Seit Montag hat die Deutsche Bank einen Datenraum eingerichtet, in dem Kaufinteressenten von N 24 innerhalb von zwei Wochen die Geschäftsbücher des Nachrichtensenders studieren können. Dies erfuhr die Berliner Zeitung am Rande eines Symposiums, das die Kontrolleure des Privatfunks, die Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM) am Mittwoch in Berlin veranstalteten. Es ging um die gesellschaftlichen Pflichten des Rundfunks. Prominentester Gast war Thomas Ebeling, seit einem Jahr Vorstandschef der Sendergruppe ProSiebenSat.1. Zwischen fünf und zehn Interessenten für N 24 hätten sich bei ihm gemeldet, sagte Ebeling. Für sein ernsthaftes Interesse bekannt ist bisher ein Konsortium aus den Geschäftsführern von N 24 um Torsten Rossmann sowie Stefan Aust, ehemals Spiegel-Chefredakteur.
N 24 ist nicht nur ein eigener Sender, sondern zugleich Lieferant sämtlicher Nachrichtenangebote von ProSiebenSat.1. Ebelings Plan, das Budget von N 24 um zwei Drittel zu kappen oder ihn besser gleich ganz zu verkaufen, hat die Medienpolitik auf den Plan gerufen. Das bestätige, sagte Ebeling, wie recht er gehabt habe, als er den umstrittenen Satz sagte, Nachrichten seien "vielleicht für das Image bei Politikern wichtig, aber nicht unbedingt bei allen Zuschauern".
Ablehnend zeigte er sich nicht erst am Mittwoch gegenüber dem Vorschlag des DLM-Vorsitzenden Thomas Langheinrich, die Privatsender sollten eine freiwillige Selbstverpflichtung eingehen, in der sie einen bestimmten Anteil der Programmkosten für die Produktion festlegen und den Einkauf von Nachrichten sowie Art und Umfang des Nachrichtenangebots definieren. Schließlich seien Privatsender nicht nur Wirtschafts-, sondern auch Kulturgut und damit verpflichtet, ihren "Beitrag zur Selbstverständigung der Gesellschaft" zu leisten, wie es vom Bundesverfassungsgericht festgestellt worden ist. Ebeling konterte: "Es gibt keinen Bedarf für weitere Regulierung", womit er Gefahr läuft, dass aus der Forderung nach freiwilliger Selbstverpflichtung eines Tages eine Zwangsverpflichtung wird.
Ebeling ist der Ansicht, dass allein der Erfolg über das Programm entscheidet, wobei sich Erfolg allein in der Vermarktbarkeit und in Quoten messen lasse. Umso geringer ist sein Verständnis für das Gewese um den Sender N 24, der, so Ebeling, gerade mal auf ein Prozent Marktanteil komme und ein Programm sende, das zu sechzig Prozent gerade nicht aus Nachrichten bestehe. Angesichts von 70 Millionen Euro Kosten, denen lediglich 20 Millionen Euro Werbeeinnahmen gegenüberstünden, frage er sich zudem: "Wie viel Verluste muss man akzeptieren: Mutet man uns 20, 40 oder 50 Millionen Euro zu, um der publizistischen Aufgabe gerecht zu werden?", Selbst wenn er bei der mit 3,3 Milliarden Euro verschuldeten Sendergruppe ProSiebenSat.1 mehr Geld für Programm zur Hand hätte, sagte Ebeling, würde er in vieles, aber sicher nicht ins Nachrichtenangebot investieren. Ebeling fühlt sich vom Angebot seiner Sender übrigens selbst offensichtlich nicht optimal informiert. Er räumte ein, dass er abends immer "Tagesthemen" schaue und morgens jeweils eine halbe Stunde das Frühstücksfernsehen von ARD und ZDF.
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Foto: Zwischen fünf und zehn Interessenten: N 24 steht zum Verkauf.