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Die Videos von Mister El Kaida

Zweifel an der Echtheit der Bin-Laden-Botschaften

Julia Gerlach

Bin Laden ist wieder da. Hatten sich doch gerade die Stimmen gemehrt, die den Terrorchef für tot erklärten und die Unterstützung für El Kaida unter muslimischen Jugendlichen bröckeln sahen, da schickte die Jemen-Filiale einen Selbstmordattentäter, der am Weihnachtstag ein Verkehrsflugzeug über Detroit sprengen sollte. Die Aktion scheiterte, doch dann meldete sich Osama Bin Laden persönlich und erklärte sie zum Erfolg: "Es ist gelungen, die Angst in die Herzen der Amerikaner zurückzubringen!" Tatsächlich hatte es zuvor lange keine Angriffe in den USA gegeben.

Wie üblich, gelangte die Audio-Botschaft auf konspirativem Weg zum Satellitensender Al Dschasira und wie üblich, wurde der Sender dafür kritisiert, sich zum Sprachrohr des Terrors zu machen. Dieses Mal griff der Sender allerdings die Kritik auf: "Wir senden diese Bänder, weil wir Druck auf die USA ausüben wollen, dass sie die Bedrohung durch den Terror ernst nehmen", sagt Chefredakteur Ahmed al Sheikh. Er findet die Kritik verlogen: "Schließlich übernehmen hinterher alle anderen TV-Sender unser Material und senden es."

Die Aufregung um das erste Lebenszeichen Bin Ladens seit mehreren Monaten war noch nicht vorbei, da strahlte Al Dschasira gleich das nächste Band aus. Diesmal hielt sich Bin Laden mit offenen Drohungen gegen den Westen zurück. Er fordert vielmehr seine Zuhörer auf, die Schuld der USA an der drohenden Klimakatastrophe zu erkennen und durch einen Boykott des US-Dollars Washington zur Einsicht zu zwingen. Neu an der Botschaft ist, dass Bin Laden seine Zuhörer drängt, mit friedlichen Mitteln die USA zu bekämpfen. Auch klingt Bin Ladens Sprache frischer: "From Osama to Obama", lautet der Titel. Fast schon witzig.

Doch es mehren sich Zweifel, ob die neuen Bänder tatsächlich echt sind. "Wir bei Al Dschasira haben unsere Methoden, und wir haben Erfahrung, wir wissen, ob das wirklich Osama Bin Laden ist oder nicht!", entgegnet zwar Chefredakteur Al Scheikh. Aber zuletzt sind internationale Medien mehrfach Kampagnen aufgesessen, die darauf abzielten, die Terrorgefahr zu übertreiben. So geisterte vor dem Prozess im Mordfall Marwa el-Sherbini eine Terrordrohung durch die deutschen Nachrichten. Eine Falschmeldung. Kurz vor Weihnachten meldeten Medien, dass der gemäßigte islamische Prediger Scheich Yussuf al Scheich Qaradawi Weihnachten für vom Islam verboten erklärt habe. Quelle war eine Predigt des Scheichs, aus dem Arabischen übersetzt und verbreitet durch Memri eine - vorsichtig gesagt - parteiliche US-Stiftung. Im Original-Ton kritisierte der Scheich, dass viele Muslime dem Weihnachtskonsum stärker verfielen als Christen.

Die Welt der Botschaften und ihrer Empfänger ist unübersichtlicher geworden, Verschwörungstheorien kursieren. Eine ZDF-Dokumentation über die "Jagd nach Osama bin Laden", heute um 23.15 Uhr wird sich auch damit befassen. Ob hinter der neuen Medienoffensive tatsächlich bin Laden steckt oder die Kampagne von irgendjemand anderem - Terrorgenosse oder Anti-Terror-Kriegs-Profiteur - gesteuert wird, weiß im Zweifel nur einer: Mister El Kaida. Wenn er noch lebt.

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Foto: Osama Bin Laden verschickt wieder Videoaufnahmen. Angeblich.