BERLIN. Offiziell hat Hasso Plattner das Ruder bei SAP vor sieben Jahren aus der Hand gegeben. Zwar ist der 66-Jährige noch Aufsichtsratschef des von ihm und vier Mitstreitern gegründeten Softwareunternehmens. Die operative Führung des Konzerns hat er damals aber anderen überlassen. Der Multi-Milliardär - die Zeitschrift Forbes schätzt sein Vermögen auf gut sechs Milliarden Euro - wollte sich mehr seinen anderen Interessen widmen: dem Hochsee-Segeln, dem Golfen oder auch diversen sozialen, kulturellen und wissenschaftlichen Projekten wie dem von ihm ins Leben gerufenen Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik an der Universität Potsdam.
Wieder mehr Innovationen
Doch jetzt nimmt Plattner, der noch immer mit rund zehn Prozent an SAP beteiligt ist, bei dem Unternehmen wieder die Zügel in die Hand. Denn bei SAP brennt es. Plattner will nicht tatenlos zusehen, wie sein Lebenswerk Schaden nimmt. Nach mehrfachen Vorstandswechseln baut er die Führungsspitze erneut um: Der glücklose Vorstandschef Leo Apotheker muss gehen und wird durch eine Doppelspitze ersetzt: Die bisherigen Vorstände für Vertrieb und Produktentwicklung, Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe sind künftig gleichberechtigte Vorstandschefs.
Zur Begründung sagte Plattner, die "Neuaufstellung der Unternehmensspitze soll die Produktinnovationen näher mit den Kundenanforderungen zusammenbringen". Im Klartext: Apotheker hat diese entscheidenden Bereiche aus Plattners Sicht vernachlässigt. Apotheker war erst seit knapp zwei Jahren an der SAP-Spitze - erst gleichberechtigt mit Hennig Kagermann und seit Mai 2009 als alleiniger Vorstandschef.
Doch Apotheker agierte glücklos. Er scheiterte mit seinem Plan, die Wartungsgebühren um fünf Prozentpunkte auf 22 Prozent der Software-Lizenzerlöse zu erhöhen. Als die Kunden protestierten, musste er die Erhöhung teilweise wieder zurücknehmen. Apotheker geriet aber nicht nur deshalb bei Plattner in Ungnade. "Möglicherweise gab es Meinungsverschiedenheiten über die grundsätzliche Strategie des Unternehmens", sagt Ulrich Trabert, Analyst beim Bankhaus Metzler. Plattner, so vermutet Trabert, wolle jetzt wieder den Fokus auf Innovationen und mehr Kundenzufriedenheit legen während Apotheker eher die Rentabilität und die Gewinnmargen im Auge gehabt habe. "Der Aufsichtsrat will hier jetzt wohl ein Zeichen setzen", so der Analyst.
Mit neuen Vorstandschefs ließen sich angeschlagene Kundenbeziehungen leichter auf die Füße stellen, vermutet der Analyst. Plattner, so Trabert, wolle jetzt wahrscheinlich seinen Einfluss wieder stärker geltend machen.
In letzter Zeit lief es bei SAP nicht gerade rund. Der Verkaufsstart des groß angekündigten neuen Mittelstandssoftware "Business by Design", das viele Millionen an Entwicklungskosten verschlungen hat, wurde bereits mehrfach verschoben. Jetzt wird erst Mitte dieses Jahres mit der Einführung der neuen Software am Markt gerechnet. Die hochgesteckten Erwartungen an das Produkt sind mittlerweile deutlich gedämpft.
Hinzu kommt, dass sich die Mitarbeiter, die sich traditionell eigentlich außerordentlich stark mit dem Unternehmen identifizieren, innerlich von der Geschäftsleitung distanzieren, seitdem bekannt ist, dass SAP erstmals in seiner Unternehmensgeschichte Stellen abbauen wird: Vor wenigen Tagen hat das Unternehmen angekündigt, dass 3 000 Arbeitsplätze wegfallen werden.
Auch die SAP-Aktionäre hatten zuletzt wenig Freude an ihrem Investment. Die Aktie zählte 2009 zu den schwächsten Dax-Werten. Kein Wunder, musste das Unternehmen aufgrund der schwachen Auftragslage als Folge der Finanzkrise einen Gewinnrückgang um zehn Prozent auf zwei Milliarden Euro hinnehmen. Auch der Umsatz ging um neun Prozent auf 10,7 Milliarden Euro zurück. Immerhin fielen diese Zahlen nicht ganz so schlecht aus, wie zunächst befürchtet - was dem SAP-Aktienkurs zuletzt wieder etwas auf die Beine half.
Konzern von Weltrang
Doch Plattner kann das natürlich nicht zufriedenstellen. Gemeinsam mit Dietmar Hopp (der heute vor allem als Geldgeber des Fußball-Vereins TSG 1899 Hoffenheim von sich reden macht), Claus Wellenreuther, Hans-Werner Hector und Klaus Tschira hatte er SAP 1972 gegründet und aus einer kleinen Softwareschmiede einen Konzern von Weltrang gemacht, der es sogar in den Dax schaffte - eine einzigartige Entwicklung in Deutschland.
------------------------------
Schlechter als der Durchschnitt
Börse: SAP musste im vergangenen Jahr kräftige Gewinneinbußen verkraften. Der Aktienkurs stieg deshalb weniger stark als der Durchschnitt aller Dax-Werte. Die Nachricht vom Umbau an der Konzernspitze führte gestern erneut zu Kursverlusten bei der Aktie des Softwareunternehmens.
------------------------------
Grafik: SAP Nettoertrag (2008-2009)
Grafik: SAP (2009-2010)
Foto: SAP-Gründer Hasso Plattner sorgt sich um sein Lebenswerk. Jetzt baut er den Konzern um und setzt wieder mehr auf Innovationen und Kundennähe.