien aber bei Luftmessungen durch Spezialisten der Kriminaltechnik sowie der Feuerwehr keine großen Mengen an Giftstoffen gemessen worden.