Über das deutsche Fernsehen wird ja oft und gern gezetert, doch das ist Jammern auf hohem Niveau, denn das deutsche Fernsehen ist deutlich besser als sein Ruf. Die besten vieler guter Programme, oder was die Jurys dafür hielten, wurden am Mittwoch mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet, dem immer noch renommiertesten deutschen Fernsehpreis.
Vor allem im fiktionalen Bereich, die hiesige Serie ausgenommen, kann sich das Publikum nicht beklagen. Das vorherrschende Filmgenre ist der Krimi, und so ist es folgerichtig, dass drei von fünf Grimme-prämierten Filmen dieser Gattung angehören. Dazu kommen das Dokudrama "Die Wölfe" und das WDR-Drama "Frau Böhm sagt nein" mit der stets wundervollen Senta Berger und einer spätestens hier sehr auf sich aufmerksam machenden Lavinia Wilson. Der Film erzählt vom Aufmupf einer Vorstandssekretärin, die ihr Leben lang korrekt und loyal gehandelt hat, sich beim Verkauf des Unternehmens aber weigert, horrende Gewinn- und Abfindungszahlungen zu überweisen. Senta Berger verleiht der verhuschten Vorzimmerdame einen seltenen Glanz, Lavinia Wilson als ihr Gegenstück und Vertreterin der modernen Arbeitswelt glänzt ganz anders und nicht minder.
"Der jetzige Preisjahrgang beweist eindrucksvoll, dass gutes, dass herausragendes Fernsehen keine Chimäre ist, und dass sich exzellente Qualität in einem breiten Spektrum findet, gerade auch in der Fiktion", sagte der Direktor des Grimme-Instituts, Uwe Kammann. Das zeigt sich auch an der hohen Qualität der nichtprämierten Programme. 16 Filme waren nominiert, viele Krimis, aber auch Dramen wie "Über den Tod hinaus" mit einer herausragenden Silke Bodenbender, die Neuverfilmung des Klassikers "Der Seewolf" und mit "Barfuß bis zum Hals" sogar eine Komödie. Die kam als einziger Beitrag der Privaten von Sat.1 - was viel über die nachlassende Film- und Serienproduktion der kommerziellen Sender sagt und einiges über die anhaltende Unlust der Grimme-Jurys, auch etwas populärere Beiträge zu würdigen. Doch wo nichts ist, kann auch nichts gewürdigt werden.
Das sieht in Sachen Unterhaltung, eigentlich eine Domäne der Privaten, nicht besser aus. Von zwölf Beiträgen, darunter zwei Angeboten der Privaten, kam kein einziges bis zum Grimme-Preis. Da mussten schon mit "Inas Nacht" und der "heute-show" zwei Sendungen nachnominiert werden, die auch prompt ausgezeichnet wurden.
Dafür nehmen die Privatsender in der Sparte Information & Kultur, in der die wenigsten mit den Privaten rechnen, gleich zwei Grimme-Preise mit. Das Mammutprojekt "24h Berlin", das 24 Stunden nonstop im RBB und auf Arte ausgestrahlt wurde und bei dem die meisten mit einer Auszeichnung gerechnet hatten, geht dagegen leer aus. Bei Grimmes sind die Wege eben unergründlich.
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Ausgezeichnet
Fiktion: "Kommissar Süden und der Luftgitarrist" (ZDF); "Frau Böhm sagt nein" (ARD/WDR); "Ein halbes Leben" (ZDF); "Mörder auf Amrum" (ZDF); "Die Wölfe" (ZDF)
Information & Kultur:
"Eisenfresser" (BR/Arte/ RBB); "Henners Traum" (ZDF); "Tiananmen" (ARD/WDR/Arte/ NDR); "Galileo Spezial - Karawane der Hoffnung" (ProSieben); "Tabubruch" (DSF)
Unterhaltung: "Inas Nacht" (ARD/NDR);
"heute show" (ZDF)
Die Preisverleihung findet am 26. März in Marl statt.
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Foto: Senta Berger als Sekretärin im Widerstand in dem WDR-Drama "Frau Böhm sagt nein"