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Wenn Großmutter bloggt

Viele Senioren nutzen inzwischen die Angebote des Internets. Doch selbst aktiv werden nur die wenigsten

Fabian Wurbs

Oma is jetz online" steht auf der Website von Brigitte Kube. Dabei sei sie "überhaupt nicht technisch bestäubt worden", sagt die 65-jährige Rentnerin und lacht. "Aber ich hab immer gesagt, wenn es geht, dann mach ich es. Muss ja den Staubsauger auch einschalten können." Auf ihrem kleinen Computertisch liegen neben Fotos ein Headset und zwei große Lesebrillen. Unter www.blogoma.de schreibt Brigitte Kube nun seit fünf Jahren über ihre vielfältigen Aktivitäten, von Spaziergängen, über Besuche beim Hunde-Psychologen, bis hin zu Geocaching mit dem Sohn - Entschleunigung auf dem Datenhighway. Sie gehört zur Generation der sogenannten Silver Surfer - den Internet-Nutzern über 60 Jahren. Allein in Deutschland gibt es laut der ARD/ZDF-Online-Studie 2009 5,3 Millionen von ihnen. Damit bilden sie im World Wide Web eine größere Gruppe als die 14- bis 19-jährigen Teenager. Rund 27 Prozent der Über-60-Jährigen nutzen das Internet.

Weit weniger bekannt und untersucht sind dagegen die Silver Blogger. Mit ihnen hat sich Tine Nowak vom Museum für Kommunikation in Frankfurt ausführlicher beschäftigt. Die Wissenschaftlerin betont, dass die Gruppe der Silver Surfer sehr unterschiedlich zusammengesetzt ist. Es gibt jene, die mit dem Computer absolutes Neuland betreten und solche, die schon in den 90er-Jahren im Web waren. "Denen merkt man das nicht an, ob sie älter oder jünger sind."

Weblogs sind unter den Silver Surfern wenig bekannt. Die meisten der Über-60-Jährigen haben laut einer Studie von 2008 noch nie von Weblogs gehört. Lediglich ein Prozent der Über-60-Jährigen geben heute an, Blogs zu nutzen. "Die Bekannten wundern sich, dass ich das mache", sagt Brigitte Kube. Häufig müsse sie Gleichaltrigen erklären, was ein Blog ist.

Dabei, findet Tine Nowak, eignen sich Blogs gerade für Senioren: "Sie verfügen meist über Zeit und können sich in ihren Webprojekten individuellen Vorlieben widmen." Die Themen hierbei sind sehr vielfältig: "Das können Hobbys sein, das kann aber auch der Kleingartenverein oder das eigene Leben sein."

Autobiografisch nutzte beispielsweise die im Alter von 97 Jahren verstorbene Spanierin Maria Amelia Lopez ihr Blog. Bis zum letzten Jahr galt sie als älteste Bloggerin der Welt. Als die schlagfertige alte Dame am 23. Dezember 2006 anfing zu bloggen, schrieb sie: "Heute ist mein Geburtstag. Und weil mein Enkel ziemlich knauserig ist, hat er mir ein Blog geschenkt." Mehr als 1,5 Millionen Leser verfolgten ihr mehrfach ausgezeichnetes Blog, in dem Lopez ihre Meinung zu aktuellen politischen Ereignissen kundtat, aber auch über ihre Erlebnisse aus dem spanischen Bürgerkrieg in den 30er-Jahren berichtete.

Ebenfalls berühmt geworden ist der 82-jährige Peter Oakley. Unter dem Namen "geriatric1927" erzählt der Engländer über das Videoportal YouTube seine Lebensgeschichte in kurzen Episoden. Sein erstes Video wurde mittlerweile über zwei Millionen Mal gesehen. Der Video-Blogger erlangte in seiner Heimat eine Bekanntheit über YouTube hinaus, bis hin zu Auftritten im englischen Fernsehen.

Doch viele Senioren haben immer noch Berührungsängste vor Computern, insbesondere Frauen. Den meisten Älteren genügt das Angebot der anderen Medien, aber auch die Einschätzung des Internets als "gefährlich" ist nach wie vor verbreitet. Zudem schrecken die technischen Hürden immer noch viele ältere Menschen ab.

Tine Nowak setzt sich mit ihrer Arbeit am Museum für Kommunikation dafür ein, mehr Senioren ins Internet zu bringen. Insbesondere das Festhalten von Erinnerungen für die Nachwelt mittels Web sei sinnvoll, weil so "die Geschichten und Erfahrungen, die die Älteren gemacht haben, auch an andere weitergegeben werden." Außerdem würde man "noch einmal selbst reflektieren und sich selbst neu finden." Der positive Nebeneffekt für die Silver Blogger ist, dass sie länger geistig fit bleiben.

Auch Brigitte Kube rät ihren Altersgenossen, selbst zu bloggen. "Ich würde sagen, es ist eine schöne Sache, wenn man sich noch mit anderen austauschen kann. Es kommt ja immer Feed-back." Sie überlegt einen Moment. "Was heißt das eigentlich? Ist ja auch egal, aber ich finde das schön."

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Foto: Online first: Die Berlinerin Brigitte Kube bloggt seit fünf Jahren.