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Kuranyi! Im Urlaub!! Auf Ibiza!!!

Im Guten wie im Schlechten: Wie Leser-Reporter die Berichterstattung der Medien beeinflussen

Daniel Bouhs

Wie das unfassbare Chaos am vergangenen Samstag die Loveparade binnen weniger Minuten von einer Dauer-Feier-Meile zu einem Horror-Trip verwandelte, ist minutiös dokumentiert - im Internet. Was die TV-Sender meist gar nicht einfingen, knipsten und drehten viele von denen, die in Duisburg mit dem Schrecken davonkamen.

Ihre Filme heißen "Sicht von oben", "Kurz vor dem Öffnen des zweiten Zugangs 16:28", "Die ersten Minuten danach!" und "Blick auf die Rettungskräfte". Mit Hunderten anderen stehen diese Clips auf der Plattform Youtube. Viele schon seit dem Tag des Grauens. Einige Youtube-Nutzer haben Profile wie "DasLoveParadeDrama" angelegt, um das Material der Augenzeugen zu bündeln. Das Ergebnis ist eine Sammlung, die nicht nur Schaulustige und Fernsehsender interessieren dürfte. Weil die Amateurfilmer die Szenen aus allen Perspektiven aufgenommen haben, bietet sich Ermittlern das ganze Bild - zerlegt in viele Fragmente.

Eine halbe Million Bilder

Das Unglück von Duisburg zeigt: In Zeiten, in denen Handys jeder Preisklasse mit Foto- und Videokameras ausgerüstet sind, entgeht der Öffentlichkeit nichts mehr. Das wollen auch professionelle Medienmacher für sich nutzen - allen voran die Bild-Zeitung. Seit vier Jahren schon lockt Deutschlands größte Boulevardzeitung "Leserreporter" im großen Stil. Seit 2006 liefen in den Räumen der Zeitung mehr als eine halbe Million Schnappschüsse und Videos auf.

Veröffentlichte Fotos entlohnt die Redaktion mit bis zu 500 Euro. 2,3 Millionen Euro hat das Blatt nach eigenen Angaben auf die Konten ihrer Leser überwiesen und gut 13 500 ihrer Fotos gedruckt. Wirklich Spektakuläres scheint dennoch selten. Zwar landete Bild mehrere Treffer, weil ihnen Leser 2006 erste Aufnahmen vom Transrapid-Unglück oder auch dem Beinahe-Absturz des damaligen SPD-Chefs Franz Müntefering lieferten.

"Vieles, was die Bild-Zeitung veröffentlicht, ist einfach nur kurios - sei es der Polizist beim Pinkeln oder sein Kollege, dem das Benzin ausgegangen ist", sagt Ilona Ammann. Mit einer Forschergruppe der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität hat die Wissenschaftlerin zwei Jahre jede Ausgabe der Bild-Zeitung unter die Lupe genommen. Ihre Studie wird gerade veröffentlicht. Kern der Analyse ist, dass "Fotos, die wirklich einen hohen Wert haben und sehr aktuell sind, die Ausnahme bilden", sagt Amman.

Während die Bild-Zeitung seit diesem Jahr auch Leser sucht, die Prozesse bei Gericht dokumentieren, schickt sich mit Tvype ein Berliner Unternehmen an, mit Amateuren gemeinsam Kasse zu machen. "Viele Beispiele zeigen, dass das Material von Bürgerreportern inzwischen gut genug ist, um für die Medien interessant zu sein", sagt Gründer Daniel Holle. Eindrucksvoll seien etwa die Aufnahmen von Urlaubern gewesen, die in Thailand vom Tsunami oder in London vom Terror überrascht wurden.

Bisher habe ein "professioneller und strukturierter Weg gefehlt, damit der Bürgerreporter sein Material schnell in die Redaktionen bekommt", so Holle. Er will das ändern und bietet jedermann die Möglichkeit, Fotos und Videos hochzuladen. Redaktionen können das Material kaufen, gegen Aufpreis auch exklusiv. Tvype ist Anfang Juni gestartet, die Resonanz bisher eher ernüchternd. Die brauchbarsten Aufnahmen, wenn überhaupt: Kevin Kuranyi beim Urlauben auf Ibiza und ein Transporter-Unfall in Berlin-Reinickendorf.

Als die Bild-Zeitung mit ihren Leserreportern begann, warnten Polizei und Rettungsdienste vor Gaffern. Verlockende Honorare könnten Skrupeln entgegenstehen. Zum Start von Tvype wiederholte dann auch der Journalistenverband DJV seine Mahnung, Amateure würden "im Zweifel den Berufsstand der professionellen Bildjournalisten" gefährden.

Frage nach der Glaubwürdigkeit

Ohnehin stellt sich stets die Frage, wie glaubwürdig das Material der Amateure ist. Zeigen die Aufnahmen der Laien wirklich, wonach es dem ersten Augenschein nach aussieht? Bei der Bild-Zeitung sitzt ein gutes Dutzend Mitarbeiter, das genau nachprüft. Und auch der Tvype-Macher sagt, seine Mitarbeiter würden Fotos und Videos vor der Freischaltung zumindest auf Plausibilität prüfen. Dennoch mahnt Holle: "Wir werden den Redakteuren nie die journalistische Arbeit abnehmen können. Es wird immer ihnen überlassen sein, ob das Material ihren Qualitätsansprüchen genügt."

Die "oft nur sehr ungenauen Informationen zu den Aufnahmen", so Holle, seien das größte Problem mit den Leser-Reportern. Da stelle sich schon mal heraus, dass das Foto "nicht einen Einsatz der Feuerwehr Frankfurt, sondern der Feuerwehr Bad Vilbel" zeigt.

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Portal für Fundstücke

Tvype.com heißt ein Internetdienst, der Redaktionen und Bürgerreporter zusammenbringen will. Wer Fotos oder Videos einstellen oder übernehmen will, muss sich registrieren lassen. Per App fürs iPhone können Anbieter Material auch direkt hochladen.

Die Bezahlung für das eingestellte Material richtet sich nach der Nachfrage. Die Anbieter legen zu Beginn einen Preis fest, der ihnen sinnvoll erscheint. Auf diesen Basispreis schlägt Tvype einen Aktualitätsbonus auf, der mit der Zeit verfällt.

70 Prozent der Einnahmen, die mit dem Verkauf der Fotos und Videos erzielt werden, bekommt der Bürgerreporter, 30 Prozent behält der Dienst. Nach Angaben von Tvype sind Einnahmen von mehreren Tausend Euro pro Bild möglich.

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Foto: Der Leser-Reporter neuen Typs